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Notfälle im Prophylaxe-Alltag

10. Februar 2010

Hypoglykämie und Hyperventilations-Syndrom.


Notfall 1 – Die Hypoglykämie

Auf Hypoglykämien müssen Sie v.a. bei Diabetikern vorbereitet sein. Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerwert zeitweise oder ständig erhöht ist. Es gibt mehrere Formen von Diabetes: Am häufigsten ist der Typ-2-Diabetes, gefolgt vom Typ-1-Diabetes. Eine weitere Form ist der Schwangerschaftsdiabetes (d.h. Gestationsdiabetes).


Akute Ursachen einer Hypoglykämie (d.h. Unterzuckerung):

 

  • zu viel Insulin gespritzt
  • zu wenig gegessen
  • Sportaktivität, körperliche Anstrengung
  • psychischer Stress (z.B. Angst vor dem Zahnarztbesuch)

Symptome:
Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit, Herzrasen, kalter Schweiß etc.

Therapie:

Eine Hypoglykämie ist leicht und von jedem behandelbar. Entscheidend ist die Glukosegabe (d.h. die Gabe von Traubenzucker) in oraler oder parenteraler Form. Oral ist diese mit einem Stück Traubenzucker (in jedem Supermarkt erhältlich) oder einer Glukosetube (in der Apotheke erhältlich) verabreichbar; parenteral durch 100 ml Glukose 33% intravenös langsam. Patienten mit dem Leitsymptom Hypoglykämie stellen an und für sich keine große Herausforderung an Zahnarzt und/oder Prophylaxe-Assistentin, im Sinne der therapeutischen Intervention, dar. Die Schwierigkeit liegt vielmehr im Erkennen einer oft verdeckten Symptomatik. Das Missachten der Symptome kann dann zu schweren Folgen für den Patienten führen. Daher empfiehlt es sich, in der Ordination jederzeit ein Stück Traubenzucker griffbereit zu haben und sofort, auch auf den bloßen Verdacht hin, zu applizieren.

Notfall 2 – Das Hyperventilations-Syndrom

Das durch eine inadäquat beschleunigte und vertiefte Atmung gekennzeichnete Hyperventilations-Syndrom geht mit einer Abnahme des Kohlenstoffdioxid-Partialdruckes (pCO2) und einem pH-Anstieg (respiratorische Alkalose) im Blut einher. Neben der Beruhigung des Betroffenen, mit einer Anleitung zu einer bewusst langsamen und verminderten Atmung, ist eine Rückatmung (z.B. in eine Plastik- oder Papiertüte) therapeutisch indiziert. Ein Hyperventilations-Syndrom kann in psychischen Belastungssituationen (z.B. beim Zahnarztbesuch) ausgelöst werden: Anfangs zeigt sich eine geringe Steigerung der Atemfrequenz mit erhöhtem Atemzugsvolumen. Mit Fortschreiten der Symptome kommt es jedoch zu einer massiven Erhöhung der Atemwerte. Bei Nichtbehandlung kann sogar der Tod eintreten!


Symptome:

  • Kribbeln in Armen und Beinen, steigende Unruhe
  • Symmetrische Pfötchenstellung der Arme
  • Taubheitsgefühl an Lippen und Zunge
  • Grimassieren (sog. „Karpfenmund“)
  • Massiv beschleunigte und vertiefte Atmung


Komplikation bei Nichtbehandlung:

  • Krämpfe (d.h. Tetanie) können bis zum Tod führen!

Therapie:

  • Sofort Behandlung abbrechen!
  • Den Patienten beruhigen und ihm erklären, dass es sich um eine „harmlose“ Störung handelt.
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, beengende Kleidung öffnen
  • Keine Sauerstoffgabe!
  • Rückatmung: Den Patienten in einen großen Plastiksack ein- und ausatmen lassen.
  • Wichtig! Dem Patienten die Maßnahme genau erklären! Da dieser glaubt, ersticken zu müssen, wird ihm ein Plastiksack vor seinem Gesicht sehr bedrohlich vorkommen.
  • 10–20 gtt Psychopax-Tropfen zur Beruhigung, wenn es dem Patienten wieder besser geht.
  • Wenn sich der Patient beruhigt hat, unbedingt mit Begleitung nach Hause entlassen.
  • Vor der nächsten Behandlung: Dem Patienten 30 Minuten vor Beginn der Behandlung 10 gtt Psychopax verordnen (Cave: Nicht mit Kfz fahren lassen, da eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit durch Psychopax-Tropfen!)

 

Autor:
DDr. Oliver Jandrasits
Univ. Ass. der Bernhard-Gottlieb-Universitäts-
zahnklinik Wien, FA für ZMK

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