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Resilienz-Training: Betriebliche Gesundheitsvorsorge, die sich lohnt.

21. Mai 2019

Stress, Burnout und psychische Belastungen am Arbeitsplatz nehmen enorm zu – das belegen zahlreiche aktuelle Untersuchungen. Verantwortlich dafür sind der wachsende Leistungsdruck, fehlendes Personal, schlechtes Arbeitsklima und andere Faktoren. Auch viele zahnärztliche Ordinationen sind betroffen. Welche Auswirkungen Belastungen haben können und wie man sich durch Resilienz-Training im Team davor schützen kann, erklären Petra Bischof-Oswald und Andrea Lebinger von der Firma Praxis-Beratung im Gespräch mit Prophy.

Frau Lebinger, Frau Bischof- Oswald, wie definieren Sie Stress und wann kann er gefährlich werden?

Bischof-Oswald: Stress ist eine Kombination von Belastung, Anstrengung und Ärger, der wir täglich durch viele Umwelteinflüsse ausgesetzt sind, und die uns seelisch und körperlich unter Druck setzt, was einen wiederum aus dem persönlichen Gleichgewicht bringen kann.

Lebinger: Ständiger negativer Stress führt zu einer erhöhten Adrenalin-Ausschüttung mit intensiver Körpersymptomatik: zum Beispiel Schwitzen, Herzrasen, Atembeschwerden …. Es kommt aber auch immer wieder zu Bruxismus: Während des Schlafs werden nicht aufgearbeitete Themen durch „Zähneknirschen“ aufgezeigt.

Was können wir im Alltag in stressigen Arbeitssituationen tun?

Lebinger: In akuten Stress-Situationen können kleine körperorientierte Inputs helfen, sich selbst zu entstressen: zum Beispiel einfache Übungen der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, oder auch einfache Atemübungen. Langfristig regenerativ wirksam sind Bewegung, Sport und Entspannung. Und man sollt auch Zeit für soziale Beziehungen einplanen.

Was können Zahnärztinnen, Zahnärzte, für die Gesundheitsvorsorge ihres Teams bei Stressbelastung und drohender Burnout-Gefahr tun?

Bischof-Oswald:
Jeder Dienstgeber möchte leistungsfähige, motivierte, belastbare und gesunde Mitarbeiter. Das Zauberwort, um dieses Ziel zu erreichen ist „Resilienzarbeit“: Es geht darum, die psychische Widerstandskraft jedes einzelnen Teammitglieds individuell zu stärken. Je achtsamer die Personalführung ist, desto früher können gesundheitliche Gefahren erkannt werden. Somit kann man langwierigen stressbedingten Krankheiten vorbeugen und oftmals lange Krankenstände vermeiden.

Was genau ist Resilienz?

Bischof-Oswald: Als Resilienz bezeichnen wir die psychische Widerstandskraft, die Fähigkeit, Krisen, Konflikte und Belastungen gut meistern zu können. Resilienz ist erlern- und trainierbar.

Wer profitiert von Resilienzarbeit?

Lebinger: Von Resilienzarbeit profitiert das gesamte Ordinationsteam inklusive des Dienstgebers, da dadurch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Arbeitsalltag für stressige und belastende Situationen besser gewappnet sind. Somit ist es auch eine wirksame Burnout-Prävention.

Was können Ordinationsteams tun, um resilienter zu werden?

Lebinger: Die Fähigkeit zur Resilienz kann durch Training Teil der Teamkultur werden – so können Mitarbeiter in schwierigen Situationen auf die gelernten Fähigkeiten zurückgreifen. Somit entstehen Konflikte erst gar nicht und auch der Umgang mit schwierigen Patienten, Kollegen, stressigen Arbeitstagen etc. fällt sehr viel leichter. Gut ist hier ein Wechsel: Wenn der Druck groß wird, hilft ein Rückzug in die Entspannungszone, dann kann man mit der Belastungssituation wieder besser umgehen.

