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Wenn die Spucke wegbleibt

22. Mai 2018

Jeder vierte Erwachsene leidet an Mundtrockenheit – Xerostomie. Diese ist nicht nur unangenehm, sondern wirkt sich auch negativ auf die Mundgesundheit aus und führt zu einem erhöhten Kariesrisiko. Die gute Nachricht: Man kann etwas dagegen tun.

Pro Tag produziert der Mensch rund einen halben bis eineinhalb Liter Speichel, der neben dem Hauptbestandteil Wasser (99%) verschiedene organische und anorganische Verbindungen enthält (1). Der Speichel erfüllt vielfältige Aufgaben, so etwa die Vorverdauung von Kohlenhydraten und Fetten, die Veränderung der Konsistenz der Speisen für das Schlucken, die Befeuchtung der Mundhöhle, die Abwehr von pathogenen Erregern, die Neutralisation von Toxinen, die Kontrolle der Mundflora, den Schutz und die Remineralisation der Zahnsubstanz und den Schutz und die Reparatur der Mundschleimhaut. Wird zu wenig Speichel produziert – man spricht dann von einer Hyposalivation – kann das zahlreiche negative Konsequenzen haben.

Viele mögliche Ursachen

Die Ursachen für Xerostomie können vielfältig sein. Wer kennt nicht das Gefühl, in einer Stress- oder Angstsituation bleibe einem sprichwörtlich die Spucke weg? Zurückzuführen ist das auf die sympathische Reaktion des vegetativen Nervensystems auf die Stresssituation, die die Speichelproduktion, die vom parasympathischen Nervensystem gesteuert wird, hemmt. Auch trockene Luft, zu wenig Trinken, dauerndes Atmen durch den Mund (etwa bei Schnupfen) oder Schnarchen führen zu Mundtrockenheit.

Zu einem Problem für die Mundgesundheit wird Xerostomie, wenn sie längerfristig besteht. Besonders häufig sind ältere Menschen davon betroffen – bei Über-65-Jährigen leidet jeder zweite an Mundtrockenheit (2). Auch viele Medikamente haben Mundtrockenheit als mögliche Nebenwirkung, etwa bestimmte Augenmedikamente, Medikamente gegen Blasenschwäche, gegen die Parkinson-Erkrankung, gegen Herzrhythmusstörungen, gegen Bluthochdruck, Antidepressiva, bestimmte Chemotherapien zur Behandlung von Krebserkrankungen, aber auch Schlafmittel, Antihistaminika oder Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Häufig tritt Mundtrockenheit auch bei Strahlentherapien gegen Krebserkrankungen im Bereich des Kopf-Halsbereichs auf (vgl. 1, 2, 3).

Bestimmte Drogen, etwa das in Cannabis enthaltene THC, Heroin, die synthetische Droge Ecstasy, übermäßiger Alkoholgenuss oder starkes Rauchen wirken sich ebenfalls auf die Speichelproduktion aus.

Neben Erkrankungen der Speicheldrüsen – etwa ein Karzinom oder eine Entzündung – können auch systemische Erkrankungen zu Mundtrockenheit führen: etwa das Sjögren-Syndrom – eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, bei der die Speichel- und Tränendrüsen sukzessive zerstört werden. Auch Diabetiker mit schlechter Blutzuckereinstellung leiden häufig an Mundtrockenheit. Viruserkrankungen können ebenfalls zu einer verringerten Speichelproduktion führen. HIV-Infizierte haben darüber hinaus ein hohes Risiko für infektiöse oder entzündliche Speicheldrüsenerkrankungen (2, 4, 5).

Die Veränderung des Hormonspiegels führt bei Frauen während und nach der Menopause häufig zu dauerhafter Mundtrockenheit.

Symptome

Mundtrockenheit macht sich durch ein trockenes, klebriges Gefühl im Mund, Mundgeruch, eine schmerzende oder brennende Zunge, häufiges Verschlucken und Kau- und Schluckbeschwerden, vor allem bei trockenen Speisen, bemerkbar. Geschmacksempfindungen sind oft beeinträchtigt, die Betroffenen verschlucken sich häufig, haben Schwierigkeiten beim Sprechen und oft trockene, rissige Lippen und Mundwinkel. Der Speichel ist oft weißlich bis gelblich-braun und zäh, die Schleimhäute sind matt, glanzlos und leicht verletzlich (vgl. 3, 5). Annekatrin Dohle (3) weist in ihrem Fachartikel in der ZWP online darauf hin, dass es aufgrund des verminderten Speichelflusses zu einer deutlichen Plaqueakkumulation und einer Demineralisation der Zahnhartsubstanz komme, in weiterer Folge zu Kariesläsionen im Bereich der Zahnhälse oder untypischen Stellen wie Kronenhöckern oder den Schneidekanten der Frontzähne.

Neben der Befundung des Mundes kann auch eine Vergrößerung oder laterale, meist einseitige Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüsen auf Xerostomie hinweisen (3).

In der Anamnese sollte nach den Ess- und Trinkgewohnheiten, Vorerkrankungen, Medikamenten und der Mundhygiene gefragt werden. Lässt sich die Xerostomie nicht durch das Alter, eine bekannte Vorerkrankung bzw. Medikamenteneinnahme erklären, müssen die Patienten unbedingt auf eine notwendige Abklärung beim Hausarzt hingewiesen werden.

Therapie

Die Therapie der Mundtrockenheit hängt von der Ursache ab. Davon unabhängig kann das eigene Verhalten Symptome lindern und so zu einer Verbesserung beitragen: Rauchentwöhnung, ausreichendes Trinken – neben Wasser rät Dohle insbesondere auch zu Milch, die eine remineralisierende Wirkung hat, grünem Tee, dem eine Minderung der kariogenen Mikroorganismen nachgesagt wird und schwarzem Tee aufgrund seines Fluoridgehalts (3). Faserreiche Nahrung und das Kauen zuckerfreier Kaugummis regen den Speichelfluss an und tragen dazu bei, die Mundhöhle feucht zu halten (3, 4). Je nach Ursache für die Xerostomie und Möglichkeit, diese zu behandeln, kann auch die Behandlung mit Speichelersatzmitteln sinnvoll sein.

Dohle betont, dass insbesondere bezahnte Patienten mit Mundtrockenheit zur Hochrisikogruppe zählen und daher regelmäßig drei- bis viermal jährlich den Zahnarzt aufsuchen sollten. Sie empfiehlt in diesem engmaschigen Programm auch eine Prophylaxesitzung, „um somit die häusliche Mundhygiene zu unterstützen und Früherkennung betreiben zu können.“ In einem Informationsgespräch sollen die Patienten über die erhöhten Risiken des Auftretens einer Candidiasis und Karies informiert werden. Auch die Prophylaxe von Demineralisation und die Förderung von Remineralisation – etwa durch Fluoridapplikation – sei bei diesen Patienten wichtig (3).

Literaturliste

Jeder zweite Über-65jährige leidet an Mundtrockenheit. Fotolia(c)NewAfrica

Jeder zweite Über-65jährige leidet an Mundtrockenheit.

Foto: © New Africa – fotolia.de

Candida albicans Infektion bei Mundtrockenheit Fotolia (c) Alessandr Grandini

Häufig bei Mundtrockenheit: Candida albicans Infektion

Foto: © Alessandro Grandini – fotolia.de

In der Prophylaxesitzung sollten Mundtrockenheit-PatientInnen eingehend über die häusliche Mundhygiene aufgeklärt werden.

Foto: © contrastwerkstatt – fotolia.de

Besuchen Sie dazu auch: https://mundtrockenheit.org/

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