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Über festsitzenden Zahnersatz und seine Tücken rundherum

8. April 2019

Implantate haben sich in den vergangenen dreißig Jahren zu einer gängigen Standardmethodik etabliert. Verloren gegangene Zähne zu ersetzen sind bei Patienten und Ärzten gleichermaßen beliebt. Die Verfahren des Einzelzahnersatzes oder auch der Brücken wurden mit den Jahren immer elaborierter und die Zufriedenheit auf allen Seiten kann als gegeben bezeichnet werden. Die „Nachfrage regelt den Markt“, so scheinen die Gesetzmäßigkeiten auch in der Zahnmedizin zu wirken. Die Möglichkeit einzelne Zähne zu ersetzen, oder ganze Zahnreihen mit Hilfe prothetischer Lösungen wieder herzustellen, bringen dem Patienten schließlich ein enormes Maß an erneuter Lebensqualität. Kurzum, Implantate sind aus der rekonstruktiven Zahnheilkunde nicht mehr wegzudenken. Grund genug einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, mit einem Schwerpunkt auf mögliche Komplikationen, Krankheitsbilder und natürlich die Prophylaxe bei Implantaten.

Prof. Dr. Reiner Mengel aus Marburg verwies anlässlich eines CP GABA-Symposiums (Leipzig) in seinem Vortrag „Implantate und Prophylaxe – alles wie üblich?“ auf eine interessante Studie.  Seit 1990 werden die Daten erfasst, die Studie wurde 2012 publiziert und sie stellt den Langzeiterfolg von Implantaten in den Mittelpunkt. Tausend Implantate an 400 Patienten liegen der Untersuchung zu Grunde. Die Auswertung erfolgte anonymisiert, standortortübergreifend und zeigt auf den ersten Blick, dass die Überlebensrate (nicht gleichzusetzen mit Erfolgsraten) von Implantaten, also Implantat ist drinnen oder draußen, bei gesunden Patienten bei hundert Prozent liegt. Bei jener Gruppe mit generalisierter aggressiver Parodontitis (GAP) bei 96 Prozent. Diese Erkenntnis ist noch wenig überraschend. Differenziert betrachtet kommen allerdings spannende Details zu Tage:  16 Jahre nach der Implantatinsertion entwickelten 56 Prozent der GAP-Gruppe Mukositis, also eine Erkrankung des Weichgewebes rund um das Implantat und 26 Prozent eine Periimplantitis. Das Risiko eine Mukositis oder Periimplantitis zu entwickeln, ist demnach bei Patienten mit einer aggressiven Parodontalerkrankung 14 mal höher. Eine interessante Erkenntnis, zumal dann, wenn Menschen in jungen Jahren Zähne verlieren und ein Zahnersatz im Raum steht.

Was wissen wir über die Entstehung von Mukositis und Periimplantitis?

Mukositis ist eine Entzündung der Schleimhaut rund um das Implantat, genauer gesagt,  am Übergang vom Implantat zum periimplantären Weichgewebe. Vergleichbar mit dem Stadium einer Gingivitis bei natürlichen Zähnen, ist Mukositis an sich eine reversible Entzündung. Sie kann allerdings die Vorstufe zur Periimplantitis sein, eine Entzündung um das Implantat, immer einhergehend mit einem Knochenverlust. Der Kieferknochenschwund führt zu einer Lockerung und langfristig zum Verlust des Implantats.

Mukositis und Periimplantitis haben multifaktorielle Ursachen, primär ist jedoch der bakterielle Biofilm, bestehend aus Streptokokken, Pilzen und anderen infektionsauslösenden Mikroorganismen als Hauptursache zu sehen. Genauso können lokale und systemische Faktoren zur Erkrankung beitragen. Darüber hinaus zählen eine schlechte Mundhygiene, das Rauchen oder etwa eine parodontale Vorerkrankung zu den Risikofaktoren.  Ähnlich wie bei Parodontitis zeigen derzeitige Studien einen Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und der Entstehung periimplantärer Infektionen.

