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„Wenn Sie sich und ihrem Kind etwas Gutes tun wollen…“

10. März 2009

Anwendung von Mundspüllösungen in der Schwangerschaft.


Außerdem werden schwangere Frauen von Freundinnen, Mutter, Schwiegermutter, Nachbarin usw. mit wertvollen Tipps bestens versorgt. Auch wenn Ihren Patientinnen der Kopf schon brummt, jetzt sollten Sie sich ebenfalls zu Wort melden.

Wie geht´s dem Zahnfleisch?

Zu Beginn der Schwangerschaft führt die hormonelle Umstellung zu einer Verschiebung des subgingivalen Keimspektrums vom gram-positiven in den gram-negativen Bereich. Darüber hinaus verstärkt die immunsuppressive Wirkung von Progesteron die entzündlichen Veränderungen. Die erhöhte Gefäßpermeabilität kann zu einem gesteigerten Flüssigkeitsaustritt in das umliegende Gewebe führen und dadurch zu einer Gewebsauflockerung. Die Fähigkeit zur Zellregeneration ist während der Schwangerschaft reduziert. All diese Veränderungen führen zu einer Schwangerschaftsgingivitis mit Rötung, Schwellung und Blutung der Gingiva bzw. zu einer Verstärkung einer bereits bestehenden Parodontalerkrankung.

Parodontitis und Frühgeburtsrisiko

Der Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und einem gesteigerten Risiko für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und Spätschäden für das Kind ist wissenschaftlich erwiesen. Die Ursache liegt vermutlich in einer erhöhten Konzentration von Bakterien und bakteriellen Stoffwechselprodukten im Blutkreislauf der betroffenen Schwangeren, die in weiterer Folge zu entzündlichen Veränderungen an der Plazenta führen. Jedes Kind – ein Zahn? Manche Patientinnen reagieren auf das Symptom „Zahnfleischbluten“, indem sie die häusliche Mundhygiene reduzieren. Je nach Ansammlung von Plaque reicht die Palette der Zahnfleischerkrankungen dann von leichten Gingivitiden mit vermehrter Blutung über lokale Gingivahyperplasien bis zur massiven, generalisierten Parodontitis. Gerade während der Schwangerschaft ist daher eine optimale häusliche Zahnpflege unerlässlich. Die mechanische Plaquekontrolle sollte durch die Anwendung von Mundspüllösungen mit geeigneten Wirkstoffen – im Sinne einer chemischen Plaquekontrolle – ergänzt werden. Die häusliche Mundhygiene wird sinnvollerweise durch professionelle Zahnreinigung und entsprechende Recall-Termine zur Kontrolle der Mundhygiene-Situation optimiert.

Wenn die Magensäure zum Problem wird

Viele werdende Mütter leiden insbesondere in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten unter Übelkeit, die mit häufigem Erbrechen einhergehen kann. Die Verwendung einer fluoridhältigen Mundspüllösung zur Remineralisierung des säuregeschädigten Zahnschmelzes ist dann erforderlich.

Mundwasser versus Mundspüllösung

So genannte Mundwässer gehören zu den kosmetischen Mitteln, die keine relevante medizinische Wirkung entfalten und auch keinen Beitrag zur Mundhygiene leisten. Sie enthalten meist Essenzen von Pfefferminz oder Menthol und dienen v.a. der vorübergehenden Atemerfrischung. Im Gegensatz dazu kommt den Mundspüllösungen im Bereich der Individualprophylaxe große Bedeutung zu. Angestrebt wird bei der Verwendung von antibakteriell wirksamen Substanzen eine spezifische Wirkung gegen orale pathogene Keime. Diese Spüllösungen dürfen allerdings auch bei längerfristiger Anwendung die in der Mundhöhle vorhandene schützende Mikroflora nicht stören, da sonst die Ansiedlung von Pilzen oder anderen Opportunisten gefördert wird. Zu diesen zählen kariesverhütende Mundspüllösungen, die meist Fluoride enthalten, den bakteriellen Zahnbelag auflockern und dessen Neubildung unterdrücken (z.B. elmex® KARIESSCHUTZ-Zahnspülung, elmex® SENSITIVE Zahnspülung, meridol® etc.).
Davon zu unterscheiden sind die zahnfleischpflegenden Mundspüllösungen. Diese sind meist antibakteriell wirksam und lindern Entzündungssymptome, indem sie die Durchblutung fördern. Eine deutlich antimikrobielle Wirkung konnte für die Stoffkombination Aminfluorid/Zinnfluorid nachgewiesen werden. Die hochwirksamen medizinischen Spüllösungen, die Chlorhexidin enthalten, haben aufgrund ihrer hohen Dosierung den Status eines Arzneimittels (z.B. Chlorhexamed, Oral-B-Chlorhexidin etc.). Sie sind infolge ihrer Nebenwirkungen wie Gewebsreizung, Geschmacksirritationen, Verfärbung von Zähnen, Zunge und Mundschleimhaut etc., nicht für den Dauergebrauch geeignet.

Alkohol in Mundspüllösungen

Einige Spüllösungen enthalten Ethanol, der als Lösungsmittel für diverse Inhaltsstoffe (z.B. ätherische Öle) fungiert und darüber hinaus keinen zusätzlichen medizinischen Nutzen hat. Nicht nur bei Kindern und Patienten mit Alkoholproblemen ist der Ethanolgehalt von Mundpflegeprodukten problematisch, sondern auch bei Schwangeren. Alkohol wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt in den Blutkreislauf des Ungeborenen. Aufgrund des schädlichen Einflusses auf die kindliche Entwicklung wird während der Schwangerschaft und der Stillzeit generell zum Verzicht auf Alkohol jeglicher Art geraten. Den zahlreichen Forderungen nach einer Begrenzung des Alkoholgehalts bzw. nach dem vollständigen Verzicht in frei zugänglichen Mundhygieneprodukten sind mittlerweile etliche Hersteller nachgekommen und haben ethanolfreie Produkte entwickelt. Besonders Schwangere sind in gesundheitlichen Belangen gut motivierbar. Bei ihnen kommt zur Verantwortung für die eigene Gesundheit die Sorge um eine optimale Entwicklung ihres Kindes. Daher sind sie in Beratungsgesprächen meist aufgeschlossener und eher zu einer Änderung ihres Verhaltens bereit. Nutzen Sie diese Bereitschaft Ihrer Patientinnen zum Wohl von Mutter und Kind und erzielen Sie vielleicht sogar über die Zeit der Schwangerschaft hinaus bei  Ihren Patientinnen eine Verbesserung der Mundhygienesituation!

 

Autorin:
Dr. Christiane Stokreiter-Ebner
Fachärztin für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde in Wien

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