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Kariesprophylaxe professionell betrachtet

10. März 2015

Eine gut strukturierte Prophylaxesitzung ist die beste Basis

Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung hat dazu einen 5-Punkte-Plan entwickelt, der eine praktische Checkliste ist und Sicherheit für den Prophylaxealltag geben soll. Die präzisen Anweisungen schaffen eine fundierte Basis, die Inhalte einer Prophylaxesitzung zu strukturieren und sich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren. Es sind lediglich 5 Punkte, aber diese sollten vom ganzen Team stets beachtet und eingehalten werden.

1. Prophylaxesitzung mit Wow-Effekt

Zu Beginn der ersten Prophylaxesitzung wird dem Patienten erklärt, was ihn in der nächsten Stunde erwarten wird. Denn oftmals fühlt sich sonst der eine oder andere Patient unsicher, überfordert oder sogar überrumpelt. Mit einem entspannten und empathischen Entree ist der erste Grundstein für eine positive Patientenbindung gelegt und die Kompetenz der Prophylaxe-Assistentin wird gestärkt. Bevor mit der eigentlichen Instruktionsphase begonnen wird, ist ein ausführliches Anamnesegespräch von Vorteil, da die Prophylaxe-Assistentin nur so beurteilen kann, mit welchem Vorwissen der Patient in die Sitzung kommt und um ihn dort abzuholen, wo er aktuell steht. Somit steigen gleichzeitig auch die Chancen, dass er motiviert ist und mitarbeitet.

  • Schritt 1 in der Prophylaxesitzung sollte ein Speicheltest sein. Er gibt genau Auskunft über das individuelle Kariesrisiko des Patienten. Hierbei werden Streptococcus mutans, Lactobacillus und die Speichelfließrate bestimmt. Diese drei Komponenten geben Auskunft, wie hoch die aktuelle Kariesaktivität ist.
  • Schritt 2 ist in der Folge die Evaluierung der Ernährungsgewohnheiten. Hinterfragen Sie dabei möglichst genau, welche Nahrungsmittel und Getränke Ihr Patient bevorzugt zu sich nimmt. Das Erstellen eines Ernährungsprotokolls ist sinnvoll, um dem Patienten seine Ernährungsgewohnheiten sichtbar zu machen. Die meisten wissen nämlich gar nicht, wie viele zuckerhaltige Nahrungsmittel sie zu sich nehmen (die versteckten „–osen“) und dass Süßigkeiten einer der Hauptgründe für Karies sind.

Meist ist den Patienten die Entstehung von Karies unbekannt und sie hören wissbegierig zu, wenn sie darüber aufgeklärt werden, dass die Bakterien im Biofilm den Zucker in Säuren umwandeln, die dann wiederum den Zahnschmelz angreifen. Und wenn dann der Patient erfährt, dass das kariogene Potential von frischen Fruchtsäften ebenso hoch ist wie das von diversen Limonaden, können Sie mit einem erstaunten „Wow, wirklich!“ rechnen.

Ziel jeder Beratung ist jedenfalls eine Sensibilisierung für jene Nahrungsmittel, durch die die Mundflora in einem gesunden Gleichgewicht gehalten werden kann, ohne aber den Zucker gänzlich zu verteufeln. Die Empfehlung lautet: zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten ja, aber so wenig wie möglich und keinesfalls mehr als maximal vier pro Tag – denn darüber hinaus steigt das Kariesrisiko massiv an. Dem Patienten wird damit eine „lebbare“, sprich umsetzbare Strategie angeboten, die nicht gleich zu Reaktanz führt, wodurch die Mitarbeit abgeblockt wird. Wichtig ist es, auch Alternativen für den Zuckerkonsum wie Zuckeraustauschstoffe (z.B. Birkenzucker/Xylitol) zu empfehlen.

2. Kaue dein Kariesrisiko weg

Ein weiteres Thema ist der positive Effekt auf die Zahngesundheit, der durch regelmäßiges Kauen von zuckerfreien Kaugummis entsteht. Patienten erfahren dabei, dass durch den Kauvorgang der Speichelfluss angeregt wird, was wiederum die Plaquesäuren neutralisiert, Nahrungsreste ausspült und wodurch Mineralstoffe für die Zahnsubstanz bereitgestellt werden. Dies ist nach den Mahlzeiten besonders wichtig. Diese „Kaugummi-Kau-Verordnung“ gilt vor allem für Patienten, bei denen die Speichelfließrate unter 1ml/Minute liegt (Quelle: DGZ, dentalfresh 2/2014).

Tipps auf Basis eigener Erfahrungen:

Um dabei den größtmöglichen Effekt zu erlangen, sollte der Patient drei- bis viermal täglich für 10 bis maximal 20 Minuten einen zuckerfreien Kaugummi kauen. Für Patienten mit Kiefergelenksbeschwerden hat sich eine Kaudauer von 5 Minuten als optimal erwiesen, da sonst das Kiefergelenk überlastet wird.

3. Liveberichte aus der Mundhöhle motivieren

Bevor die Prophylaxe-Assistentin das Kapitel Mundhygieneberatung aufschlägt, gilt es die Mundsituation des Patienten zu analysieren: Gibt es Engstände, freiliegende Zahnhälse oder sichtbare Defizite in puncto Mundhygiene? Dabei kommt im Idealfall eine intraorale Kamera zum Einsatz, die Livebilder aus der Mundhöhle zeigt. Patienten, die intraorale Kameras noch nicht kennen, werden diese als eine Revolution erleben: Sie erhalten so Einblicke in die geheime Welt der Mundhöhle und sehen selbst, wo Plaque liegen geblieben ist – sprich, wo es Putzdefizite gibt – die unbedingt vorher mittels Färbemittel sichtbar gemacht werden sollten. Solche Bilder erwecken Aufmerksamkeit und motivieren am besten zur Verhaltensänderung, was ja das eigentliche Ziel jeder Prophylaxesitzung und die „Lebensaufgabe“ jeder Prophylaxe-Assistentin ist.

