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Zahnprophylaxe bei Kindern: Was Eltern wissen müssen

By: | Tags: , , , , | Comments: 0 | Juli 27th, 2020

Karies ist nach wie vor die häufigste chronische Erkrankung im frühen Kindesalter. Da die Zahnprophylaxe im Baby- und Kleinkindalter stark vernachlässigt wird, treten oft bereits in jungen Jahren große Schäden im milch- oder Wechselgebiss auf, die lebenslange reparatu- ren notwendig machen können. Das können Eltern vermeiden, wenn sie die Zahngesund- heit ihrer Kinder von Anfang an wichtig nehmen. Was ist für welche Altersgruppe zu beach- ten? Und was müssen Eltern generell über die richtige Zahnpflege ihrer Sprösslinge wissen?

Ein Leitfaden für Eltern von Dr. Manuel Rammer und Dr. Stella Viden

 

Null bis zwei Jahre

Ansteckung vermeiden! Bereits in den ersten Lebensmonaten können Sie Karieskeime zum Beispiel durch Küsse oder wenn Sie den Schnuller ablecken auf die Kinder übertragen. Deshalb: Nehmen Sie Ihre eigene Zahnpflege genau – so vermeiden Sie es, Ihre Kinder mit Karieskeimen zu infizieren. Manche Kinder- und Zahnärzte raten sogar, schon bei einem Neugeborenen ohne Zähne die Mundhöhle nach der Nahrungsaufnahme mit einem feuchten Waschlappen oder Wattestäbchen auszuwischen, um die Ablagerung von Speiseresten und schädlichen Keimen in der Mundhöhle zu vermeiden und das Kind an die Reinigung der Mundhöhle zu gewöhnen.

Im Alter von circa sechs Monaten brechen bei einem Baby die ersten Milchzähne durch. Ab diesem Zeitpunkt ist es notwendig, dem Kind die Zähne mit einer weichen Kinder- zahnbürste zu putzen. 2-mal täglich Babyzahnpasta (500 ppm Fluorid/Erbsengröße) oder 2-mal täglich Kinderzahnpasta (1.000 ppm Fluorid, aber nur Reiskorngröße!) auf die Zahnbürste aufgetragen werden. Mama oder Papa müssen nachputzen.

 

Zwei bis drei Jahre

2-mal täglich Zähne putzen! Ab dem dritten Lebensjahr sind alle Milchzähne durchgebrochen. Nun sollten Sie Ihrem Kind die Zähne 2-mal täglich mit einer Kinderzahnbürste und jeweils einer erbsengroßen Menge einer Kinderzahnpasta (1.000 ppm Fluorid) putzen. Mit dem Durchbruch aller Milchzähne rücken die Zähne zusammen – deshalb sollten Sie nun auch die Zahnzwischenräume einmal täglich mithilfe von Zahnseide reinigen.

Süßes meiden! Gewöhnen Sie Ihr Kind von Beginn an an Wasser als Hauptgetränk. Das Nuckeln an Flaschen mit zuckerhaltigen Verdünnungssäften kann durch die häufige frequentierte Zuckeraufnahme zu schwerwiegenden Zahnschäden führen. Wenn das Kind etwas Süßes essen will, dann sollte das im Idealfall nur einmal täglich passieren und nicht mehrmals. Denn entscheidend für die Kariesbildung ist nicht die Menge an Zuckerkonsum, sondern die Frequenz. Isst das Kind beispielsweise einen Schokoriegel auf einmal auf, so ist das für die Zähne weniger schädlich, als würde es die gleiche Menge über mehrere Portionen auf den Tag verteilt konsumieren.

Schnuller und Daumenlutschen adé! Spätestens bis zum dritten Geburtstag ist es Kindern abzugewöhnen, am Schnuller oder Daumen zu lutschen, da diese Angewohnheit zu Kieferfehlstellungen führen kann.

Wenn der erste Milchzahn durchgebrochen ist, sollte der erste Zahnarztbesuch stattfinden. Später nehmen Sie am besten das Kind zu den Kontrolluntersuchungen mit. Dabei sollten Sie auf eine stressfreie Atmosphäre achten – schon bei der Hinfahrt. Die Kinder entscheiden selbst, ob sie alleine oder mit ihrer Begleitperson auf dem Zahnarztstuhl sitzen möchten. Die Zahnärztin, der Zahnarzt, und das Praxispersonal erklären dem Kind in einfachen Worten, was sie gerade tun, welche Instrumente sie verwenden. Wichtig: Sprechen Sie während der Behandlung nicht ungefragt mit ihrem Kind!

Empfehlungen zur Kariesvorbeugung mit Fluoriden. Grafik (c) prophy

Drei bis sechs Jahre

Zähneputzen lernen nach dem KAI-Putzschema. Auch im Vorschulalter sollten Sie das Zähneputzen ihrer Kinder zweimal täglich mit einer weichen Kinderzahnbürste und einer Kinderzahnpasta (1.000 ppm Fluorid) noch übernehmen. Langsam sollten die Kinder in diesem Zeitraum lernen, ihre Zähne selbst zu reinigen. Dabei hat sich das KAI Putzschema bewährt. K steht für die Kauflächen der Zähne. A für die Außenflächen und I für die Innenflächen der Zähne. Das Schema dient dazu, den Kindern ein Bewusstsein für die Reinigung aller Zahnflächen zu geben. Zudem können Sie zur Stärkung des Zahnschmelzes fluoridhaltiges Speisesalz (250 – 350 ppm) beim Kochen verwenden, um das Kariesrisiko zu senken.

Wie bei Erwachsenen gilt: Regelmäßig zum Zahnarzt!

 

Sechs bis zwölf Jahre

Der Zahnwechsel findet zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr statt: Die Milchzähne fallen aus und werden durch die bleibenden Zähne ersetzt. Ab diesem Alter sollten die Zähne der Kinder zweimal täglich mit einer normalen Zahnpasta (bis 1.450 ppm Fluorid) gereinigt werden. Zusätzlich können ab dem sechsten Lebensjahr bei erhöhtem Kariesrisiko höher dosierte Fluoridlacke nach Anweisung des Zahnarztes zum Einsatz kommen. Da die Kinder in diesem Alter noch nicht fähig sind, ihre Zähne selbst gründlich zu putzen, ist ein Nachputzen durch die Eltern bis ins achte Lebensjahr, manchmal sogar noch länger notwendig. Ab dem zehnten Lebensjahr ist das Kind in der Regel in der Lage, die Zähne selbst zu putzen und die Zahnseide selbst zu verwenden.

Dr. Manuel Rammer & Dr. Stella Viden

Dr. Manuel Rammer und Dr. Stella Viden

(c) Rammer

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