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Welche Zahnbürste ist die richtige? Es kommt darauf an …

16. Mai 2017

Die elektrische Zahnbürste allein macht noch keine perfekte Mundhygiene. Denn nicht jede Bürste ist für jeden passend, und ob es gelingt, mit der ausgewählten Bürste Keime und Plaque möglichst vollständig zu beseitigen und so die Bildung von Karies und Parodontitis zu verhindern, hängt vor allem auch davon ab, ob man diese richtig anwendet.

Die unabhängige Cochrane Collaboration hat die Ergebnisse vorhandener Studien analysiert und ist zu dem Schluss gekommen: Elektrische Zahnbürsten entfernen Plaque eine Spur besser als manuelle – der Unterschied ist jedoch nicht groß.[1] Die Metaanalyse zeigt aber klar auf, dass Zahnfleischentzündungen seltener auftreten, wenn eine elektrische Zahnbürste verwendet wird. Daraus lässt sich wiederum schließen, dass elektrische Zahnbürsten das Zahnfleisch nicht – wie oft argumentiert wird –  stärker belasten als manuelle. „Grundsätzlich wissen wir, dass elektrische Zahnbürsten bei korrektem Einsatz einige Vorteile gegenüber den Handzahnbürsten aufweisen“, bestätigt auch Primaria Katrin Pertold, Ärztliche Leiterin und Leitende Chefärztin der Zahngesundheitszentren der OÖ Gebietskrankenkasse.

„Schrubben“ oder Ultraschall

Die Auswahl unter elektrischen Zahnbürsten ist groß: von Zahnbürsten mit rotierend-oszillierenden Bürstenköpfen, die mit weniger Bewegungen pro Minute auskommen, über Schallzahnbürsten, bei denen der Bürstenkopf mit 30.000 Impulsen oder mehr pro Minute seine Putzwirkung erreicht bis hin zu den in Österreich noch selten verwendeten Ultraschall-Zahnbürsten mit Frequenzen von mehr als einer Million Schwingungen pro Sekunde.

Die Wirkung von rotierend-oszillierenden Zahnbürsten und Schallzahnbürsten basiert auf der mechanischen Einwirkung, also auf der Bewegung des Bürstenkopfs.

Ultraschallzahnbürsten funktionieren hingegen völlig anders: Die hohe Schwingungsfrequenz wird über eine Magnetspule im Inneren der Bürste erzeugt. Das wechselnde Magnetfeld bewirkt wiederum die Bewegung des Bürstenkopfs, der ebenfalls über ein Magnetfeld verfügt. Die Reinigung der Zähne erfolgt nicht – wie bei rotierend-oszillierenden oder Schallzahnbürsten –  durch die mechanische Einwirkung der Borsten, sondern durch kleine Blasen, die sich während der Anwendung durch die Schwingungen bilden, in kleinste Zwischenräume eindringen, dort platzen und Bakterien und Keime zerstören. Die Vibrationsfunktion, mit der manche Ultraschall-Modelle ausgestattet sind, dient eher dazu, den Anwendern ihr „gewohntes Zahnputzgefühl“ zu vermitteln. Hersteller von Ultraschall-Zahnbürsten raten zur Verwendung einer speziellen Zahncreme, deren Wirkung nicht – wie bei herkömmlichen Zahnpasten – auf Abrasion basiert.

Entscheidungshilfen

„Man kann nicht sagen, dass eine Technologie generell zu bevorzugen ist, das ist von Patient zu Patient verschieden“, stellt Katrin Pertold klar. Sie rät Fachpersonal, bei der Frage nach der richtigen Zahnbürste folgende Punkte mit den Patienten durchzugehen:

  • Gibt es motorische Einschränkungen?
    Dann ist eine elektrische Zahnbürste in jedem Fall die erste Wahl. Welche, hängt wiederum von weiteren Kriterien ab.
  • Mit welchen Bürstenköpfen kommen die Patienten besser zurecht?
    Schallzahnbürsten haben durchwegs breitere, längliche Bürstenköpfe, die nicht für alle gleich gut geeignet sind. „Manche Patienten kommen mit den kleineren runden Köpfen der rotierend-oszillierenden Zahnbürsten wesentlich besser zurecht“, so Pertold.
  • Leiden die Patienten an Parodontitis mit tiefen Taschen?
    In diesem Fall kann die Schall- oder Ultraschallzahnbürste von Vorteil sein, weil man damit tiefe Taschen besser reinigen kann.
  •  Ist das Zahnfleisch sehr schmerzempfindlich?
    In diesem Fall ist eine Ultraschallzahnbürste die erste Wahl, weil sie ohne mechanische Reize Keime und Plaque sehr gründlich entfernt.
  •  Trägt der Patient eine Zahnspange, Krone oder Brücke?
    Auch in diesem Fall kann eine Ultraschallzahnbürste besser als mechanische Zahnbürsten helfen, auch die schwer zugänglichen Stellen sauber zu bekommen.
  • Wie genau nehmen die Patienten das Zähneputzen?
    Wer hier gerne mal fünf gerade sein lässt, dem kann eine Bürste, die Feedback bezüglich der Zahnputzzeit, des Drucks und der Positionierung der Bürste gibt, helfen, sich die richtige Putztechnik anzueignen und auch konsequent durchzuführen.

 

Prophylaxe-Assistentinnen lernen im Rahmen der Fachausbildung, auf die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen der Patientinnen und Patienten einzugehen. So lässt sich für alle das ideale Mundhygienekonzept finden und damit eine Schädigung von Zähnen und Zahnfleisch bestmöglich verhindern.

 

Lesen Sie dazu auch: Auch die beste Zahnbürste nützt wenig, wenn man sie falsch verwendet. Worauf sollte man die Patienten gezielt aufmerksam machen? Interview mit Prophylaxe-Assistentin Bettina Pirner.

 

 

[1] Yaacob M. Worthington HV, Deacon SA, Deery C, Walmsley AD, Robinson PG, Glenny AM. Powered versus manual toothbrushing for oral health. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 6. Art. No CD002281. Zitiert in B. Kerschner: Elektrische Zahnbürsten nur leicht überlegen. http://www.medizin-transparent.at/elektrische-zahnbuersten – abgerufen am 5. 5. 2017.

Welche Zahnbürste ist die richtige? Foto (c)fotolia_grafikplusfoto

Handzahnbürste oder elektrische – rotierend-oszillierend, Schall- oder Ultraschallbürste? Entscheidungshilfen sind gefragt.

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„Man kann nicht sagen, dass eine Technologie generell zu bevorzugen ist, das ist von Patient zu Patient verschieden.“

Primaria Katrin Pertold, Ärztliche Leiterin und leitende Chefärztin der Zahngesundheitszentren der OÖ Gebietskrankenkasse

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