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Zink – Wunderelement für die Zahngesundheit

27. Juli 2016

Zink ist wichtig für Wachstum, Heilung und das Immunsystem. Das essentielle Spurenelement spielt eine Rolle in der Eiweißsynthese, der Spermienproduktion und der Immunabwehr, ist an rund 300 Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt und wirkt wesentlich auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. In diesem Artikel wird das „Wunderelement“ unter die Lupe genommen und seine Einsatzmöglichkeiten in der zahnmedizinischen Prophylaxe näher beleuchtet.

Von Sabine Remmel

Der tägliche Zink-Bedarf wird für Kinder mit 3-7mg, für Männer mit 11mg und für Frauen mit 8mg angegeben. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Zinkbedarf von 11mg (7,8). Zink wird in Zeiten von Mangel vermindert und in Zeiten von Überschuss vermehrt wieder ausgeschieden, der Rest wird vom Körper für die lebensnotwendigen Funktionen verwendet. Zink wirkt nicht nur abwehrstärkend, indem es die natürliche Funktion der Abwehrzellen aufrecht erhält, es beeinflusst darüber hinaus durch seine antioxidativen Eigenschaften die Immunabwehr positiv, indem es freie Radikale neutralisiert. Freie Radikale entstehen im Köper beispielsweise durch Strahlung oder werden mit Umweltgiften wie zum Beispiel Auto-, Industrieabgase, Ozon, Feinstaub, Zigarettenrauch und Pestizide in der Nahrung aufgenommen und wirken zellschädigend. Der Organismus ist jedoch in der Lage, eine Radikalbelastung abzufedern, solange seine Abwehrkräfte intakt sind (11). Zink kann in Form der Zink-Superoxiddismutase (SOD) vor freien Radikalen schützen (7, 8). Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die SOD bei Rauchern mit chronischer Parodontitis vermindert vorhanden ist. Sie wird durch den oxidativen Stress aufgrund der „Doppelbelastung“ Rauchen und Parodontitis regelrecht entleert und kann nicht mehr vor oxidativen Prozessen schützen (7).

Vielseitig einsetzbar in der Zahnmedizin

Zink spielt eine Rolle in der Kariesprophylaxe, in der Behandlung von Halitosis (vor allem als Zinklaktat) und auch in der Gingivitis- und Parodontitisprävention. Zink spielt bei der sekundären Mineralisierung nach Durchbruch der bleibenden Zähne eine Rolle und auch in der Remineralisierung nach bakteriellen Säureangriffen. Zudem belegen Studien, dass eine Zink-Supplementierung das Auftreten von häufig wiederkehrenden Aphten reduzieren kann (7). Zink findet ebenfalls Einsatz in zahnärztlichem Zement, endodontischen Füllungen und auch in Haftcremen. Darüber hinaus kann es unseren Geschmacks- und Geruchssinn verändern. In einer Studie wurde getestet, wie das Vorkommen bestimmter Zinksalze die Geschmackswahrnehmung beeinflusst. Konkret wurde festgestellt, dass Zinksalze zwar selbst kaum einen wahrnehmbaren Eigengeschmack haben, aber zu einer verringerten Wahrnehmung von süß und bitter führten (9).

