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Ganzheitliche Begleitung bei Parodontalproblemen

5. Januar 2016

Sinnvolle Ergänzung zu klassischen Maßnahmen

Karies und Parodontitis: Diese beiden Erkrankungen, die ständig unsere Zahngesundheit bedrohen, werden beide primär von Bakterien in den Zahnbelägen verursacht. Durch eine Verbesserung der Mundhygiene konnte zwar in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Abnahme der Karies erreicht werden, während Parodontitisfälle jedoch vermehrt auftreten.1 Bei der Entstehung einer Paro­dontitis handelt es sich immer auch um einen „Kampf“ zwischen den bakteriellen Angreifern und der Körperabwehr. Über den „Sieg“, und damit über die mögliche Ausbildung einer Parodontitis, entscheidet neben der Zahl und Virulenz der Angreifer auch die Leistungsfähigkeit des körpereigenen Immunsystems.

Die schulmedizinische Parodontaltherapie zielt mit den Maßnahmen der Zahnfleischtaschenreinigung, Wurzelglättung sowie dem Einsatz von Antibiotika darauf ab, die Zahl der bakteriellen Angreifer zu reduzieren. An diesen maßgeschneiderten und professionellen Mundhygienemaßnahmen führt bei parodontalen Problemen natürlich kein Weg vorbei. Und je mehr ein Patient genetisch zu parodontalen Entzündungsprozessen neigt, umso akribischer müssen diese auch durchgeführt werden. Die ganzheitliche Parodontaltherapie sieht ihre Aufgabe hingegen in der ergänzenden Begleitung dieser schulmedizinischen Maßnahmen. Karies und Parodontitis: Diese beiden Erkrankungen, die ständig unsere Zahngesundheit bedrohen, werden beide primär von Bakterien in den Zahnbelägen verursacht. Durch eine Verbesserung der Mundhygiene konnte zwar in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Abnahme der Karies erreicht werden, während Parodontitisfälle jedoch vermehrt auftreten.1 Bei der Entstehung einer Paro­dontitis handelt es sich immer auch um einen „Kampf“ zwischen den bakteriellen Angreifern und der Körperabwehr. Über den „Sieg“, und damit über die mögliche Ausbildung einer Parodontitis, entscheidet neben der Zahl und Virulenz der Angreifer auch die Leistungsfähigkeit des körpereigenen Immunsystems.

Eine Begleitung von Parodontalpatienten auf der ganzheitlichen Ebene kann den Verlauf einer Paro­dontalerkrankung positiv beeinflussen. Die Aufgaben der Komplementärmedizin sind dabei die Stärkung des Zahnhalteapparates, insbesondere des Bindegewebes, sanfte Desinfektion und die Regulierung von Entzündungsreaktionen. In der Folge sind hier einige Maßnahmen angeführt, die sich in meiner langjährigen Praxis und aus der Erfahrung meiner spezifischen Ausbildung auf diesem Gebiet als empfehlenswert erwiesen haben.

Anwendung von Speisesoda oder Basenpulver bei entzündlich vorgeschädigter Mundschleimhaut:

Manche Patienten vertragen Zahnpasten oder Mund­spülungen schlecht – meist wegen Überempfindlichkeiten oder geschädigten Schleimhäuten. Eine gute Alternative ist das Putzen mit Speisesoda (Natriumbicarbonat). Speisesoda ist basisch und wirkt dadurch entzündungshemmend. Es hat ausreichende Putzwirkung, ist aber nicht abrasiv und hat einen guten Massageeffekt auf das Zahnfleisch. Einfach die nasse Bürste in das Pulver eintauchen und putzen. Nachhaltiger wirken die Einnahme von Basenpulver und eine Ernährungsumstellung auf basische Lebensmittel zur Entsäuerung des gesamten Organismus.

