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Pulverstrahlbehandlungen: Trends – Indikationen – Kontraindikationen

3. Juli 2018

Schonend, bakterienhemmend, vielfältig einsetzbar, schmerzfrei und komfortabel in der Anwendung: Die Möglichkeiten der Pulverstrahlbehandlungen haben sich in den letzten knapp 20 Jahren stark weiterentwickelt und die Technologie ist aus der modernen Prophylaxe nicht mehr wegzudenken – Zeit, dem Thema einen Schwerpunkt zu widmen.

Zwischen dem ersten Pulverstrahlgerät bis zum Einzug der Technologie in den prophylaktischen Behandlungsalltag liegen fast vier Jahrzehnte: Das erste Gerät, das zur Kavitätenpräparation und supragingivalen Entfernung von Biofilm und Verfärbungen eingesetzt wurde, hat Robert Black 1945 entwickelt. Verwendet wurde damals ein hoch abrasives Natriumkarbonat-Pulver. Das erste Luft-Pulver-Gemisch zur Politur der Zähne wurde 1976 vorgestellt, ein paar Jahre später – Anfang der 1980er Jahre – fand die Air Flow® Technik in der Prophylaxe breite Anwendung. Lange standen Pulverstrahlbehandlungen in der Kritik, stark abrasiv zu sein und damit den Schmelz und den Wurzelzement zu schädigen Darüber hinaus war die Anwendung in den Anfängen manchmal etwas unangenehm für die Patienten (1).

Meilenstein: Schonende Pulver für subgingivale Behandlung

Natriumbikarbonat, das Pulver, das am häufigsten in der Prophylaxe verwendet wurde, wurde von Anfang der 80er Jahr bis zur Jahrtausendwende weiterentwickelt und war feiner und damit weniger abrasiv. Um die Jahrtausendwende kamen zusätzlich nicht wasserlösliche Pulver auf der Basis von Kalziumkarbonat, Aluminiumhydroxid bzw. Kalzium-Natrium-Phosphosilikat-Basis auf den Markt. Bahnbrechend für die Pulverstrahltechnologie war 2003 die Entwicklung eines ultrafeinen Pulvers auf der Basis von Glycin: Erstmals konnte damit die Air Flow®Technik auch subgingival zur Entfernung von Biofilm angewendet werden. Eine weitere Verbesserung stellen erythritolbasierte Pulver dar, die supra- und subgingival einsetzbar und seit 2012 am Markt sind (2,3).

Indikationen

Heute wird die Air Flow® Technik nicht nur supragingival eingesetzt, um extrinsische Verfärbungen – etwa durch Kaffee, Tee oder Nikotin – zu entfernen und Fissuren auf die Versiegelung vorzubereiten. Auch das subgingivale Biofilmmanagement in der unterstützenden Parodontitis-Therapie (UPT) und bei Implantaten ist ohne die moderne, subgingival einsetzbare Air Flow® Technik nicht mehr denkbar (siehe Fotos).

Kontraindikationen

Wenn Patienten an Asthma oder anderen Erkrankungen der Atemwege leiden, Allergien auf Pulverinhalte bekannt sind, die Patienten offene Läsionen auf den Schleimhäuten zeigen, Bisphosphonate einnehmen (z.B. zur Hemmung von krankhaftem Knochenabbau bei Osteoporose oder der Glasknochenkrankheit), Immunsuppressiva einnehmen (z.B.  Chemotherapien bei Krebserkrankung oder zur Vermeidung von Abstoßung nach Transplantationen) oder unter einer stark ansteckenden Erkrankung leiden, sollten sie sich keiner Pulverstrahlbehandlung unterziehen. Bei Schwangeren und Patienten mit Endokarditisrisiko sind subgingivale Behandlungen mit dem Pulverstrahlgerät nicht angezeigt.

Karies, insbesondere am Zahnschmelz, ist vor einer Pulverstrahlbehandlung zu sanieren. Bei entzündeten Taschen ist vor einer subgingivalen Air Flow®-Behandlung eine systematische Parodontaltherapie durchzuführen, um das Risiko einer Einschwemmung der Bakterien in den Blutkreislauf (Bakteriämie) zu vermeiden (4).

Auf das richtige Pulver kommt’s an …

Welche Pulver zum Einsatz kommen, wird anhand des klinischen Befunds entschieden.

„Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Pulver nur für den Schmelz, wie Natriumbikarbonat, Kalziumkarbonat und Aluminiumhydroxid, und den neuen, niedrigabrasiven Pulvern für das Dentin“, erklärt Petra Natter, BA, Dentalhygienikerin und Expertin für Pulverstrahlbehandlungen im Bereich der Prophylaxe. „Pulver auf der Basis von Glycin oder Erythritol sind feinkörniger, weicher und daher wenig abrasiv. Studien haben gezeigt, dass ihre Anwendung auch in etwas tieferen Taschen unbedenklich ist.“ Wichtig sei es, in der Anwendung zu unterscheiden, ob das Pulver für Schmelz oder für Schmelz und Dentin geeignet sei. „Pulver, die nur für den Schmelz geeignet sind, können am Dentin Schäden anrichten. Niedrigabrasive Pulver hingegen sind für beide Bereiche geeignet.“

Strafela-Bastendorf und Bastendorf kommen zu dem Schluss, dass subgingivaler Biofilm mit glycinbasierten Pulvern besser und in kürzerer Zeit entfernt werden kann, subgingivales „Airpolishing“ mit glycinbasierten Pulvern zuverlässig, sicher, schmerzärmer für die Patienten, gewebeschonender überdies leicht erlernbar sei. Erythritol basierte Pulver würden zusätzlich den Vorteil eines mit Natriumbikarbonat vergleichbaren Reinigungseffekts bieten, die das Keimwachstum hemmen, Keime reduzieren und darüber hinaus die Biochemie des Biofilms positiv beeinflussen (2).

Ein weiteres Pulver auf Basis des Disaccharids Trehalose ist seit 2016 auf dem Markt. Strafela-Bastendorf und Bastendorf (2) vermuten, dass „mit großer Wahrscheinlichkeit (…) in Zukunft neue Pulver entwickelt (werden), mit denen es immer effektiver du effizienter gelingen wird, das mechanische mit dem chemischen Biofilmmanagement zu verbinden und zu verbessern“. Sie betrachten die Wasserlöslichkeit als eine unbedingte Voraussetzung für die Anwendung von Pulvern in der Mundhöhle. Daneben spiele die Substanzschonung eine große Rolle.

Air Flow®: Welches Pulver für welche Indikation?

Quelle: Mectron. Ergänzungen lt. Vortragsunterlagen von Petra Natter.

© prophy

Lesen Sie dazu auch ein ausführliches Interview mit Petra Natter!

Hier geht’s zum Interview…

Dentalhygienikerin Petra Natter sieht die rasche Weiterentwicklung der Air Flow® Technik nicht nur als Chance, sondern auch als Herausforderung: ständige Fortbildung ist unumgänglich.

Foto: © Petra Natter

Vor der Behandlung: Anfärben

2: Nach der  der Air Flow Anwendung – jetzt sieht man den Zahnstein besser und kann diesen gezielt entfernen

3: Nach der Zahnsteinentfernung und Fluoridierung

Fotos: © Petra Natter

Lesen Sie dazu auch ein ausführliches Interview mit Petra Natter!

Hier geht’s zum Interview…

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