4. Mindestens 2x täglich 2 Minuten Zähne putzen

Auch bei der Mundhygieneberatung holt die Prophylaxe-Assistentin den Patienten dort ab, wo er sich wissens- und verhaltensmäßig befindet. Wie häufig reinigt er seine Zähne? Mit welcher Zahnbürste und Zahnpasta reinigt er? Benutzt er Zahnseide?  So ergibt sich ein Bild von seinem Kenntnisstand und Defizite werden erkennbar. Die einen reinigen zu wenig und manch anderer ist zu fleißig und meint es zu gut – d. h. reinigt übermäßig lange, zu häufig, zu hart oder es werden hochabrasive Zahnpasten verwendet bzw. sie wenden CHX-Mundspülungen zu häufig an. Das Ziel der Beratung ist daher, das Optimum für jeden einzelnen zu finden und individuell an seine Bedürfnisse anzupassen, um ein gesundes Maß an Mundhygiene zu erreichen.

Die Basis der häuslichen Mundhygiene ist, zweimal täglich eine Mindest-Putzzeit von 2 Minuten einzuhalten. Persönlicher Tipp aus der Praxis: Mit 2x täglich 3 bis 4 Minuten sind noch bessere Ergebnisse zu erreichen (1 Minute pro Quadrant). Die Putzzeit muss natürlich auf die individuelle Putztechnik (z.B. Auflagedruck) und den RDA-Wert der verwendeten Zahnpasta abgestimmt werden. Experten – z.B. Prof Saxer aus der Schweiz – tendieren ebenfalls zu einer längeren Putzdauer von 6 bis 8 Minuten täglich (Quelle: Schweiz Monatsschr Zahnmed Vol. 1120 2/2010) bei einem idealen Putzdruck von 150 g. Die richtige Bürste, Bürsttechnik und Zahnpaste spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Erhaltung eines kariesfreien Gebisses.

Bei Kariesaktivität lautet die Empfehlung immer mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta – im Idealfall mit Aminfluoriden (z. B. elmex®) – zu reinigen und mit einer fluoridhaltigen Mundspülung zu spülen. Dabei ist es ratsam, den Patienten anzuregen, beim Putzen der Zähne zu beobachten, ob Position und Stellung seiner Zahnbürste bzw. seine Bürstbewegungen korrekt sind. Weiters ist auch ein elektronischer Timer von Vorteil, da man sich auf sein Zeitgefühl nicht immer verlassen kann. Viele elektrische Zahnbürsten haben solch einen Timer bereits mit dabei, der die Einhaltung der empfohlenen Putzzeit erleichtert. Prinzipiell können die Zähne aber auch mit einer Handzahnbürste gereinigt werden, sofern der Patient die Putztechnik beherrscht.

Neben der Putzdauer kommt es aber auch darauf an, wirklich alle Zahnflächen systematisch zu reinigen. Individuelle Tipps zur Putztechnik orientieren sich am besten an den Gewohnheiten des Patienten. Es sollte nur das Nötigste umgestellt werden, denn eine radikale Umstellung der Putztechnik führt sehr oft zu einer Resignation des Patienten und minimiert die Compliance.

Auch die Interdentalreinigung ist ein wichtiger Part bei der Kariesvorbeugung. Die richtige Instruktion und Motivation des Patienten ist dabei besonders wichtig.

5. Individuell angepasste Prophylaxe

Neben der Motivation zur richtigen häuslichen Zahnpflege unterstützt die Prophylaxe-Assistentin den Patienten vor allem auch mit individuell angepassten Maßnahmen, die in der Praxis instruiert und vom Patienten in der Sitzung geübt werden. Art und Umfang der Einzelmaßnahmen orientieren sich an der individuellen Situation. Wichtig ist, dass bei Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko das Recallintervall engmaschiger ist, während Patienten mit parodontaler Erkrankung an einem speziellen Parodontalprogramm teilnehmen. Dazu gehören die professionelle Zahnreinigung, individuell abgestimmte Fluoridierungsmaßnahmen oder ergänzende Maßnahmen wie die regelmäßige Anwendung chlorhexidinhaltiger Lacke. Insbesondere KFO-Patienten, die Brackets tragen, sollten fluoridhaltige Mundspülungen (Aminfluoride bringen bessere Ergebnisse) empfohlen werden. Bei hoher Kariesaktivität können zusätzlich Lacke oder Gels (z. B. elmex® Zahngel in Kombination mit elmex® KARIESSCHUTZ PROFESSIONAL) lokal zur Fluoridierung eingesetzt werden. Generell sollte auf den Durchbruch der bleibenden Molaren ein besonderes Auge geworfen werden und gegebenenfalls zum richtigen Zeitpunkt eine Fissurenversieglung vorgenommen werden.

Ein halbjährlicher Recall zur Putzinstruktion und Remotivation ist bei Kariespatienten unbedingt einzuhalten. Denn das Ziel jeder Prophylaxe-Assistentin ist es, den Patienten so zu instruieren und zu motivieren, damit seine Zähne bis ins hohe Alter kariesfrei bleiben.

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