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„Noch viel Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung nötig“

15. September 2016

Die MIH wird zwar in der PAss-Ausbildung als mögliche Schmelzstörung erwähnt, ist aber in der Praxis noch wenig bekannt, sagt PAss-Expertin Cornelia Bernhardt im Gespräch mit prophy.

Liegt eine MIH vor, sind die Zähne oft extrem schmerzempfindlich – wie gehen Sie in der Prophylaxe Sitzung vor, damit das Kind überhaupt den Mund aufmacht, Frau Bernhardt?

Reden, erklären, dem Kind verständnisvoll begegnen und nichts erzwingen. Wenn es bei dieser Sitzung nicht funktioniert, dann eben beim nächsten Mal. Kinder sollten, um sich an uns zu gewöhnen und Vertrauen aufbauen zu können, so früh wie möglich in die Zahnarztpraxis mitgenommen werden, das gilt für alle Kinder. Bei Kindern mit MIH ist es bei Durchbruch der Sechser viel zu spät, da bei diesen Kindern eine Behandlung aufgrund der Schmerzempfindlichkeit sehr schwierig bzw. teilweise unmöglich ist. Eine gute Vertrauensbasis ist in diesen Fällen besonders wichtig.

Was ist bei Kindern mit MIH in der Prophylaxe besonders zu beachten?

Wenn die Zähne schmerzempfindlich sind, unbedingt den Luft-Wasser-Sprayvit weglassen. Auch der Speichelsauger sollte, wenn überhaupt, nur mit Schutz verwendet werden. Zum Trocknen kann man stattdessen Watterollen oder -kügelchen verwenden. Jegliches Instrumentarium aus Metall sollte nach Möglichkeit bei schmerzempfindlichen Kindern vermieden werden , weil die Berührung extreme Schmerz verursachen kann – ähnlich, wie wenn man mit einer Gold- oder Amalgam-Füllung auf Stanniolpapier beißt.

Die Compliance bei Zahnpflege ist unter solchen Umständen sicher nicht einfach…

Eine gute Mundhygiene ist bei MIH so wichtig, weil die porösen Zähne schwerer zu reinigen sind, dabei sehr anfällig für Karies und dazu noch schmerzempfindlich. Ich empfehle Kindern mit MIH, eine weiche Zahnbürste zu verwenden, eine fluoridierte Zahnpasta mit 1500 ppm, Produkte gegen Schmerzempfindlichkeit. Es gibt viele Produkte für schmerzempfindliche Zähne. Mein Tipp: Lassen Sie die Patienten testen, welches bei ihnen am Besten wirkt.

Was können die Betroffenen sonst tun?

Diese Kinder gehören zu den Karies-Hochrisikokindern – die poröse Zahnoberfläche ist ein Reservoir für Plaque und Speisereste. Ich empfehle, Süßigkeiten und süße Getränke wenn möglich zu meiden, genauso säurehaltige Speisen… Bei Schmerzempfindlichkeit sollte man sehr heiße und sehr kalte Speisen vermeiden. Bei Kindern mit MIH sollte ein engmaschiger Mundhygiene-Recall stattfinden, wenn eine schwere MIH vorliegt, wird aber der Zahnarzt Maßnahmen setzen müssen.

Für die Kinder ist es sicherlich nicht so einfach, wenn die bleibenden Zähne unschöne Flecken aufweisen…

Die Kinder leiden in der Tat oft sehr darunter, auch die Eltern. Das Krankheitsbild der MIH ist ja noch nicht so bekannt und die Betroffenen werden oft angesprochen, von wegen nicht Zähneputzen und Karies. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich empfehle den Eltern betroffener Kinder, auch die Lehrer zu informieren, dass es sich um eine Erkrankung handelt, nicht um schlechte Mundhygiene!

Cornelia Bernhardt ist Prophylaxeassistentin im Ambulatorium für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde  der Tiroler Gebietskrankenkasse, Vortragende und Instruktorin bei der Tiroler ZahnProphylaxe-Akademie und leitet das  Organisationsteam der Innsbrucker Zahnprophylaxetage. (Foto ©Bernhardt)

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