Themen

Wissenswertes für Prophylaxe-AssistentInnen erwartet Sie im Bereich Prophy-Themen.
Filtern Sie nach der gewünschten Kategorie, geben Sie Ihren individuellen Suchbegriff
ein und finden Sie so alle Artikel zum gewünschten Thema.

Diesen Artikel drucken

„Hier geht es nicht nur um Zahnprobleme, der ganze Mensch zählt“

14. Februar 2017

prophy spricht mit DDr. Sabine Wiesinger vom Zahnvorsorgeinstitut „Angel Smile“ in Wien über ihre Erfahrungen mit Patienten, die unter einer Essstörung leiden. 

Was passiert, wenn jemand mit Essstörungen zu Ihnen in die Praxis kommt? Wie gehen Sie mit der Patientin, dem Patienten, um? Was sollte das zahnärztliche Fachpersonal wissen?

Wir beginnen nicht gleich mit einer Behandlung, das wäre völlig kontraproduktiv. Zuerst geht es darum, Vertrauen aufzubauen, das braucht Zeit und viel Einfühlungsvermögen. Wir führen das Erstgespräch auch nicht im Behandlungsraum durch, sondern versuchen uns dem Thema in einer angenehmen Atmosphäre zu nähern. Die Patientin muss sich sicher und verstanden fühlen, erst dann können wir uns dem zahnmedizinischen Problem widmen.

Wie erfolgt die Anamnese? Worauf achten Sie und Ihr Team ganz besonders?

Das ist sehr schwierig zu beantworten, das Umfeld muss stimmen! Ebenso führen wir die Aufklärung zum Zahnerhalt durch. Viele Patienten wissen ja nicht, was bedingt durch ihre Krankheit mit ihren Zähnen passiert. Denn die Schäden sind anfänglich kaum sichtbar. Erst bei anhaltender, jahrelanger Krankheit kommt es zu irreversiblen Schäden. „Angel Smile“ konzentriert sich primär auf die Vorsorge und Beratung. Wir versuchen präventiv und wenn nötig langfristig zu behandeln. Die Zusammenarbeit mit dem Institut „sowhat“ wirkt sich hier äußerst positiv aus, denn die Betroffenen werden frühzeitig über mögliche Auswirkungen auf ihre Zähne hingewiesen. Dadurch bestehen gute Chancen, Folgeschäden durch rechtzeitige Maßnahmen zu begrenzen.

Welche Behandlungsmethoden werden in Ihrer Praxis angewendet und was können die Patienten zu Hause machen?

Die Behandlung ist natürlich ganz individuell auf die Patienten abgestimmt. Gut bewährt haben sich Medikamententrägerschienen. Wir machen einen Abdruck der Zähne und lassen die Schienen vom Techniker anfertigen. Damit können wir die Zahnpflegeprodukte direkt auf die Zähne auftragen. Der Vorteil liegt darin, dass das Material nicht gleich wieder durch den Speichel oder die Zunge entfernt wird und damit länger einwirken kann. Außerdem bietet die Schiene einen wirksamen Schutz vor der schädlichen Magensäure.  Durch das häufige Erbrechen stehen die Zähne praktisch unter permanentem Angriff. Zu Hause geht die Pflege natürlich weiter, d.h. wir klären über das richtige Putzen und geeignete Zahnpflegeprodukte auf.

Welche Praxis-Tipps können Sie dem zahnärztlichen Fachpersonal geben, das noch nicht so viel Erfahrung im Umgang mit Personen mit Essstörungen hat?

Das Wichtigste ist der Aufbau von Vertrauen. Wir haben fünf Jahre Erfahrung  im Umgang mit betroffenen Personen, da entwickelt man ein besonderes Gespür, ohne das eine erfolgreiche Behandlung kaum möglich wäre. Zudem hilft uns die Zusammenarbeit mit „sowhat“, weil auch wir immer wieder dazulernen und die vielen Facetten der Personen mit Essstörungen besser wahrnehmen.

Gibt es denn Wirkstoffe oder Produkte, die sich speziell für diese Patientengruppe besonders eignen?

Es gibt schmelzkonditionierende Gels und Zahnpasten. Einige Firmen arbeiten an dieser Problematik mit Nachdruck wie zum Beispiel elmex®.

Wiesinger Foto (c) privat

DDr. Sabine Wiesinger leitet die Vorsorgezahnordination „Angel Smile“. Das Institut ist spezialisiert auf prophylaktische Mundhygiene, u.a. Zahnmedizinische Prophylaxe und Behandlungen bei Essstörungen. www.angelsmile.at
F
oto (c) privat.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Zahnmedizinische Aspekte von Essstörungen

Schlagwörter: , , , ,