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Kariesprophylaxe: Je früher desto besser

18. Mai 2016

Trotz positiver Entwicklungstendenzen geht die Reduktion der frühkindlichen Karies nur schleppend voran. Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO formulierte Ziel einer „Kariesfreiheit bei 80 Prozent der Sechsjährigen im Jahr 2020“ ist aus derzeitiger Sicht nicht erreichbar. Auf welche Säulen stützt sich die frühkindliche Kariesprävention? Und wann soll mit der Prophylaxe begonnen werden? Prophy fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

In Österreich litt 2011 noch immer fast die Hälfte der Sechsjährigen unter frühkindlicher Karies. Insgesamt zeigen die Zahlen im Beobachtungszeitraum 1996 bis 2012 zwar einen positiven Entwicklungstrend. Milchzahnkaries geht kontinuierlich, aber langsam, zurück.[1] Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte Ziel einer Kariesfreiheit von 80 Prozent der Sechsjährigen im Jahr 2020 wird aber aller Voraussicht nach nicht erreicht werden. Sowohl österreichische als auch deutsche Erhebungen zeigen klar: Karies ist sozial determiniert. In Österreich konzentrieren sich mehr als 80 Prozent der diagnostizierten kariösen Läsionen auf ein Viertel der Sechsjährigen[2]. Auch in Deutschland belegen zahlreiche Untersuchungen, dass sich Milchzahnkaries vor allem auf Kinder aus sozial schwachen Familien, oft mit Migrationshintergrund, konzentriert.[3]

Unter frühkindlicher Karies (ECC – Early Childhood Caries) spricht man laut AAFD[4] bereits, wenn im Milchzahngebiss von Kindern unter sechs Jahren mindestens eine kariöse Läsion (mit oder ohne Kavitation) vorliegt.

Wyne[5] unterscheidet drei Typen von ECC. Typ 1 weist vereinzelte, leichte bis mittelgradige kariöse Läsionen an Milchzahnmolaren und/oder Schneidezähnen auf, beim Typ 2 kommen kariöse Läsionen insbesondere an den Schneidezähnen des Oberkiefers dazu. Beim Typ 3 weisen fast alle Zähne inklusive der Schneidezähne des Unterkiefers kariöse Läsionen auf.

Anahita Jablonski-Momeni, Oberärztin an der Abteilung für Kinderzahnheilkunde der Universität Marburg, führt in einem GABA-Fortbildungs-Webinar3 auf, dass alle Gründe für die Entstehung frühkindlicher Karies letztlich auf die Besiedelung der Mundhöhle mit Mutans-Streptokokken zurückzuführen seien. Die gute Nachricht: „Wenn die Besiedelung mit Mutans-Streptokokken im Gleichgewicht mit einer guten Mundhygiene und einer zahnschonenden Ernährung stehen, sollte es nicht zur Entstehung einer Karies kommen.“

Wichtig: Eltern schon vor der Geburt aufklären

Untersuchungen[6] zeigen, dass insbesondere auch mütterliche Faktoren, und hier vor allem das Wissen der Mütter über Mundhygiene, die richtige Ernährung und die Anwendung von Fluoriden, die Entstehung einer frühkindlichen Karies beeinflussen. Umso wichtiger sei es, bereits die werdenden Eltern in die Prophylaxe miteinzubeziehen. Jablonski-Momeni: „Die schwangere Mutter, aber auch der werdende Vater sollen über mögliche Infektionswege der Keime, die in die Mundhöhle des Kindes gelangen, aufgeklärt werden.“ Hilfreich sei es auch, den Infektionsgrad bei den werdenden Eltern zu bestimmen. „Oft sieht man bereits anhand des Mundhygienestatus der werdenden Eltern, wie die Zahngesundheit beim Kind später aussehen könnte“, sagt Jablonski-Momeni. Es sei darüber hinaus wichtig, die Eltern über die Zahnpflege bei sich selbst und später beim Kind, aufzuklären. „Eine besonders wichtige Rolle spielen bei dieser so genannten Primär-Primär-Prophylaxe die KinderärztInnen und Hebammen.“ 3,[7]

Ab dem ersten Zahndurchbruch das volle Programm

Die Prävention frühkindlicher Karies stützt sich auf mehrere Säulen:

  1. Ernährung:

Zucker, vor allem das andauernde Lutschen von Bonbons und Nuckeln an zuckerhaltigen Getränken im Fläschchen vermeiden. Das Kind ab dem 1. Geburtstag an das Trinken aus dem Becher / Glas gewöhnen.

