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Wirkstoffe zur Therapie von Dentinhypersensibilität

22. April 2016

Zwischen Werbeversprechen und Realität


Rund ein Drittel aller zahnärztlichen Patienten in Europa leidet unter Dentinhypersensibiltät (DHS). Prof. Christian Gernhardt von der Universität Halle-Wittenberg hat im September 2015 in einem Webinar zentrale Therapiekonzepte vorgestellt und die wichtigsten Produkte zur Anwendung zu Hause und in der Praxis unter die Lupe genommen.

Ein Löffel Eis oder heiße Suppe, ein genussvoller Biss in die Schokolade – plötzlich ein stechender Schmerz. Wenn der weiche Teil des Zahns – das Dentin – aufgrund verschiedener Probleme freiliegt, können mechanische, thermische oder auch chemische Reize zu Schmerzen führen. Der Grund dafür sind geöffnete Dentintubuli. Wenn Reize von außen direkt an die offenen, nicht mehr durch Zahnschmelz geschützten mikroskopisch kleinen Kanäle gelangen, kommt es zu einer Flüssigkeitsverschiebung. Dadurch werden die Reize bis zum Zahnnerv übertragen.  „Viele Patienten leiden wirklich unter der DHS: Sie können Nahrung oder bestimmte Getränke nicht mehr zu sich nehmen oder die Mundhygiene nicht mehr ohne Schmerzen durchführen“, sagt Christian Gernhardt, leitender Oberarzt und stv. Direktor der Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Universität Halle-Wittenberg. Wichtig: Im Gegensatz zu pulpitischen Beschwerden oder anderen Zahnschmerzen können Patienten bei DHS den Schmerz gut lokalisieren und er klingt nach der Beendigung der Reizeinwirkung rasch und vollständig ab.

Hauptursachen: Erosion oder Abrasion

Gernhardt nennt mehrere Gründe für freiliegende Dentinoberflächen: „Sehr bedeutsam ist heute der Verlust des Schmelzmantels durch erosive Faktoren, etwa durch den übermäßigen Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln.“ Auch Abrasionen bis zum Dentin können zu einer DHS führen. Eine Sonderform stellen keilförmige Defekte – Abfraktionen – dar. Neben diesen nicht kariogenen Faktoren können auch parodontale Attachmentverluste die Ursache für eine DHS sein, die durch eine falsche Mundhygienetechnik, nach einer PA-Therapie oder auch in Folge von kieferorthopädischen Maßnahmen entstehen können.
Prof. Gernhardt rät, Patienten gezielt auf eine mögliche DHS hin zu untersuchen, wenn sie Beschwerden äußern. Bei der Therapie der DHS gehe es grundsätzlich darum, offene Dentinkanälchen zu verblocken oder zumindest ihren Durchmesser zu verkleinern. Die Therapiestrategie richte sich immer noch nach den Empfehlungen der WHO von 1992: „Nach einer exakten Diagnostik sin
d im ersten Schritt die Beratung, Aufklärung, Motivation und Instruktionen betreffend der Mundhygiene wichtig. Weiters sollte man die Patienten über desensiblisierende Zahnpasten und Mundspülungen informieren.“ Im zweiten Schritt sollten in der Praxis nicht-invasive Maßnahmen gesetzt werden. Erst wenn diese nicht erfolgreich sind bzw. ausgeprägte Defekte vorliegen, sei ein invasives restauratives Vorgehen notwendig.

Nicht-invasive Maßnahmen in der Praxis

Zur Wahl stehen Fluoridpräparate, Präparate auf Methacrylatbasis, ionische Verbindungen, Lasertherapie und die Pro-ArginTM Technologie.

  •  Fluoridpräparate:

Bis zu 90 Prozent der Patienten beschreiben eine Besserung der DHS. Fluoridpräparate lassen sich einfach applizieren und bieten so eine schonende Möglichkeit der Behandlung. Der Nachteil: Die Wirkung tritt nicht sofort ein, man muss das Produkt mehrmals auftragen, das Behandlungsergebnis ist nicht stabil.

  •  Präparate auf Metacrylatbasis:

Viele Produkte ermöglichen einen sicheren Verschluss der offenen Dentinkanälchen und führen zu guten Ergebnissen. Allerdings zeigen Studien, dass die Wirkung nachlässt, manche Produkte hinterlassen einen Film auf der Zahnoberfläche, wo sich Plaque bilden kann.

  •  Niedermolekulare ionische Verbindungen:

Es handelt sich um strontiumchlorid-, kaliumnitrat-, aluminiumoxalat- natriumcitrat- oder kalziumphosphathaltige Lösungen. Sie wirken rasch und gut, allerdings lässt die Wirkung nach einiger Zeit nach, die Mittel müssen nachappliziert werden.

  •  Lasertherapie:

Auch diese Therapie wirkt sofort und effektiv. Ein Nachteil ist, dass Laserbehandlungen teuer sind und Lasergeräte nicht in jeder Praxis vorhanden sind.

  •  Pro ArginTM Technologie:

Die Pro ArginTM Technologie basiert auf der Wirkung von Arginin – einer im Speichel natürlich vorkommenden Aminosäure, die in Kombination mit Kalzium und Phosphat schon unter physiologischen Bedingungen zu einer Verringerung der DHS beiträgt. Mittels eines Polierkelchs in die Dentintubuli gepresst, bildet der Pro Argin® Komplex ein Präzipitat, das die Dentinoberfläche als Deckschicht überzieht und als Propfen in die offenen Tubuli hineinragt und so die Flüssigkeitsbewegung sofort und lanfgristig unterbindet. Nach einer aktuellen Studie von Pepelassi et al.[1] kann die Pro-ArginTM Technologie nach einmaliger Applikation sogar eine Scherzlinderung bis zu sechs Wochen bewirken.

Neben der langfristigen Effektivität der Behandlung von DHS gewinnt für die Patienten das Wohlbefinden in der Zahnarztpraxis an Bedeutung. Neben der Langzeitwirkung der Therapie ist deshalb eine rasche Scherzreduktion wichtig.

 

[1] ] Pepelassi E et al.: Effectiveness of an in-office arginine-calcium carbonate paste on dentine hypersensitivity in periodontitis patients: a double-blind, randomized controlled trial. Journal of Clinical Periodontology, 42, 37-45 (2015).

Dentinhypersensibilität (Foto: © Dan Race / Fotolia)
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Prof. Dr. Christian Gernhardt (Foto: ©privat)

„Die Pro ArginTM Technologie war ein Durchbruch in der Behandlung von Dentinhypersensibilität. Viele Patientinnen und Patienten können damit erfolgreich therapiert werden. Die Anwendung ist einfach und die Wirkung tritt schnell ein.“ (Prof. Dr. Christian Gernardt)

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