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Zahnerosion

9. Januar 2014

Die Schädigung der Zahnhartsubstanz durch Erosion ist eine “moderne” Erkrankung. Untersuchungen des Gebisses von historischen und prähistorischen Schädelfunden ergeben keinerlei Hinweise auf erosive Schäden.
Erklärbar wird dieses Phänomen, wenn man die Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren mit denen des neuzeitlichen Menschen vergleicht.
Das am häufigsten konsumierte Getränk in Vorzeiten war Wasser, heute sind es Säfte. Einwirkungen von Säuren aus Nahrungsmitteln auf die Zähne hat es mit großer Sicherheit auch früher schon gegeben, allerdings war diese Exposition abhängig von den Jahreszeiten und daher nur vorübergehend.

Was sind die Ursachen von Erosion und wie lässt sich diese gegen Zahnkaries abgrenzen?

Unter Erosion versteht man einen oberflächlichen Verlust von Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin), ausgelöst durch chemische Prozesse ohne die Beteiligung von Mikroorganismen. In den allermeisten Fällen werden erosive Schäden durch Säuren verursacht. Jedoch von Säuren, die nicht aus dem Stoffwechsel von Plaquebakterien stammen, sondern entweder von außen über Nahrungsmittel und Getränke oder von innen durch den Rückfluss von Magensäure in die Mundhöhle gelangen.

Zahnkaries wird auch durch Säuren ausgelöst, aber durch Säuren, die aus dem Stoffwechsel von Plaquebakterien stammen. Diese Säuren führen mit Beginn des kariösen Prozesses – auf den Bereich der Plaque begrenzt – zu oberflächlichen Auflösungserscheinungen, die durchaus dem Bild einer Erosion gleichen. Der Unterschied liegt in der lokalen Begrenzung der Läsion.
Karies breitet sich unbehandelt unaufhaltsam in die Tiefe fort, bis die Pulpa erreicht ist. In der ersten Phase entsteht durch Kalzium- und Phosphatniederschläge noch eine pseudointakte Oberfläche, die im weiteren Verlauf einbricht und die Kavität freilegt.

Der wesentliche Unterschied zwischen Erosion und Karies besteht also darin, dass sich Erstere primär an der Oberfläche von Zahnschmelz und (freiliegendem) Dentin abspielt, der kariöse Schaden neben verschiedenen Oberflächenerscheinungen (Initialläsion – White Spot) aber zu einem in die Tiefe, zur Pulpa hin gerichteten Substanzverlust führt.

Welche Faktoren begünstigen das Entstehen von Erosion?

Ein wichtiger physiologischer Schutzfaktor gegen Schmelz- und Dentinabbau ist der Speichel. Er stellt üblicherweise eine an Kalzium und Phosphat übersättigte Lösung dar, die verhindert, dass diese Mineralien aus der Zahnhartsubstanz herausgelöst werden. Kalzium und Phosphat sind Hauptbestandteile der Schmelzprismen, eine Herauslösung hat eine Schmelzerweichung zur Folge.

Bestimmte Nahrungsmittel, insbesondere saure Getränke, können durch eine Absenkung des pH-Wertes die Schutzfunktion des Speichels im Bereich der Schmelzoberfläche negativ beeinflussen. Der Speichel wird bezüglich Kalzium und Phosphat untersättigt, was eine Mobilisierung dieser Ionen aus dem Schmelz zur Folge hat.

Eine kurzfristige Untersättigung wird dabei keine nachteiligen Folgen haben, da bei einer raschen Anhebung des pH-Wertes in den neutralen Bereich die Schmelzoberfläche intakt bleibt. Als neutralisierende Faktoren spielen dabei ein ausreichender Speichelfluss oder der Kalzium- und Phosphatgehalt der zugeführten Nahrung eine wesentliche Rolle.
Kritische pH-Werte im Bereich der Schmelzoberfläche sind pH 5,5 und für Dentin 6,5. Ein längerdauerndes Unterschreiten dieser Werte führt zur Auflösung der Hartsubstanzen.

Ein Beispiel aus der klinischen Forschung mag dies verdeutlichen: ein 2-mal täglicher erosiver Angriff von 90 Sekunden mit einem Getränk (pH-Wert von 2.9) führt im Verlauf von 21 Tagen zu einem Zahnschmelzverlust von ca. 1 µm Dicke (Attin et al. 2001).
Sehr viele unserer täglich konsumierten Erfrischungsgetränke weisen solch niedrige pH-Werte auf, etliche sogar noch niedrigere.

Behandlung säurebedingter Zahnhartsubstanzverluste

Erosive Zahnschäden sind nicht reversibel. Umso wichtiger ist es, den betroffenen Patienten zu identifizieren, die Säurequelle zu eruieren und vorbeugende sowie therapeutische Optionen anzubieten.

Die Suche nach der Säurequelle

Die für die erosive Zahnschädigung verantwortliche Säure kann in einem anamnestischen Gespräch über die Ernährungsgewohnheiten identifiziert werden. Oft bedarf es keiner großen Änderung der Gewohnheiten, der Umstieg auf ein weniger erosives Getränk oder eine Verringerung der Verzehrhäufigkeit führen häufig schon zum Erfolg.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Diagnose bei endogener – also vom Körper selbst kommender – Säurebelastung. Dazu zählt die Gruppe der Essstörungen (Beispiel Bulimie) oder die Refluxkrankheit. Darunter versteht man den Rückfluss von Magensäure in den Mundraum. Davon können – wenn auch sehr selten – schon Kinder betroffen sein, weshalb bei Vorliegen von erosiven Zahnschäden in diesem Alter unbedingt auch eine pädiatrisch-internistische Abklärung erfolgen sollte. Bei den Essstörungen ist eine psychiatrische Konsultation ohnedies Voraussetzung für eine langfristig erfolgversprechende Behandlung.

Was bei der Zahnhygiene zu beachten ist

Der von Zahnerosion betroffene Patient muss darüber informiert werden, dass nach einer Säureexposition mit dem Zähneputzen zugewartet werden soll. Meist wird eine Zeitspanne von 1 bis 2 Stunden empfohlen. Allerdings muss die individuelle Situation des Patienten berücksichtigt werden, da das Hauptproblem immer noch Karies darstellt. Und für eine effektive Kariesprophylaxe ist Reinigung gleich nach dem Essen angezeigt.
Darüber hinaus gibt es Untersuchungen, die auch noch 3 Stunden nach Säureangriff einen Zahnschmelzverlust durch das Zähneputzen belegen (Ganss et al. 2007).

Wichtig ist jedenfalls, dass eine weiche Zahnbürste (z.B. elmex® EROSION Zahnbürste), geringer Anpressdruck und wenig abrasive fluoridhaltige Zahnpasten oder Zahnspülungen verwendet werden. Zudem erhöht regelmäßiges Bürsten mit fluoridhaltigen Gelen die Säureresistenz des Schmelzes.

Präparate für den Schutz vor Zahnschmelzabbau sind bereits seit einiger Zeit erhältlich. So hat sich die Kombination aus Zinnchlorid und Aminfluorid (elmex® EROSIONSSCHUTZ in Form von Zahnspüllösung und Zahnpasta) in klinischen Untersuchungen als sehr effektiv gegen säurebedingten Zahnschmelzabbau gezeigt.

 

Autor:

Dr. med. Reinhold Unterwurzacher
MedWiss Zahngesundheit
Gebro Pharma GmbH, Fieberbrunn

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