Themen

Wissenswertes für Prophylaxe-AssistentInnen erwartet Sie im Bereich Prophy-Themen.
Filtern Sie nach der gewünschten Kategorie, geben Sie Ihren individuellen Suchbegriff
ein und finden Sie so alle Artikel zum gewünschten Thema.

Diesen Artikel drucken

Prävention in der Mundhygiene: 750.000 Pflegebedürftige bis 2050

8. Oktober 2019

Rund 456.000 Menschen sind heute in Österreich auf Pflegeleistungen angewiesen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl des Bundeslandes Vorarlberg. Im Jahr 2050 werden 750.000 Menschen Pflegeleistungen brauchen. Die Mundhygiene ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität, die auch bei alten Menschen nicht vernachlässigt werden darf.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den nächsten Jahren stark steigen und das österreichische Pflegesystem, das bereits heute an seine Grenzen stößt, vor große Herausforderungen stellen. All das wird auch auf die zahnmedizinischen Versorgung der österreichischen Bevölkerung Auswirkungen haben.

Zahnmedizinische funktionelle Kapazität bei 75jährigen mit und ohne Pflegebedarf

Die funktionelle Kapazität in der Gruppe der 75- bis 100jährigen ist die Mundhygienefähigkeit durchaus noch als „normal bis leicht reduziert“ vorzufinden. Jene Personen mit Pflegestufe können sich jedoch nur noch zu 57,4 Prozent selber gut versorgen. Der FST-Index weist die funktionellen, intakten Zähne auf. Er liegt bei Personen mit Pflegestufe nur noch bei fünf intakten Zähnen, bei Personen ohne Pflegebedarf hingegen ist er doppelt so hoch. Der Sanierungsgrad beträgt rund 70 und der Behandlungsbedarf ca 30 Prozent bei pflegebedürftigen Menschen.

Univ.-Prof. Dr. Stefan Zimmer ist Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin und Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Witten/Herdecke. Er weist auf eine interessante Studie in fünf Duisburger Seniorenheimen hin: „Wir haben in fünf Altenheimen die Zahngesundheit bei 150 Heimbewohnern im Alter von durchschnittlich 70 Jahren geprüft und haben festgestellt, dass im Schnitt 23,2 Zähne fehlen. Die DMS V Studie (Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie 2014) hingegen zeigt, dass bei der Vergleichsgruppe der 65-74jährigen in der Bevölkerung rund 11,1 Zähne fehlen, also deutlich weniger. Dies verdeutlicht die Einschränkung und den Gesundheitsgrad der Zähne bei Pflegebedürftigen“.

Präventionen bei Pflegebedürftigen

„Gute Vorsorge beginnt bei den Erwachsenen“, lautet das Credo von  Professor Zimmer: „Wir dürfen nicht warten, bis ein Pflegegrad eintritt.“ Er verweist darauf, dass 75- bis 100jährige der Pflegestufe 0 kaum Unterstützung bei der Mundhygiene brauchen (92,4 Prozent ). Hingegen bei Personen der Pflegestufe 3 sinkt der Wert drastisch auf 3,3 Prozent.

Schulungen des Pflegepersonals sind notwendig, schließlich muss die häusliche Mundhygiene von jenen übernommen werden, die für die Betroffenen verantwortlich sind. Pflegedienste unterliegen einem strengen Zeitkorsett, trotzdem sollte die Mundhygiene nicht vernachlässigt werden. Bedenken, dass es keine Schulungsunterlagen gibt, begegnet Prof. Zimmer u.a. mit diesen Beispielen: Ein „Handbuch der Mundhygiene“, das von der Deutschen Zahnärztekammer publiziert wurde, steht auf deren Website zum Download zur Verfügung. Außerdem gibt es für Angehörige zehn kurze

Prof. Zimmer empfiehlt zudem eine Unterstützung der Zahnärzteschaft in der Schulung des Pflegepersonals nach dem Schneeballprinzip. Auch die ambulanten Pflegepersonen müssen geschult werden. Im Wesentlichen geht es um Erkrankungen von Zähnen und Zahnfleisch und darum, warum Mundhygiene überhaupt wichtig ist. Schlechte Mundhygiene erhöht beispielsweise das Risiko von Pneumonien, die besonders ältere Personen treffen kann. Die optimale Pflege von Zähne und Zahnfleisch sollten ebenso im Zentrum der Ausbildung stehen wie die richtige Ernährung und Mundhygienemaßnahmen in der Pflege.

Hilfsmittel für eigenständige Mundhygiene und für Pflegende:

 

Hilfreich für alte Menschen ist eine Griffverdickung der Zahnbürste. Eine Dreikopfzahnbürste erleichtert das putzen, denn der Bürstenkopf rutscht automatisch in die richtige Position. Die Bürsten gibt es in drei verschiedenen Größen. Diese Zahnbürsten gibt es auch als 2-Kopfbürsten, die dann günstig sind, wenn die Zähne stark verlängert sind, was bei Pflegebedürftigen häufiger vorkommt.

Die Zahnpasta sollte einen hohen Fluoridgehalt haben, am besten 5000 ppm Fluorid (ist ein Arzneimittel/Duraphat)

Bei Plaque und Zahnfleischbluten gilt es, eine Fluoridzahnpasta mit bakteriellem Wirkstoff zu verwenden. Ideal ist zusätzlich die Verwendung von Mundspüllösungen, sowohl zur Karies- als auch zur Gingivitisprophylaxe (200 bis 500 ppm). Zahnzwischenräume: 1 x täglich Reinigung aller gängigen Zwischenräume mit geeigneten Hilfsmitteln.

Die Hilfsmittel für Pflegende sind die gleichen: Drei- bzw. Zweikopfbürsten, Zahnpasta 5000 ppm und Mundspülung. Wenn der Patient nicht mehr selbst ausspülen kann, sollten die Schleimhäute inklusive Zunge mit einem Tupfer behandelt werden (ausgetrocknete und entzündete Schleimhäute!). Eine möglichst aufrechte Kopfhaltung hilft vor allem Personen, die im Bett liegen, damit es nicht zur Aspiration kommt. Eine Nierenschale für Zahnpasta und Speichel eignet sich gut. Ein Mundsperrer kann hilfreich sein, um gut arbeiten zu können.

Prothesenpflege: Nach jeder Mahlzeit die Prothese abspülen und den Mund ausspülen. Die Prothese 1 x täglich außen und innen mit Flüssigseife reinigen und gründlich abspülen. Zielführend ist die Verwendung einer Prothesenzahnbürste

Portrait of old depressed man in garden. Concept of mental problems. ©Flotilla, Budimir Jevic

750.000 Pflegebedürftige bis 2050

Foto © Budimir Jevic – fotolia.de

Prothesen-Zahnbürste Foto (c) Zimmer

Dreikopf-Zahnbürste Foto (c) Zimmer

Zweikopf-Zahnbürste Foto (c) Zimmer

Schlagwörter: , , , , , ,