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Völlig verspannt!

10. Juni 2014

Zu den Hauptursachen solcher Verspannungsschmerzen, die sich häufig im Rücken, Nacken oder Kopf manifestieren, zählen – neben Stress, Fehlhaltungen, Asymmetrien der Wirbelsäule und des Beckens – auch Blockaden von Energiebahnen und Muskelsträngen. Aber auch Bewegungsmangel sowie Kieferfehlstellungen und Verspannungen der Kaumuskulatur können Auslöser sein. Und hier schließt sich auch der Kreis zur Tätigkeit der Prophylaxe-Assistentin. Denn nicht nur Angstzustände und die ungewöhnliche Sitzposition können zu Verspannungen führen, sondern vor allem auch das längerfristige Offenhalten des Mundes über die normale Öffnungsweite hinaus.

Oft ist die Kau- und Kiefermuskulatur schuld

Die Folge von Kieferfehlstellungen und -haltungen und Verspannungen aufgrund der Kontraktion der Kaumuskulatur können Gesichtsschmerz, Kopfschmerzen, Hörstörungen und sogar Tinnitus sein. Kontraktionen der Kaumuskulatur haben ihre Ursache meist in chronischem Stress, angestauten Aggressionen oder anderen psychischen Umständen. In Zeiten zunehmender Stressbelastung und des ständigen Erfolgsdruckes jedes Einzelnen kommt es zu vermehrter Anspannung der Kaumuskulatur (Volksmund: „Man beißt sich durch.“), bei der vor allem die Kieferschließer betroffen sind.

Aber auch traumatische Zahn- und Kieferbehandlungen können dauerhafte Kontraktionen von Gesichtsmuskeln zur Folge haben. Ist dieses Problem einmal erkannt, so ist die Therapie trotzdem meist problematisch, zumal es schwierig ist, alte Angewohnheiten zu durchbrechen und den Kaumuskelbereich dauerhaft in einem entspannten Zustand zu halten.

Wie erkennt man aber überhaupt, dass eine Störung im Bereich der Kaumuskulatur vorliegt?

Überwiegend äußern die Betroffenen ein Verspanntheitsgefühl im seitlichen Gesichtsbereich, das sich meist im Kiefer- bzw. Ohrbereich, aber auch in den Schläfen manifestiert.

Daran kann die Prophylaxe-Assistentin Störungen im Kiefergelenk erkennen:
– Knackgeräusche bei Bewegung des Kiefergelenks
– Eingeschränkte Mundöffnung
– Zähneknirschen
– Zähnepressen
– Schmerzen im Kiefergelenk oder der Kaumuskulatur
– Spannungsgefühl im Kieferbereich nach dem Aufwachen

Akupressur kann helfen

Eine Möglichkeit, vorübergehend wieder Entspannung zu erreichen, bietet die Akupressur. Der richtige Akupressurpunkt dafür ist der Punkt „Magen 6“. Er befindet sich, bei fest zusammengepresstem Kiefer auf der höchsten Erhebung des M. masseter, ein Fingerbreit vor und über dem Unterkieferwinkel. Dieser Punkt wird auch oft als „Stresspunkt“ bezeichnet und löst Stauungen in der Leitbahn des Magens und öffnet das Kiefergelenk. Dieser Punkt wird bei Zahnschmerzen, Zähneknirschen, Kiefergelenk-Arthritis, Nackenschmerzen, Bewegungseinschränkungen und zur Lockerung des Kiefers bzw. der Kiefermuskulatur eingesetzt. Aktiviert wird dieser Punkt durch Druck. Dabei werden die zugehörigen Akupressurpunkte auf beiden Seiten des Gesichts mit mittelfestem Fingerdruck gehalten. Nach kurzer Zeit bemerkt man unter den Fingerkuppen ein pulsierendes Pochen. Ist dieses Pochen auf beiden Seiten synchron, d.h. pocht es links und rechts gleichmäßig, so kann man die Punkte wieder loslassen. Die Kaumuskulatur ist dann meist gut entspannt.
Bitte beachten: Eine zu lange Stimulation dieser Punkte kann einen gegenteiligen Effekt bewirken und Kopfschmerzen auslösen.

Entspannung durch craniosacrale Osteophatie

Mit der Technik der Kiefergelenksdekompression können Kompressionen wieder sanft gelöst werden. Eine dauerhafte Besserung immer wiederkehrender Probleme bringt eine wiederholte Anwendung der Kiefergelenksdekompression. Bei dieser Technik wird der Patient in die liegende Position gebracht und die Prophylaxe-Assistentin platziert sich am Kopfende des Patienten. Nun werden die Hände des Behandelnden seitlich an den Unterkiefer gelegt, die Handballen am Kiefergelenk platziert, mit den Fingerspitzen der untere Kieferrand am Kinn umschlossen. Wenn die Fingerflächen gut mit dem Unterkieferknochen verbunden sind, tun wir zunächst etwas der Kompression Gegenteiliges: Und zwar gehen wir zuerst in eine Kompression, d.h. wir führen den Kiefer mit sanftem Zug zu uns her und noch weiter in die Gelenkspfanne hinein. Nach einer Weile spüren wir dann eine deutliche Entspannung der Kaumuskulatur und sollten einen Bewegungsimpuls des Kiefers nach unten wahrnehmen. Diesem folgen wir und begleiten den Unterkiefer in die eigentliche Dekompression (hierfür bitte 2-3 Minuten Zeit nehmen). Dabei lauschen wir aufmerksam und akzeptieren jeden „Stop“ von Muskulatur/Gewebe oder des Kiefergelenks. Sobald der geringste Widerstand verspürt wird, halten wir inne und warten bis sich das (Fest-) Halten auflöst. Danach kann mit der Dekompression fortgefahren werden und wir folgen dabei dem Kiefergelenk in die freie Richtung. Anschließend nehmen wir unsere Hände langsam nach oben in der Löserichtung weg und lassen den Patienten „nachspüren“. Bild Craniosacral Rhythmus seite 207

Natürlich ist es ratsam, sich nicht ungeübt in dieser Weise „über den Patienten herzumachen“, sondern vorher eine fundierte Ausbildung in den Bereichen Akupressur  bzw. craniosakrale Körpertherapie zu machen. Eure Prophylaxepatienten werden es Euch danken.

 

Autorin:
Barbara Bergmann
Prophylaxeassistentin in Wien

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