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Zur Desinfektion geeignete Spülungen bei ­entzündlichen Prozessen, Aphten oder Pilzbefall:

Aus ganzheitlicher Sicht sind entzündungshemmende Spülungen nur kurzfristig nach Operationen zu empfehlen.­ Durch einen Einsatz milder, ätherischer Öle kann man aber auch bei parodontalen Problemen die schädlichen Keime reduzieren, während die normale Mundflora ­erhalten bleibt:

  • Grapefruitkernextrakt, 5 Tropfen auf einen Schluck Wasser zum Gurgeln
  • Teebaumölprodukte funktionieren auch gut, sind allerdings geschmacklich gewöhnungsbedürftig; alternativ kann auch die Mixtura thymi (Zimtöl, Thymianöl, Teebaumöl und Mandelöl – wird in Apotheken zubereitet) verwendet werden.
  • Salbeitee wirkt bei Wunden und nach Operationen desinfizierend.
  • Calendulatinktur hat eine beruhigende und heilende Wirkung auf das Zahnfleisch.

Hinweis!

Eine rezidivierende Besiedelung des Mundraumes mit pathogenen Keimen ist häufig mit einer Darmdysbiose vergesellschaftet. Deshalb sollte in diesen Fällen nach Möglichkeit eine Darmsanierung erfolgen! Dabei wird der Darm mittels Einsatz von Leinsamen oder Glaubersalz gereinigt und die Darmflora durch eine kurmäßige Zufuhr von natürlichen Erstbesiedlungskeimen wie Milchsäurebakterien oder Bifidusarten neu besiedelt werden (z.B. Bioflorin®). Ergänzend empfiehlt sich eine Wiederherstellung der Funktionalität der Darmwand mittels Omega 3-Fettsäuren (z.B. Lachsölkapseln 2×1000 mg täglich zum Essen) oder der Aminosäure L-Glutamin (2x500mg mindestens 10 Minuten vor dem Essen).

Einsatz von Homöopathie bei unterschiedlichen Beschwerdebildern:

Homöopathika können bei ganz unterschiedlichen Paro­dontalproblemen eingesetzt werden. Hier eine Auswahl praxiserprobter Wirkstoffe für unterschiedliche ­Situationen:

  • Arnika D2 Globuli > bei Verletzungen und blutendem Zahnfleisch: 2×5 Globuli täglich
  • Thuja D30 Globuli > bei Wucherungen: 2×5 Globuli pro Woche
  • Lachesis D30 Globuli > bei dunkelrotem oder lividem Zahnfleisch: 2×5 Globuli pro Woche
  • Mercurius D12 Globuli > bei übermäßiger Plaque oder übelriechenden Ulcera: 2×5 Globuli pro Tag
  • Kreosot D12 Globuli > bei blassem, zerfallendem Zahnfleisch und Geschwüren: 2×5 Globuli pro Tag
  • Equisetum D2 Gobuli > zur Straffung des Zahn­fleisches bei aufgequollenem Zahnfleisch oder Rezessionen: 2×5 Globuli pro Tag; alternativ auch Silicium D6 Tabletten (= Schüsslersalz Nr. 11): 2×2 Tabletten pro Tag

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Substitutionstherapien bei Knochenabbau:

Zentrale Bestandteile des Bindegewebes extern zuzuführen, kann das Fortschreiten des Knochenabbaus zwar einbremsen, jedoch nicht einen generalisierten Wiederaufbau erzielen. Deshalb sollten die unten näher beschriebenen Maßnahmen bereits zu einem möglichst frühen Zeitpunkt angewendet werden.

Kalzium und Vitamin D
Standarddosierung 2x1g Kalzium und 5000 I.E. Vit.D tgl.;
Kalzium ist eines der wichtigsten Baumaterialien für unsere Knochen und auch Zähne. 99% des gesamten Kalziums in unserem Körper befindet sich in diesen Hartgeweben. Der Kombinationspartner Vitamin D wiederum wird zur Verbesserung der Resorption von Kalzium benötigt.

