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Kariesschutz

9. Januar 2016

Die Bedeutung von Speichel, Mucine & Co

Schon in der Jungsteinzeit hat man sich um Zahnschmerzen gekümmert. Der älteste, mit Bienenwachs gefüllte, Zahn wurde 2012 in Slowenien entdeckt und wird vom Forscher Frederico Bernardini und seinem Team auf etwa 6.500 Jahre geschätzt.1 Die ältesten gebohrten Kavitäten, deren Alter auf 7.500–9.000 Jahre geschätzt wird, wurden jedoch im heutigen Pakistan 2006 entdeckt. Eine Füllung konnte nach der langen Zeit weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden.

Speichel als Kariesschutz

Der körpereigene Kariesschutz erfolgt über ein Sekret, das von drei großen, paarig angelegten [Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), Unterzungendrüse (G. sublingualis), Unterkieferdrüse (G. submandibularis)] und vielen kleinen Speicheldrüsen abgegeben wird. In Kombination mit abgeschilferten Schleimhautresten, Mikroorganismen, Nahrungsresten, Proteinen und Glycanen kennen wir dieses Gemisch als Speichel.

Der Speichel (lat. Saliva) hat mehrere protektive Funktionen. Seine Mucine (Glycoproteine) überziehen alle Schleimhäute als Schutzfilm. Je nach Fließrate und Viskosität hat der Speichel eine mehr oder weniger reinigende Wirkung. Der Gehalt an Bicarbonat, Phosphat, Calzium und Fluorid bestimmt seine puffernde und remineralisierende Wirkung. Sekretorische Immunglobuline (slgA) sowie Lysozym, Katalase, Laktoperoxidase und weitere Enzyme bestimmen die antimikrobielle Aktivität des Speichels.

Zusammensetzung des Speichels

Neben 99,5% Wasser besteht der Speichel zu 0,5% aus organischen und anorganischen Stoffen sowie Makromolekülen, die verschiedene Funktionen besitzen. Das Enzym Amylase beginnt beispielweise schon im Mund mit der Verdauung langkettiger Kohlehydrate.

Antimikrobielle und Pufferwirkung

Dünnflüssiger Speichel, der hauptsächlich von den Ohrspeicheldrüsen und zum Teil von den Unterzungen- und Unterkieferdrüsen gebildet wird, hat eine Puffer- und Spülwirkung. Werden die Zähne mit Glukose konfrontiert, so setzt sofort eine höhere Speichelproduktion ein, die die Säuren neutralisiert, sodass der pH-Abfall in der Regel nicht länger als 15-20 Minuten anhält. Hauptverantwortlich für diese Stabilisierung ist der Bikarbonat­puffer. Sekretorisches Immunglobulin A (sIgA) sowie andere Glykoproteine wirken karieshemmend, indem sie die Anhaftung des  Streptococcus mutans an den Zahnoberflächen verhindern.

Auch das Lysozym ist ein wichtiges Enzym, das in der Lage ist, die Zellwand grampositiver Bakterien aufzubrechen, was zu deren Absterben führt. Kommt es zu einer geringeren Speichelproduktion, so ist die Karies­entstehung begünstigt.

Tabelle1

Hyposalivation und Xerostomie

Um die richtige Therapie zu wählen, ist es wichtig die Ursache zu kennen und nicht nur das Symptom zu behandeln. Die Ursache von reduziertem Speichelfluss kann verschiedenste Ursachen haben:

Allgemeine Ursachen: 

  • Dehydration
  • Trockene Luft
  • Mundatmung
  • Schnarchen
  • Stress
  • Rauchen
  • Autoimmunerkrankungen (Sjögren-Syndrom, ­Heerfordt-Syndrom)
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, ­Diabetes insipidus)
  • Sialadenose/Sialadenitis
  • Tumore der Speicheldrüsen
  • Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich
  • AIDS
  • Bestimmte Medikamentengruppen

Zu den Medikamentengruppen zählen:

