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Prophylaxe bei Kieferorthopädie

8. August 2019

Anfang Juni lud CP GABA zum 6. Mal Zahnärzte/innen zum Symposium – diesmal nach Leipzig. Unter dem Motto „Zukunft der Zahnmedizin – Mundgesundheit im Fokus“ warteten zukunftsweisende Themen, präsentiert von Referenten aus Wissenschaft und Praxis, auf die Teilnehmer. Die Fortbildungsveranstaltung bot vielfache Gelegenheit zum Dialog und Netzwerken. Dr. Anna Plaumann aus Kiel zeigte, wie erfolgreiche Prophylaxe in der Kieferorthopädie gelingt. Dabei ging sie auf viele verschiedene Beispiele von festsitzenden und herausnehmbaren Apparaturen ein. In allen Fällen gilt, dass „der Kieferorthopäde mit dem Hauszahnarzt zusammenarbeitet“, betonte Dr. Plaumann. Zudem gab sie nützliche Tipps, welche Zahnpflegeprodukte sich für die Mundhygiene in der Praxis und zu Hause eignen.

Herausnehmbare Zahnspangen, festsitzende Apparaturen, Schienentherapie.

Mit welchen Vor- und Nachteilen sind nun diese Varianten behaftet und was bedeutet dies für die Prophylaxe? Mobile Geräte können beim Zähneputzen herausgenommen werden. Das heißt, die Zahnpflege ist einfacher und die Prophylaxe allgemein leichter durchzuführen als bei festsitzenden Brackets. Für komplexe kieferorthopädische Fälle sind jedoch festsitzende Apparaturen weiterhin der Standard. Dr. Plaumann weist darauf hin, dass gerade bei geklebten Brackets die Prophylaxemaßnahmen ein integraler Bestandteil der kieferorthopädischen Therapie sein müssen.

Die Bracketinsertion startet meist nach Beginn der zweiten Wechselgebissperiode. Das durchschnittliche Alter beträgt zehn bis achtzehn Jahre und die Behandlung dauert meist mindestens eineinhalb Jahre und bis zu drei Jahre. Besonders die Bereiche um die Brackets, Bänder, Behandlungsbögen und Bewegungselemente stellen künstliche Prädilektionsstellen dar.  Die Selbstreinigung ist eingeschränkt (Zunge, Speichel,…) und es gibt eindeutig ein erhöhtes Risiko für Karies und Gingivitis.

White Spots (Karies in einem frühen Stadium) können bereits nach vier Wochen entstehen, bedingt durch eine veränderte Zusammensetzung des Biofilms (Anstieg Streptococcus mutans und Lactobacillen). Durchschnittlich sind 15 bis 40 Prozent der Patienten vor der KFO und durchschnittlich 30 bis 70 Prozent nach der KFO betroffen. Jeder dritte Patient bekommt mindesten einen neuen White Spot, auf Zahnebene gerechnet, zeigen sich neue White Spots bei einem Viertel der behandelten Zähne. Ca. fünf Prozent der Fälle kavitiert im Verlauf und benötigt eine konservative Therapie (Gorelick et al, 1982).

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Gingivitis. Das Zahnfleisch hat es nicht leicht: Es kann zu plaqueinduzierten Gingivitiden durch die erschwerte Reinigung kommen. Dazu ist die Immunantwort durch den Speichel nur eingeschränkt und zusätzliche können hormonelle Einflussfaktoren (Pubertätsgingivitis) die Gewebereaktion verstärken. Weitere Triggerfaktoren sind eine schlechte Compliance, Zahnfehlstellungen oder etwa Mundatmer beziehungsweise eingeschränkte Nasenatmer auf Grund von Allergien und Polypen.

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Regelmäßige Prophylaxesitzungen, spezielle Zahnpasta, Mundspülungen und professionelle Lacke können helfen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Vertrauenszahnarzt und der Kieferorthopädie ist besonders in diesem Punkt vonnöten. In sehr schweren Fällen sollte die Behandlungszeit so kurz wie möglich gehalten werden und ggf. kann nur eine Kompromisslösung gefunden werden.

Dr. Plaumann verweist in ihrem Vortrag auf die Cochrane Review 2013: Es gibt keine ausreichende Studiengrundlage, um einen sicheren Effekt verschiedener Vorsorgemöglichkeiten über die ganze Spanne der kieferorthopädischen Therapie zu zeigen.

Wie sieht die optimale Vorsorge aus?

Erkennen von Risikopatienten. Die richtige Mundhygiene umfasst die Motivation und das Putztraining für den Patienten. Geeignete Mundhygieneartikel von der Zahnpasta, -bürste über sonstige Hilfsmittel für schwierige Stellen, Ernährung, Bracketumfeldversiegelung und die Wahl zur Position der Brackets.

Mundhygiene: Das zahnärztliche Team sollte die Patienten instruieren und motivieren. Putztraining am Modell mit Brackets und im eigenen Mund helfen den Patienten beim besseren Putzen zu Hause. Färbetabletten bei der Prophylaxesitzung und zu Hause verdeutlichen den Hygienezustand. Wichtig ist der Hinweis: 2x täglich Reinigen reicht nicht mehr aus, besser nach jedem Essen die Zähne putzen.

 

Zusätzliche Hilfsmittel: Gut Zweidrittel putzen mit der Handzahnbürste. Die Empfehlung: Kreuzverzahnte Zahnbürste, mittlere Härte, kurzer Kopf. Es gibt spezielle Bürsten, wie zum Beispiel die elmex InterX Kurzkopf Zahnbürste von CB GABA. Achtung, die Bürsten haben eine höhere Abnutzung und müssen häufiger gewechselt werden. Ideal sind zusätzliche Zwischenraumbürsten zur Reinigung unter sich gehender Bereiche hinter dem Bogen („Plaqueschatten“) und an engen Stellen zwischen Bracket und Gingivarand bzw. in den Interdentalräumen. Etwa ein Drittel verwendet elektrische Bürsten.

 

Eine Munddusche ist bei KFO Patienten sinnvoll, ergänzend zu der Zahnbürste und den Interdentalbürstchen. Sie erreicht unter sich gehende Bereiche hinter dem Bogen. Die Munddusche entfernt keine Plaque, sondern nur Speisereste, aber sie kann Plaque modulieren und die Pathogenität verringern. Mit Wasser oder Mundspüllösung zu benutzen.

Zahnpasta mit Flourid und antimikrobiellen Bestandteilen bietet Karies- und Gingivitisschutz. Auch Mundspülungen haben zum Ziel vor Karies und Gingivitis zu schützen.

Zu den Fluoridierungsmaßnahmen: es gilt die Leitlinie der DGZMK 2013 mit den Richtlinien (ab 6 Jahren und bei erhöhtem Kariesrisiko)

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CP-Gaba-ZahnärztInnen-Symposium in Leipzig 2019: Dr. Anna Plaumann aus Kiel zeigte, wie erfolgreiche Prophylaxe in der Kieferorthopädie gelingt.

CP-Gaba-ZahnärztInnen-Symposium in Leipzig 2019: Dr. Anna Plaumann aus Kiel zeigte, wie erfolgreiche Prophylaxe in der Kieferorthopädie gelingt.

 

Foto: © Fotolia, weyo

Fotos im Beitrag:

Bild 1: Karies

Bild 2: Gingivitis

Ⓒ Plaumann

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