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Jetzt erst recht!

10. März 2008

Prophylaxe vor und während kieferorthopädischer Behandlung.

Entscheidend ist sowohl bei der abnehmbaren wie auch bei der festsitzenden Kieferorthopädie immer die richtige Begleitbehandlung, damit nicht durch die Behandlung Folgeschäden entstehen.


Prophylaxe ist nicht nur die Vorbedingung für eine kieferorthopädische Behandlung. Der Patient muss auch während der Therapie regelmäßig zur Mundhygiene angehalten und motiviert werden. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn die Prophylaxemaßnahmen während der kieferorthopädischen Behandlung bei dem behandelnden Kieferorthopäden vorgenommen werden. Wenn dies nicht möglich ist, ist die Prophylaxe bei dem überweisenden Kollegen, der auch die regelmäßigen Kontrollen und Kariesdiagnose macht, durchzuführen.

Wie auch immer, eine KFO-Behandlung ohne Prophylaxe ist aus heutiger Sicht fast schon als Kunstfehler einzustufen!

Vor der KFO-Behandlung

Vor der Behandlung muss der Patient umfassend über die zwingende Mundhygiene aufgeklärt und informiert werden. Ist der Patient dazu nicht bereit, so stellt dies eine Kontraindikation zur Behandlung dar. Bevor also eine festsitzende Behandlung begonnen werden kann, muss ein einwandfreier Mundhygienezustand bereits erreicht sein, und es muss gewährleistet sein, dass der Patient diesen Status auch während des gesamten Behandlungszeitraums halten kann. Dem Patienten muss klar gemacht werden, dass das Biotop der Mundhöhle über ein fein abgestimmtes Kontrollsystem verfügt, es aber von ihm abhängt, ob dieses System gestärkt oder geschwächt wird. Eine Schwächung erfolgt beispielsweise durch falsche Ernährung, Medikamente, mangelnde Mundhygiene aber auch durch das Einbringen von kieferorthopädischen Geräten. Der Patient muss sich darüber im Klaren sein, dass sich sein Abwehrsystem durch diese festsitzenden bzw. abnehmbaren Geräte sehr leicht verändern kann. Aus diesem Grund sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unbedingt notwendig.

Empfehlung

Vor der Therapie mit festsitzenden Geräten empfehlen wir allen Patienten einen Speicheltest, bei dem der Säuregehalt, eine Keimbestimmung und damit auch eine Karies- und Parodontitisrisikodiagnose durchgeführt werden. Der Behandler erlangt damit Einblick, auf welche prophylaktischen Maßnahmen besonders Wert gelegt werden sollte: Säurereduktion (also Ernährung im basischen Bereich), Bakterienreduktion, verstärkte Mundhygiene etc.

Während der KFO-Behandlung

Die stärkste Gefahr für das Biotop Mundhöhle besteht in den ersten vier Monaten nach Eingliederung einer festsitzenden Apparatur. Selbst bei einer guten Mundhygiene sind in diesem Zeitraum Zahnfleischentzündungen und Plaqueansammlungen verstärkt zu beobachten, die sich vor allem an den rauen Randzonen der festsitzenden Apparatur bilden. Unter den Brackets selbst bleibt der Zahn durch das moderne Befestigungsmaterial weitgehend geschützt. Entfernt man diese Plaque nicht, bilden sich an diesen Stellen dann weißliche Demineralisationen, eine Vorstufe zu Karies, die dann bei Abnahme der Brackets den gewonnenen Gesamteindruck wieder zerstören.

Systematische Pflege

Gerade unter solchen erschwerten Bedingungen, wie sie bei festsitzenden Geräten vorliegen, ist eine systematische Pflege besonders wichtig. Mundduschen dienen der Entfernung loser Speisereste, Zahnzwischenraumbürstchen entfernen unter den Drähten die Plaque. Besonders bewährt haben sich auch Schallzahnbürsten, wobei dem Patienten aber mitzuteilen ist, dass sich bei festsitzenden Geräten die Haltbarkeit der Bürstenaufsätze um die Hälfte reduziert.

Die Mundhygienesitzungen sind in jedem Fall engmaschiger als bei einem Nicht-KFO-Patienten zu setzen. Abstände von 3-4 Monaten haben sich bei uns bewährt.

Während der Haltephase (Retentionsphase)

Auch nach Abnahme der Geräte besteht durch den zu tragenden Retainer oder die mit Fixationsdraht verklebten Vorderzähne ein erhöhtes Risiko zu Parodontitis und Karies, auf das der Patient aufmerksam gemacht werden muss. Gezielte Maßnahmen zur Remineralisation können ebenfalls in dieser Phase durchgeführt werden. Abschließend wäre zu sagen, dass die modernen Methoden der Kieferorthopädie heute wunderbare Wege eröffnen, um den Patienten sowohl funktionell als auch optisch perfekt zufriedenzustellen. Dies kann aber nur mit einer vollständigen Aufklärung und der unbedingten Mitarbeit des Patienten ein Weg zu einem strahlenden Lächeln sein.

Spezialfall KFO-Patient

Vor der Behandlung: Motivation, Erziehung zur Mundhygiene, professionelle Zahnreinigung und Ernährungslenkung, ev. Speicheltests

Während der Behandlung: enge Mundhygienekontrollen, regelmäßige Fluoridierung, Ernährungslenkung; spezielle Putzschulung, den Geräten angepasst

Während der Haltephase: Mundhygienekontrollen, regelmäßige Fluoridierung, ev. Remineralisationsmaßnahmen, Ernährungslenkung

 

Autor:
DDr. Ronald Ringl
Zahnarzt und Praktischer Arzt in Wien

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