  • Antihypertensiva (Betablocker, ACE-Hemmer, ­Ca-Antagonisten)
  • Diuretika (z.B. Furosemid)
  • Schmerzmittel (Opioide)
  • Antiparkinsonmittel
  • Beruhigungs- und Schlafmittel
  • Psychopharmaka
  • Chemotherapeutika
  • Antiepileptika
  • Antiemetika
  • Anticholinergika (z.B. Atropin)
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Antihistaminika
  • Zytostatika
  • Drogen (THC, Amphetamine, Heroin, Kokain, Ecstacy)Tabelle2_korrekt

Diagnose

Neben den eindeutig wahrnehmbaren Symptomen, wie klebrige und gerötete Schleimhäute, gibt es mittlerweile auch Kariesrisikotests, die via Speichelanalyse arbeiten. Diese reagieren auf die Pufferkapazität des Speichels, visualisieren die individuelle Kariesgefährdung und tragen so anschaulich zur Motivation von Patienten bei.

CRT® buffer (Ivoclar Vivadent®)

CRT® buffer hat die Schutzfunktionen des Speichels im Fokus. Im Speichel enthaltene Puffersysteme können die für Zähne gefährlichen Säuren neutralisieren. Indem Sie die Pufferkapazität des Speichels bestimmen, können Sie feststellen, inwieweit diese im individuellen Fall ihre wichtige Funktion erfüllen.  Der Kariesrisikotest CRT® buffer ermöglicht Ihnen ein schnelles, effizientes Abklären der Pufferkapazität des Speichels.

Einsatzgebiet

  • Bestimmung der Pufferkapazität des Speichels

Vorteile

  • einfach, schnell in der Durchführung
  • Ergebnis nach fünf Minuten
  • zuverlässige Resultate

Nutzen für das Praxisteam

  • Test zur Abschätzung des individuellen Kariesrisikos
  • Grundlage einer gezielten Therapie
  • individuelle Recall-Intervalle zum langfristigen Erhalt der Zähne

Für die Bestimmung des individuellen Kariesrisikos ist dieser Test allein allerdings nicht aussagekräftig.

Weitere Faktoren, die dazu beitragen, sind:

  • Mundhygiene
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Karieserfahrung (bereits durchgemachte kariöse Gebissschäden)
  • Kariöse Initialläsionen (sichtbare weißliche ­Entkalkungen)
  • Speichelfließrate
  • Speicheltest auf Streptococcus mutans
  • Speicheltest auf Laktobazillen

Fazit

Kariesprophylaxe ist individuell und Kariesrisiko multifaktorell. In archäologischen Zeitaltern wurde so gut wie kein Zucker und keine Kohlehydrate konsumiert, weshalb die Zähne diesen Faktoren viel weniger ausgesetzt waren und andere Quellen zur Remineralisierung (Calcium, Phosphat,…) ausgereicht haben. In der heutigen Zeit hat sich das Ernährungsbild gewandelt: Zuckerkonsum ist allgegenwärtig, die Zähne sind permanenten „Zuckerangriffen“ ausgesetzt und aus diesem Grunde ist die regelmäßige Fluoridierung zur Kariesprophylaxe der Goldstandard.

Quelle: Claudia R. Barthel; Lehrbuch Prophylaxeassistentin 4. Auflage 2012; Urban & Fischer

Literaturverzeichnnis:
Bernardini F, Tuniz C, Coppa A, Mancini L, Dreossi D, Eichert D, et al. (2012) Beeswax as Dental Filling on a Neolithic Human Tooth. PLoS ONE 7(9): e44904. doi:10.1371/journal.pone.0044904
Nature 440, 755-756 (6 April 2006) | doi:10.1038/440755a; Received 22 November 2005; Accepted 1 March 2006; Published online 5 April 2006
Klaus H. Rateitschak & Herbert F. Wolf: Farbatlanten der Zahnmedizin 1, ­Parodontologie; 3. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, 2004
www.netdoktor.de/symptome/mundtrockenheit (Stand 30.12.2015)
www.ivoclarvivadent.com (Stand 30.12.2015)
www.zahngesundheit-online.com/Kariologie/Puffer-Kapazitaetsbestimmung (Stand 30.12.2015)

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