  1. Mundhygiene:

2 x täglich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta ab dem ersten Zahndurchbruch. Eltern sollten bis ins Schulalter (8-10 Jahre) die Zahnpflege überwachen und täglich nachputzen: erst wenn die Kinder flüssig schreiben können, können sie auch selbständig alle Zähne im eigenen Mund putzen.

  1. Zahnarztbesuche:

Ab dem ersten Zahndurchbruch spielerische Gewöhnung des Kindes an die Umgebung und zur Aufklärung der Eltern über Zahnpflege und richtige Ernährung.

Regelmäßig zahnärztliche Kontrollen – ab dem 6. Lebensjahr zweimal jährlich.

Nach notwendigen Behandlungen engmaschige Prophylaxekontrollen.

  1. Fluoride:

Lokale Zufuhr systemischer Zufuhr vorziehen. Evtl. lokale Anwendung von höher dosierten Fluorlacken, -lösungen und -gelen unter zahnärztlicher Kontrolle.

Während in Deutschland die Kinderärztinnen und -ärzte teilweise noch propagieren, das Verwenden einer Zahnpasta sei erst sinnvoll, wenn die Kinder diese wieder ausspucken können, haben in Österreich die Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und die Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde bereits 2011 gemeinsame Empfehlungen[8] herausgegeben, in denen klargestellt wird: Mit dem Zähneputzen zwei Mal täglich sollte – spielerisch – schon nach dem Durchbruch des ersten Zahns begonnen werden. Zumindest einmal täglich sollte dabei eine etwa erbsengroße Menge einer für Kinder unter sechs Jahren geeigneten Zahnpasta mit maximal 500 ppm Fluorid verwendet werden, ab dem zweiten Lebensjahr sollte man zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta die Zähne putzen.

Als systemische Fluoridprophylaxe genügt fluoridiertes Speisesalz. Eine lokale Fluoridierung ist einer systemischen grundsätzlich vorzuziehen. „Der direkte Kontakt von Fluoriden mit dem Zahnschmelz ist erwiesenermaßen wirksamer und spielt für die Kariesprävention eine sehr große Rolle“, erklärt Jablonski-Momeni3. Zu einer zusätzlichen Fluoridzufuhr durch Tabletten wird in den in Österreich gültigen Richtlinien nur in Ausnahmefällen geraten, insbesondere sei auf zusätzliche Fluoridquellen wie fluoridiertes Salz, Mineralwasser, Säuglingsnahrungsprodukte, Sojanahrung etc. zu achten.[9],[10]

 

Susanne Sametinger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Zahnstatus 2011 – Sechsjährige in Österreich, S 55 ff. (http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/5/6/8/CH1357/CMS1361282701882/zahnstatus_2011.pdf, download am 15.05.2016)

[2] ebda, S 15 ff.

[3] Anahita Jablonski-Momeni: Fluoride für die Zähne von Anfang an – aber wie? Webinar gaba, 30. September 2015.

[4] American Academy for Pediatric Dentistry (AAPD). Policy on Early Childhood Caries (ECC): Classifications, Consequences, and preventive strategies. Oral Health Policies, Reference Manual 31, 40 – 43 (2008). Zitiert in Jablonski-Momeni.

[5] Wyne A: Early childhood caries: nomenclature and case definition. Community Dent Oral Epidemiol 1999; 27: 313 – 315. Zitiert in Jablonski-Momeni.

[6] Int J Paediatr Dent. 2013 Jul;23(4):235-50. doi: 10.1111/j.1365-263X.2012.01260.x. Epub 2012 Aug 28.

A systematic review of risk factors during first year of life for early childhood caries.

Leong PM1, Gussy MG, Barrow SY, de Silva-Sanigorski A, Waters E. Zitiert in Jablonski-Momeni.

[7] Anja Treuner, Christian H. Splieth: Frühkindliche Karies – Fakten und Prävention. 17/2013 (download ZM online, am 14. Mail 2016)

[8] Karies- und Fluoridprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. Stellungnahme der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) und der Österreichischen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (ÖGK). Online publiziert am 5. November 2011.

[9] Ebda.

[10] BMG: Kariesprophylaxe mit Fluoriden. Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates, Kommission „Zahnmedizin, Prophylaxe“. 2010.

Schon während der Schwangerschaft über Mundhygiene aufklären (Foto © Fotoliga kzenon)

Schon während der Schwangerschaft über Mundhygiene aufklären (Foto © Fotolia kzenon)

Bevor das Kind nicht flüssig schreiben kann sollten die Eltern immer nachputzen (Fotos oben und unten: © Colgate)

2 x täglich Zähneputzen den Kindern von Anfang an angewöhnen (Foto © Colgate)

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