Antikbakteriell und entzündungshemmend


Durch Anwesenheit von Kupfer und Zink in der Mundhöhle wird eine effiziente Kontrolle von Plaque und Zahnstein erreicht. Zu diesem Ergebnis kamen auch zwei rezente Studien (1,2), welche durch die 2mal tägliche Anwendung einer Zahnpasta mit Zinkzitrat über sechs Monate einen Rückgang von Gingivitis um 26% und einen Rückgang von Plaque um 14% feststellten. Durch die Anwendung derselben Zahnpasta über einen Zeitraum von 12 Wochen wurde ein Rückgang von 22% bei Zahnstein erzielt. Die Ergebnisse der Testzahnpasta mit Zinkzitrat waren signifikant gegenüber jenen Ergebnissen, die mit einer herkömmlichen fluoridhaltigen Zahnpasta erzielt wurden. Eine weitere Studie testete dieselbe Zahnpasta und fand heraus, dass durch die Verwendung derselben zinkzitrathaltigen Zahnpasta die Bakterien in allen „Nischen“ der Mundhöhle gehemmt wurden: Durch herkömmliches Zähneputzen wurde nicht nur eine Reduktion der Bakterien in der supragingivalen Plaque, sondern auch im Zungen- und Wangenbelag und im Speichel erreicht. Zudem wurde festgestellt, dass durch den in den meisten gängigen Zahnpasten enthaltenen Schäumer Natriumlaurylsulfat (kurz SLS für die englische Bezeichnung Sodium Lauryl Sulfate) Zink noch besser gelöst und damit besser verfügbar wird. In Folge wird die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung von Zink noch vergrößert (3).

Aus einigen Studien ist auch bekannt, dass der Verlauf einer Gingivitis oder Parodontitis günstig durch eine Zink-Supplementierung beeinflusst werden kann. Weitere Forschungsergebnisse stellen fest, dass Patienten mit gesundem Zahnfleisch im Vergleich zu Patienten mit Gingivitis und milder Parodontitis am meisten Zink mit ihrer Nahrung aufnahmen (10). Auch die ganzheitliche Behandlung von Zahnfleischerkrankungen setzt auf die Supplementierung von mehreren Mineralien, die für die Immunabwehr und den Knochenaufbau wichtig sind: Zink, Magnesium, Kalzium sowie Vitamin D, K und B6. Insbesondere Zink kommt hier eine bedeutende Rolle zu, da bei Zinkmangel der Knochenaufbau blockiert ist (6).

Zink vermindert ebenso die Expression von Matrix-Metalloproteinase 8 (MMP-8), ein Kollagen-zerschneidendes Enzym, das im Rahmen einer parodontalen Entzündung aktiviert wird und während einer aktiven Entzündung im Gewebe bis zu 100-fach erhöht ist. In seiner aktivierten Form (als aMMP-8) kann dieses Enzym kollagene Fasern zerschneiden. Das Zerschneiden der kollagenen Fasern, welche v.a. im Parodont und auch im Knochen vorkommen und die Elastizität und Festigkeit dieser Gewebe ausmachen, dient eigentlich dazu, den Immunzellen den Weg zu den sich im Parodont befindlichen Bakterien zu bahnen, manifestiert sich aber leider ungünstig als Abbau von parodontalem Gewebe und Knochen bei Parodontitis-Patienten (5). Durch die Überexpression von MMP-8 ist auch die Wundheilung verzögert (10).

Zink hat also im Körper viele Funktionen, darunter auch einige im Mund und beim Zahnfleisch. Vor allem bei sehr schleppenden Verläufen von Zahnfleischerkrankungen bietet es sich an, dieses Spurenelement – neben anderen wichtigen Spurenelementen und Mineralstoffen für Immunabwehr und Wundheilung – nach vorhergehender Kontrolle der Blutwerte zu supplementieren und damit den Verlauf positiv zu beeinflussen.

 

Weiterführende Literatur finden Sie hier. 

Wunderelement Zink (Foto: ©Fotolia/ bit24)

Besonders zinkreiche Lebensmittel: Käse, Nüsse und Mandeln, Leber, bestimmte Gemüsesorten. (Foto: Fotoliga / bit24)

Bei Zinkmangel kann der Arzt eine Supplementierung verordnen. (Foto © Fotolia/puhhha

Bei Zinkmangel kann der Arzt eine Supplementierung verordnen. (Foto © Fotolia/puhhha)

Die Biologin Mag. Sabine Remmel ist Dental Science Liaison Manager der Colgate Palmolive GmbH.

Die Biologin Mag. Sabine Remmel ist Dental Science Liaison Manager der Colgate Palmolive GmbH. (Foto: © Remmel)

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