Zink und Vitamin C

Empfohlene Dosierung: Abends 1 Kapsel Zinkpicolinat oder Zinkcitrat (enthält 7mg Zink) und morgens 1 Kapsel­ Acerola Flavonoide (besonders gut verträgliches natürliches Vitamin C). Diese Kombination dient der Neubildung von Kollagen (= Vorstufe neuer Knochensubstanz). Gleichzeitig wird die Nebennierentätigkeit aktiviert, wodurch Patienten stressresistenter werden. Das wieder­um hat vorteilhafte Effekte bei gleichzeitig bestehendem Bruxismus (unbewusstes, meist nächtliches Zähne­knirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne).

Magnesium und Vitamin B
Empfohlene Dosierung: 2x täglich 1 Kapsel Magnesium­citrat plus 1x täglich 1 Kapsel Vitamin B-Komplex (ausgewogene Mischung unterschiedlicher Vitamin B-Fraktionen – in Apotheken erhältlich). Wirkt nervenstärkend und kann bei bestehendem Bruxismus eingesetzt werden.

Diese Präparatkombinationen sollten etwa 4-6 Wochen eingenommen werden und können untereinander auch gewechselt werden.

Homöopathische Zubereitungen bei ­Resorptionsstörungen

Homöopathische Zubereitungen eignen sich vor allem für Patienten mit Resorptionsstörungen. Solche  Störungen sind daran zu erkennen, dass die Patienten Mineral­stoffe – z.B. in Form von Nahrungsergänzungsmitteln – oft schon über einen längeren Zeitraum regelmäßig einnehmen, der Laborbefund aber immer noch einen Mangel ausweist.

  • Calcium phosphoricum D6 (Nr. 2) / 2×2 Tabletten ­täglich
  • Magnesium phosphoricum D6 (Nr. 7) / 2×2 Tabletten täglich
  • Silicium D6 (Nr. 11) / 2×2 Tabletten täglich
  • Zincum chloratum D6 (Nr. 21) / 2×2 Tabletten täglich

Einsatz erfolgt nach Laborbefund oder Biotest, wenn man alle einnimmt, überschreitet man eventuell die Toleranzschwelle für Milchzucker (Schüssler-Salze gibt es nur auf Milchzuckerbasis).

Hinweis!

Bei der Einnahme von Homöopathika ist immer ein zeitlicher Abstand zur Nahrungsaufnahme einzuhalten: 10 Minuten davor oder 1 Stunde danach. Dieser Abstand reicht auch bei Anwendung ätherischer Öle, z.B. pfefferminzhaltiger Zahnpasten.

Anwendung lokaler Therapien

Durch ihre unmittelbare und gezielte Wirkung ist der Einsatz lokal anzuwendender Substanzen vor allem dann vorteilhaft, wenn ein besonders schneller oder punktueller Effekt erwünscht ist.

Folsäure-Tropfen
2×5 Tropfen täglich als lokale Anwendung (direkt aufs Zahnfleisch) stärkt die Widerstandsfähigkeit des Epithels und unterstützt die Schleimhautregeneration.

Coenzym Q10-Spray
Coenzym Q10 energetisiert das Zahnfleisch und ist daher besonders bei lividem Zahnfleisch zu empfehlen, hilft aber auch bei Aphten unterschiedlicher Genese. Anwendung: am besten 4 Sprühstöße nach jedem Putzvorgang.

Vitamin A
1x täglich 10.000 I.E. in Kapselform (ggf. Kapseln öffnen) einnehmen und den Inhalt möglichst lange im Mund behalten (der nicht aufgelöste und nicht resorbierte Rest kann dann im Anschluss geschluckt werden).

Zusammenfassung

Ganzheitsmedizin versucht immer, die Regenerationsfähigkeit des Körpers zu stärken, macht ihn widerstandsfähiger und kann beginnende Schäden reparieren. Mit diesen Maßnahmen steht ein Überblick zur Verfügung, wie mit gezieltem Einsatz ganzheitlicher Maßnahmen das Parodont unterstützt werden kann, um möglichst lange gesund zu bleiben.

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