Heikle Einheilungsphase

Tückisch ist die Erkennbarkeit für die Patienten, denn periimplantäre Infektionen verlaufen in der Regel schmerzfrei. Hinweise können für den Betroffenen typische Entzündungssymptome wie Schwellungen, Rötungen und leichte Druckempfindlichkeit sein. Besonders gefährdet sind Patienten in der Einheilungsphase, in der die Titanschraube über einen gewissen Zeitraum hinweg fest mit dem Kiefer verwachsen muss. Denn direkt nach dem chirurgischen Eingriff ist das Gewebe um die Schraube besonders durchlässig für Bakterien. Darüber hinaus ist die Titanschraube als künstliche Wurzelverankerung anders aufgebaut als die natürliche Zahnwurzel. Die raue Oberfläche begünstigt die Ansiedlung von Bakterien, die sich so noch schneller vermehren können. Außerdem fehlt um die künstliche Zahnwurzel ein Faserapparat, der bei einem natürlichen Zahn voller einsatzbereiter Abwehrzellen steckt. Dieser natürliche Schutzschild, der eine Erkrankung durch Bakterienbefall bekämpfen kann, ist bei einem Zahnimplantat wesentlich durchlässiger.

Diagnostik und Therapie

Eine rechtzeitige Diagnostik ist für die Betroffenen elementar.  Dies passiert durch die Erhebung von Sondierungstiefen und die Beurteilung von Blutung auf Sondierung (BOP, Bleeding on Probing) oder Suppuration um das Implantat. Mukositis und Periimplantitis weisen ein positives BOP auf, wobei die Periimplantitis von Suppuration begleitet sein kann. Eine weiterführende Diagnostikmaßnahme ist eine Röntgenaufnahme. Im Idealfall wird zum Zeitpunkt des Implantatsetzens vorsorglich ein Referenzröntgen gemacht um Veränderungen im Zeitverlauf besser nachvollziehen zu können. Der Ausgangspunkt für die Beurteilung der Knochenobergrenze rund um das Implantat ist jedoch mit dem Zeitpunkt der Eingliederung der technischen Arbeit zu sehen.

Implantate brauchen Pflege

An schwer zugänglichen Stellen des Implantates und der Zähne kann der Zahnbelag nur in der Zahnarzt-Praxis vollständig entfernt werden und auch da ist der Zugang nicht immer einfach. Plaque oder gar Speisereste bleiben oft an schwierigen Stellen und für den Patienten unerkannt haften. Die professionelle Zahn- und Implantatreinigung (PZIR), bei der Zähne, Implantate, Zahnzwischenräume und die Zunge von speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen gesäubert werden, trägt entscheidend zum langfristigen Erhalt der Implantates bei. In welchen Abständen die Kontroll- und Prophylaxetermine stattfinden sollten, das bestimmen die Zahnprofis individuell aufgrund der aktuellen Situation des Patienten.

Für den Therapieerfolg entscheidend ist ein Zusammenspiel aus einer optimalen häuslichen Mundhygiene (fluoridierte Zahnpaste, Interdentalbürsten/Zahnseide, spezielle Mundspüllösungen,…) und der regelmäßigen mechanischen Plaqueentfernung in der Zahnarztpraxis. In Pathogenese und Diagnostik sind Gingivitis und Mukositis vergleichbar und eine nichtchirurgische Behandlung meist ausreichend. Das mechanische Debridement kann mit Carbon-, Titan- oder Plastikküretten, Schall- und Ultraschallsystemen mit entsprechenden Aufsätzen sowie über Pulverstrahl erfolgen.

Während periimplantäre Mukositis in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden kann, sind nichtchirurgische Therapieansätze bei Periimplantitis oftmals wenig voraussagbar und in vielen Fällen ist eine anschließende chirurgische Intervention notwendig. Patienten mit Implantaten sollten in jedem Fall in ein regelmäßiges Behandlungssystem eingebunden sein und für die notwendige Compliance sensibilisiert werden.

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