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Schlechter Atem ade!

9. Januar 2010

Welche antibakteriellen Wirkstoffe werden zur Behandlung der Halitosis eingesetzt?

Die bei weitem häufigste Quelle für schlechten Atem sind bakterielle Belege in der Mundhöhle.


Bakterien sind der Hauptverursacher einer Halitosis. Genauer gesagt anaerobe Bakterien, die Nahrungsmittelreste sowie Speichelbestandteile verstoffwechseln und daraus die geruchsbildenden flüchtigen Schwefelverbindungen entstehen lassen. Basis einer jeden Halitosisbehandlung muss die Optimierung der Mundhygiene sein, die in Verbindung mit einer mechanischen Zungenreinigung schon einen Teil des Problems zu lösen vermag. In vielen Fällen ist es jedoch notwendig, das Wachstum und die Vermehrung der verantwortlichen Keime durch antibakterielle Wirkstoffe zu hemmen, um eine nachhaltige Besserung der Symptomatik zu erreichen.

Chlorhexidin

Als Goldstandard für die Reduktion pathogener Keime gilt Chlorhexidin (CHX). CHX verbindet sich auf Grund seiner chemischen Eigenschaften mit der Zellmembran von Bakterien und führt dadurch zur Zerstörung der Zelle. CHX gilt als wirksamstes Mittel gegen Plaque und Gingivitis, spielt aber auch in der Parodontitisbehandlung eine zentrale Rolle. Für eine anhaltende Verbesserung der Halitosis-Symptomatik ist meist eine längerfristige Anwendung des jeweiligen Präparates notwendig. Damit wird auch die Problematik von CHX in  der Halitosis-Behandlung deutlich: Auf Grund des Nebenwirkungspotentials von CHX – insbesondere bei Langzeitanwendung – fällt diese Wirksubstanz für eine länger notwendige Verwendung aus. Als wichtigste unerwünschte Wirkungen gelten Verfärbung von Zähnen und Zunge sowie eine mögliche Irritation der Geschmacksnerven. Die für die Reduktion von Bakterien notwendige  Konzentration liegt zwischen 0,12% und 0,2%. Ob mit geringeren Konzentrationen von CHX eine ausreichende Reduktion von Bakterienbelägen  erreicht wird, ist nicht eindeutig belegt.

Zinklaktat

Schlechter Atem resultiert zum allergrößten Teil aus flüchtigen schwefelhaltigen  Stoffwechselprodukten, aus bakteriellen Belegen im Bereich von Mundhöhle und Zungengrund. Die Entstehung dieser flüchtigen Verbindungen kann durch Metallionen wie Zinn, Zink oder Kupfer sehr effektiv gebremst werden. Zink spielt in der Gruppe dieser Ionen – in Bezug auf die Behandlung der Halitosis – eine herausragende Rolle. Obwohl etwas schwächer antibakteriell als Zinn oder Kupfer, macht Zink das fehlende Verfärbungspotential und die geringere Toxizität gegenüber Kupfer zum bevorzugten Wirkstoff gegen schlechten Atem. Der Wirkmechanismus der Zinkionen besteht einerseits darin, dass schwefelhaltige Enzyme in der Bakterienzelle inaktiviert werden und dadurch das Wachstum der Keime gehemmt wird; andererseits binden die Ionen an bereits von den Bakterien gebildete flüchtige Schwefelverbindungen und schaffen daraus nicht-flüchtige Oxidationsprodukte. Damit fallen diese Verbindungen als Verursacher von schlechtem Atem aus.

Triclosan

Triclosan ist als antibakterieller Wirkstoff vielen Kosmetikprodukten wie Deodorants, Seifen und dermatologischen Produkten zugesetzt und findet seit den 1980er Jahren auch in Zahnpflegeprodukten Verwendung. Der Wirkmechanismus von Triclosan beruht auf der Zerstörung von intrazellulären Bakterienstrukturen, wodurch die weitere Vermehrung der Keime unterbunden wird. Triclosan war Gegenstand einer kritischen Risiko/Nutzenbewertung von Desinfektionsmitteln im Haushalt. Bei dieser Bewertung wurde die Möglichkeit von Resistenzentwicklungen durch Triclosan in den Raum gestellt (Deutsches Bundesinstitut für Risikobewertung). Eine andere Untersuchung bestätigt aber die Unbedenklichkeit von triclosanhaltigen Zahnpasten über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Triclosan allein beeinflusst flüchtige Schwefelverbindungen nicht. Erst die Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Zink macht die  Substanz für den Einsatz zur Behandlung von schlechtem Atem geeignet.

Ätherische Öle

Ätherische Öle wie Thymol, Menthol und Eukalyptol sind in der Lage, auf Grund ihrer hydrophoben (wasserabstoßenden) Eigenschaften, Mikroorganismen zu emulgieren und eliminieren. Die Öle finden Verwendung vor allem in Mundwässern, aber auch in Zahnpasten. Kritisch bewertet wird jedoch die Substantivität dieser Öle (Marsh 1991). Unter Substantivität wird die Fähigkeit verstanden, trotz Speichelfluss in ausreichender Konzentration am gewünschten Ort zu verbleiben.

Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid war in früheren Jahren ein sehr gängiges Mittel für die Wund- und Schleimhautdesinfektion und wird auch heute noch in Zahnpasten und Mundspülungen verwendet. Schwefelhaltige Verbindungen können mit diesem Antiseptikum zwar signifikant reduziert werden, allerdings wird die dauerhafte Anwendung als Mundspülung kritisch bewertet.

Antibiotika

Mittels Antibiotika können Bakterien sehr effektiv gehemmt werden. Als Zusätze zu Zahnpasten und Mundspüllösungen sind sie aber trotzdem abzulehnen, da  die Entwicklung von Resistenzen praktisch vorprogrammiert ist. Der Einsatz von Antibiotika soll somit ausgewählten Fällen vorbehalten bleiben, zeitlich begrenzt und in ausreichender Wirkstoffkonzentration. Pflanzenextrakte Für eine Reihe von pflanzlichen Extrakten liegen positive Untersuchungsergebnisse zur antibakteriellen Wirksamkeit vor. Für einige von ihnen konnte auch eine Reduktion flüchtiger schwefelhaltiger Verbindungen nachgewiesen werden. Als Hauptvertreter seien in diesem Zusammenhang grüner Tee, Chlorophyll und Blutwurz erwähnt.

Zusammenfassung:

Wirksame und anhaltende Besserung von schlechtem Atem ist – wenn die Ursache im Mund- und Zungenbereich gelegen ist (dem bei weitem häufigsten Fall!) – nur durch Hemmung der verantwortlichen Bakterien sowie Verringerung der flüchtigen schwefelhaltigen Verbindungen möglich. Dies kann einmal mechanisch durch eine qualitativ hochwertige Mund- und Zungenhygiene  geschehen, muss aber häufig durch den zusätzlichen Einsatz antiseptischer Stoffe ergänzt werden. In besonderer Weise dafür geeignet, erscheint das Zinkion, da es sowohl auf der Ebene der Bakterien wie auch der  geruchsauslösenden schwefelhaltigen Verbindungen ursächlich in die  Entstehung von schlechtem Atem, im Sinne einer anhaltenden Verbesserung der Symptomatik, eingreift.

 

Autor:
Dr. med. Reinhold Unterwurzacher
MedWiss Zahngesundheit
Gebro Pharma GmbH, Fieberbrunn

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