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Übersicht: nicht-kariogener Verlust von Zahnhartsubstanz

9. April 2013

Als Beispiel für eine “moderne”, zunehmend an Bedeutung gewinnende Form des Zahnhartsubstanzverlustes ist die Erosion zu nennen, die Abrasion hingegen ist als Folge der industriell vorgefertigten Nahrung eher im Abnehmen begriffen.

Welche Ursache auch immer hinter dem Verlust von Hartsubstanz steht, als erstes stellt sich die Frage, ob dieser Verlust noch physiologisch ist oder schon therapeutischer Maßnahmen bedarf. In Zeiten wachsender ästhetischer Ansprüche des Betroffenen wird diese Frage allerdings etwas in den Hintergrund gerückt.

Zahnhartsubstanzverluste haben nur selten eine einzige Ursache, viel häufiger spielen mehrere Faktoren zusammen. Aber möglichst jeder dieser Faktoren muss ergründet werden, um eine effektive Beratung und/oder Behandlung zu gewährleisten.
Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten des Substanzverlustes:

Abrasion: Verlust durch Reibung. Gemeint ist Reibung zwischen Zahnoberfläche (in der Regel Kauflächen oder Schneidekanten) und in die Mundhöhle eingebrachter Substanzen. Aber nicht nur “Substanzen” können abrasiv sein, sondern auch “Geräte”, wie eine falsch verwendete Zahnbürste.

Demastikation: eine Sonderform der Abrasion. Entsteht durch Kauen abschleifender Nahrungsmittel. Oft durch erosiv aufgeweichten Schmelz begünstigt.

Attrition: Substanzverlust auch durch Reibung, aber durch Reibung von Zahn auf Zahn. Extrem-Beispiel ist das Zähneknirschen während des Schlafes – Bruxismus genannt.

Erosion: Verlust von Zahnhartsubstanz durch Säuren, die nicht von Mundhöhlenbakterien kommen. Also Säuren von Getränken, von Nahrungsmitteln oder auch vom Körper selber, wie der Magensäure.

Abfraktion: darunter versteht man einen keilförmigen Defekt im Bereich der Schmelz-Zement-Grenze am Zahnhals. Wahrscheinlich kommt es auf Grund einer zu starken lokalen Belastung innerhalb des Zahnschmelzes und dem Ausbruch eines oder mehrerer keilförmiger Fragmente.

Die Ursache von Substanzdefekten am Zahn zu eruieren bedarf oftmals eines erheblichen Zeitaufwandes. Nachdem es sich um irreversible Schädigungen handelt und der Prozess in aller Regel progredient fortschreitet ist frühestmögliches therapeutisches Eingreifen notwendig. “Therapeutisch” bedeutet in vielen Fällen allein schon die Beratung für eine Änderung zahnschädigender Verhaltensweisen wie der Verwendung einer ungeeigneten Zahnbürste, eventuell verschärft durch falsche Putztechnik. Oder ein Überdenken der Trink- und Essgewohnheiten mit dem Ziel, die erosiven Angriffe auf ein zahnverträgliches Niveau zu senken.

Richtige Diagnose und rechtzeitiges Eingreifen bei betroffenen Patienten ist eine Herausforderung für das gesamte Dentalteam und sicher auch mitbestimmt von der Erfahrung der Zahnärztin bzw. des Zahnarztes.
Und wenn man dem Patienten auch noch erklärt, welche Folgen allein schon pekuniärer Natur “Nichthandeln” in einigen Jahren unweigerlich nach sich ziehen wird, dann fällt die Überzeugungsarbeit meist deutlich leichter.

Autor:
Dr. med. Reinhold Unterwurzacher
MedWiss Zahngesundheit
Gebro Pharma GmbH, Fieberbrunn

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