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Gefährliches Gespann: Parodontitis und Diabetes

22. April 2016

Zuckerkranke haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Umgekehrt kann eine schwere Parodontitis die Blutzuckereinstellung beeinflussen und die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen. Neben einer guten Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin bzw. Diabetologie und Zahnmedizin ist die Dentalhygiene ein wichtiger Baustein in der Behandlung.

Rund 600.000 Menschen in Österreich sind an Diabetes mellitus erkrankt (www.facediabetes.at). Diese auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnete Störung ist die Folge einer verminderten oder fehlenden Insulinsekretion, je nach Krankheitstyp kann auch die Wirkung des Insulins eingeschränkt sein. Rund 10 Prozent der Diabetiker leiden unter Typ-1-Diabetes, bei dem die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse – meist aufgrund einer Autoimmunreaktion – zerstört sind. Bei der Entstehung des wesentlich häufigeren Typ-2-Diabetes spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Menschen mit Typ-2-Diabetes sind oft übergewichtig, bewegen sich zu wenig, haben häufig auch einen erhöhten Blutdruck und erhöhte Blutfette. Auch Vererbung kann zur Entstehung von Diabetes beitragen. Beim Typ-2-Diabetes wird zwar Insulin produziert, es kann jedoch von den Zellen nicht mehr so gut aufgenommen werden.

Während Typ-1-Diabetiker immer Insulin spritzen oder es sich über eine Pumpe kontinuierlich zuführen müssen, können Typ-2-Diabetiker oft auch durch eine Änderung des Lebensstils und durch Tabletten eine gute Blutzuckereinstellung erreichen.

Klinische Studien zeigen, dass Parodontitis bei Diabetikern häufiger vorkommt, stärker ausgeprägt ist und schneller fortschreitet als bei Gesunden 1. Das Risiko hängt – wie auch bei allen anderen diabetischen Folgeerkrankungen – davon ab, wie gut die Betroffenen ihre glykämische Einstellung im Griff haben. Auch für die Wirkung der Therapie ist eine gute Einstellung des Blutzuckers eine Grundvoraussetzung. Diese kann wiederum durch eine schwere Parodontitis negativ beeinflusst werden: Durch die chronische Entzündung kommt es zu einer Erhöhung der Entzündungsbotenstoffe, die die Wirkung des Insulins herabsetzen können. So kann sich ein Typ-2-Diabetes erst entwickeln, verstärken beziehungsweise die Einstellung des Blutzuckers schwieriger werden.

Diabetiker mit schwerer Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko einer diabetischen Folgeerkrankung 2. Umgekehrt kann eine effektive Parodontitis-Therapie den Blutzuckerspiegel bei Typ 2 Diabetikern senken 3.

Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes empfiehlt die European Federation of Peridontology einen multidisziplinären Zugang bei der Behandlung von Diabetes-Patienten. Bei Verdacht auf Diabetes aufgrund schwerer, rezidivierender Parodontitis sollte der Patient zur Abklärung an eine allgemeinmedizinische Praxis überwiesen werden. Bei Diabetikern, die zwecks Parodontitis-Abklärung überwiesen werden, empfiehlt die EFP die Erhebung eines parodontalen Komplettbefunds. Insbesondere sollte der Patient auf den Zusammenhang zwischen der Blutzuckereinstellung und seiner Zahngesundheit aufgeklärt werden.

Lesen Sie dazu auch: „Genau schauen, Risiko, Ernährung und Blutzuckereinstellung ansprechen!“ – Interview mit der Dentalhygienikerin Petra Natter.

1 ZMK (30)1-2 2014, S. 6–16, Prof. Dr. James Deschner, Interaktionen zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen

2 Saremi, A. et al. 2005 (zitiert in: ZMK (30)1-2 2014, S. 6–16, Prof. Dr. James Deschner, Interaktionen zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen)

3 Darré, L. et al. 2005, Janket, SJ., et al. (2005) und Teeuw, WJ et al. (2010)

– alle zitiert in ZMK (30)1-2 2014, S. 6–16, Prof. Dr. James Deschner, Interaktionen zwischen Parodon- titis und systemischen Erkrankungen)

Diabtees Patient misst Blutzucker (©Fotolia, Dmitry Lobanov)

Diabetes Patient misst Blutzucker (©Fotolia, Dmitry Lobanov)

Parodontitis (© Petra Natter)

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. (Foto: © Petra Natter)

Petra Natter (Foto: ©Murer)

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