Bischof-Oswald: Beim Resilienztraining lernt das Team auch, belastende Situationen zu reflektieren, Konflikte richtig anzusprechen und lösungsorientiert daran zu arbeiten. Wichtig ist es, hier die Prioritäten richtig zu setzen und auch zeitliche Pufferzonen für Stressbereiche in den Arbeitsablauf einzuplanen.

Wodurch unterscheidet sich eine resiliente Mitarbeiterin von einer anderen?

Lebinger: Resiliente Mitarbeiterinnen sind in der Lage, mit schwierigen beruflichen Situationen in Zusammenhang mit Kollegen und Patienten leichter umzugehen. Sie empfinden solche Störeinflüsse auch nicht als belastend. Ebenso sind sie sehr lösungsorientiert und bringen zum Beispiel bei Arbeitsbedingungen, mit denen sie nicht zufrieden sind, selbstständig Änderungsvorschlage ein.

Was mache ich, wenn meine Vorgesetzte sagt: „Das lässt sich nicht ändern?“

Lebinger: Wo nichts zu ändern ist, muss eben erlernt werden, die Situation als unveränderlich zu akzeptieren und sie so annehmen, wie sie ist. Oft passiert es, dass der Frust über unveränderliche Dinge aus dem beruflichen Arbeitsumfeld in den privaten Alltag mitgenommen wird und dieser dann ebenfalls darunter leidet.

Gilt passives Aushalten einer belastenden Situation als Resilienz?

Bischof-Oswald: Nein. Wenn zum Beispiel eine Mitarbeiterin zehn Jahre lang in einem schlechten Betriebsklima mit ungelösten Konflikten ausharrt und sich dabei aufgibt, ist dies keine Resilienz, sondern es fehlt ihr an lösungsorientierten Komponenten.

Hat Resilienz auch mit positivem Denken zu tun?

Bischof-Oswald: Positives Denken ist ein Teil der Resilienz, sofern es nicht als unrealistische Zielsetzung verstanden wird. Es geht darum, zu lernen, was aus eigener psychischer Kraft für jeden individuell machbar ist, um an schwierige Situationen gestärkt heranzugehen.

Können Sport, Yoga etc. helfen, die Resilienz zu stärken?

Lebinger: Ganz allgemein gilt: Wer viel leisten will, braucht auch viele Ressourcen! Aber Ressourcen sind für jeden individuell. Es gilt herauszufinden: Welche sind meine persönlichen Ressourcen – wobei erhole ich mich am besten? Dies kann für den einen Sport oder Bewegung in der Natur sein, für den anderen wiederrum Lesen oder Yoga …

Wie sehen Sie die Rolle des Dienstgebers hinsichtlich der Gesundheitsprävention für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Bischof-Oswald: Der Dienstgeber sollte aus meiner Sicht Verantwortung für seine Mitarbeiter übernehmen, wenn es um die Gesundheitsprävention geht.
Viele überlassen den Umgang mit belastenden Arbeitssituationen dem Team selbst. Mangelnde Mitarbeiterführung wirkt sich aber auf das Betriebsklima und auch auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter sehr negativ aus. Die Leistungsfähigkeit ist jedoch ein sehr wertvolles Potenzial und ein wichtiger Faktor in der Praxis. Resilienz-Training ist betriebliche Gesundheitsvorsorge, die sich mehrfach lohnt: Gesunde, zufriedene Mitarbeiter leisten mehr und sind seltener krank.

Petra Bischof-Oswald (Foto: (c) Andi Bruckner)
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Petra BISCHOF-OSWALD (oben; Foto: © Andi Bruckner) und Andrea LEBINGER (Foto © Tina King) unterstützen als Dipl. psychologische Beraterinnen, Supervisorinnen und Trainerinnen für Stress-, Konflikt- und Burnout-Prävention viele Teams mit hoher beruflicher Belastung, deren Gesundheit und Lebensqualität zunehmend darunter leiden.

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