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Prophy-Interview mit Univ.-Ass. Dr. Hady Haririan, PhD, MSc

8. April 2019

EFP-Delegierter, Österreichische Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP)

Mehr Implantate, gute Ergebnisse, glückliche Patienten. Alle sind zufrieden mit der Entwicklung?

„Natürlich ist es ein Segen, wenn man eine herausnehmbare Prothese umgehen kann. Allerdings die Vorstellung, ein Implantat einfach so in die Lücke zu setzen, greift zu kurz. Wir brauchen davor eine profunde parodontale Diagnostik und Planung, da es sonst zu späteren Komplikationen mit dem Implantat kommen kann.“

Sind sich Patienten dessen bewusst? Wie ist Ihre Erfahrung in der Klinik?

„Viele Patienten kommen zu uns mit der Grundhaltung, ein desolater Zahn sollte möglichst durch ein Implantat ersetzt werden und sie meinen, damit eine Dauerlösung gefunden zu haben. Hier gilt es ganz klar Aufklärung zu leisten, dass sich auch das Gewebe um Implantate entzünden kann und dies dann auch wieder zu Problemen führt. Patienten, die schon ein Implantat haben, werden oft erst dann alert, wenn eine Periimplantitis voll zugeschlagen hat, denn zuvor werden die Probleme einfach nicht erkannt oder gefühlt. Die kommunizierten Erfolgsraten bei Implantaten sollten niemanden verleiten, die möglichen Begleiterscheinungen auszublenden.“

Was ist zu den Risikofaktoren zu sagen und zur Pflege zu Hause?

„Die Betroffenen dürfen die Risikofaktoren wie z.B. Rauchen oder eine unbehandelte Parodontitis nicht vernachlässigen. Deshalb ist die individuelle Diagnostik und Beratung ganz wichtig. Auch die Lebensumstände und das fortgeschrittene Alter der Patienten spielen eine Rolle. Das Thema Reinigung ist besonders für ältere Menschen enorm schwierig. Wir erheben derzeit an der Universitätszahnklinik in Wien, wie hoch der Anteil an Patienten mit Implantaten in der Ambulanz sich über die letzten Jahre verändert hat, damit wir eine bessere Planbarkeit haben und vorrauschauend disponieren können. Als nachteilig erweisen sich die mannigfachigen Implantatsysteme, die immer wieder zu Problemen führen, wenn Komplikationen an Implantaten zu behandeln sind.“

Was kann das zahnärztliche Team tun, um den Patienten bestmöglich zu unterstützen?

„Das allerwichtigste ist die profunde Diagnostik, das kann nicht oft genug betont werden. Wir erleben immer wieder Patienten, bei denen noch nie eine Parodontale Grunduntersuchung (PGU) durchgeführt wurde. Wenn der Patient parodontal gesund ist bzw. nach erfolgter Parodontitistherapie entzündungs- und taschenfrei ist,  bestehen gute Voraussetzung für ein Implantat, trotzdem bleibt ein Risiko. Wir müssen vorausschauend Implantieren und Individuallösungen anbieten, wohlüberlegt besonders hinsichtlich der immer älter werdenden Menschen, die irgendwann die Reinigung vermutlich nicht mehr gut oder gar selbst durchführen können. Ein „Backstop“ ist hier in jedem Fall angebracht.“

Welche Trends, Entwicklungen sind für die Zukunft zu erwarten?

„Wichtig war die neue Klassifikation des letzten Workshops der American Academy of Periodontology und der European Federation of Periodontology in Chicago 2017 – wir sprechen jetzt alle vom Gleichen. Die periimplantären Probleme werden zunehmen, weil ja viele Implantate bei Patienten mittleren Alters gesetzt wurden und werden und im höheren Alter die Inzidenz parodontaler und periimplantärer Erkrankungen ansteigt. Hinsichtlich der Materialien und Oberflächen kommt Keramik immer mehr in Spiel. Zudem ist es unumgänglich, das Bewusstsein für parodontale Zusammenhänge in der Bevölkerung zu stärken.“

 

 

Dr. Hady Haririan (C) Nidetzky

Univ.-Ass. Dr. Hady Haririan, Phd, MSc.

Foto: © Nidetzky

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