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Erosionen: Steter Tropfen höhlt den Zahn

By: | Tags: , , , , , , , , , | Comments: 0 | Juli 14th, 2020

Der regelmäßige Konsum saurer Lebensmittel und vor allem säurehaltiger Getränke bleibt nicht ohne Folgen für die Zähne. Erosionen werden in der Bevölkerung immer häufiger und gravierender. Mechanische Einflüsse wie das Zähneputzen können sie noch verstärken. Regelmäßig sind Erosionen auch die Ursache empfindlicher Zahnhälse.

Die Daten der letzten repräsentativen Untersuchung in der deutschen Bevölkerung aus dem Jahr 2014 (DMS V-Studie, veröffentlicht 2016) zeigen folgendes Ergebnis: Die Erkrankung Erosionen hat im Zeitverlauf stark zugenommen und sie wurde damit zu einem wichtigen Thema für das zahnärztliche Team und seine Patientinnen.

Schon im Milchgebiss kann es zu Erosionen kommen. Professor Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke erklärt: „Dass bereits Kinder an Erosionen leiden, ist an sich nicht dramatisch. Jedoch – wenn wir Erosionen im Milchgebiss sehen, hat das Kind ein erheblich erhöhtes Risiko auch im Erwachsenengebiss Erosionen zu bekommen. Frau Professor Ganss von der Universität Giessen hat herausgefunden, dass hierbei ein dreifach erhöhtes Risiko besteht.“ Es lohnt sich also unbedingt, bei Kindern den Ursachen von Erosionen auf die Spur zu gehen und entgegenzusteuern.

Die Ursachen von Erosionen

Bei Erosionen wird zwischen extrinsischen Ursachen wie Säuren in Lebensmitteln und Getränken und intrinsischen Faktoren durch Reflux und Essstörungen unterschieden.Extrinsische Faktoren machen den Großteil der klinisch relevanten Fälle aus. Sie können überall in der Mundhöhle und an jeder Zahnfläche vorkommen.

Erosionen treten selten in Reinform auf. Normalerweise sind sie kombiniert mit Abrasionen wie zum Beispiel durch die Verwendung der Zahnbürste und Zahnpasta entstehen. Oder durch Demastikation, den Abrieb durch die Nahrungsaufnahme oder durch Attrition, das bedeutet durch den Substanzverlust durch direkten Zahnkontakt, zum Beispiel durch Bruxismus, also das Zähneknirschen.

Der Obst- und Gemüsekonsum nimmt tendenziell ab. (13. Ernährungsbericht DGE 2017). Allerdings steigt der Pro-Kopf-Verbrauch von Getränken. Zahlen aus Deutschland zeigen, dass der Genuss von Limonaden und Erfrischungsgetränken von 37 auf 95 Liter (Vergleich 1975 und 2019) gestiegen ist. Fruchtsäfte und Fruchtsaftgetränke liegen bei 41,5 Liter (2019), Wasser mit Aromen – und häufig auch Zucker – werden mit 6,1 Liter beziffert. Der Konsum von angereicherten Getränken und Energy-Drinks liegt bei 6,2 Litern. Mineralwasser macht übrigens keine Erosionen. Die Kohlensäure zerfällt im Mund sehr schnell und wird abgeatmet.

Auch das Trinkverhalten hat sich geändert. Das Trinken aus Ventilflaschen führt zu mehr Erosionen, weil die Zähne länger „umspült“ werden. Die wichtigste Empfehlung von Prof. Zimmer dazu: „Am besten aus dem Glas und in großen Schlucken trinken. Dann fällt der pH-Wert nicht so rasch ab.“ Der pH-Wert alleine gibt nur eine unzureichende Auskunft darüber wie erosiv ein Getränk ist. Ein weiterer Faktor ist die titrierbare Säure, also die Menge an Base, die einer Säure zugeben werden muss, damit ein neutraler pH Wert von 7 erreicht wird.

Ein weiterer Parameter ist neben dem pH-Wert und der titrierbaren Säure des Getränkes die Art der Säure. Ein sogenannter Chelatbildner kann Kalzium aus der Mundhöhle, dem Speichel entziehen und damit fehlt das Kalzium im Lösungsgleichgewicht: Dadurch wird weiteres Kalzium dem Zahn entzogen. Ein Beispiel für eine Säure, die Kalzium chelieren kann, ist die alkoholfreien Getränken häufig zugesetzte Zitronensäure. Auch der Kalzium- und Phosphatgehalt kann das Lösungsgleichgewicht beeinflussen. Die Fließrate und die Zusammensetzung und Pufferqualität des Speichels sind weitere beeinflussende Faktoren.

Mit dem Basic Erosive Wear Examination (BEWE Index) wird das Risiko von Zahnersionen auf einer Skala von 0-3 eruiert. Kein Zahnschmelzverlust bedeutet 0, beginnender Verlust von Oberflächenstruktur 1, eine deutliche Schädigung und Zahnschmelzverlust von weniger als 50 Prozent 2, mehr als 50 Prozent heißt 3. Betrachtet werden die Sextanten.

Prävention und Therapie

Erosionen können zu beträchtlichen Zahnhartverlusten führen. Doch auch Beschwerden wie Dentinhypersensibilität, also dieser kurze, scharfe Zahnschmerz, sind Folgen von Erosionen. Dentinhypersensibilität geht von exponiertem Dentin aus, sie ist praktisch die Antwort auf externe Stimuli und kann keinem anderen Zahndefekt oder einer Zahnerkrankung zugeordnet werden. Das freigelegte Dentin enthält Dentintubuli, also sehr feine Kanälchen, die in Verbindung mit der Pulpa stehen. In der Pulpa befinden sich dentinbildende Zellen, die mit ihren Fortsätzen, in die Dentiltubuli hineinreichen. Diese Odontoblastenfortsätze sind eng mit den so genannten c-Nervenfasern assoziiert. C-fasern haben eine hohe Leitungsgeschwindigkeit und vermitteln den schnell einschießenden „spitzen“ Schmerz. Die Dentintubuli enthalten den so genannten Dentinliquor. Liegt Dentin frei, dann kann sich diese Flüssigkeit durch das Einwirken externer Reize in den Dentintubuli bewegen. Das heißt, wenn die Tubuli nach außen offen sind, ist gleichsam die Tür geöffnet, die Schmerzen verursachen kann. Stimuli sind zu 75 Prozent thermisch (z.B. Eis essen), 25 Prozent werden taktilen (z.B. Zahnbürste) und 16 Prozent osmotischen (z.B. süß) Reizen zugeordnet.

Prävention von Erosionen in der Ernährung

Professor Zimmer spricht sich gegen eine generelle Verteufelung von sauren Lebensmitteln und Getränken aus, denn diese sind schließlich oft auch besonders gesund. Schlecht sind saure Bonbons, besser ist auf zahnfreundliche Produkte achten.

„Mit dem Zähneputzen nach dem Konsum saurer Lebensmittel und Getränke zu warten bringt im Übrigen nichts. Dazu gibt es keine Evidenz“, bekräftigt Prof. Zimmer. Ratsam ist immer die Putztechnik zu kontrollieren, insbesondere Schrubben zu vermeiden und den Bürstendruck zu prüfen. Zu empfehlen ist eine Zahnpasta mit geringer Abrasivität und ausgewiesenem Erosionsschutz. Mit der richtigen Zahnpasta kann die Schmerzleitung unterbrochen werden, sie legt sich wie ein schützender Deckel über die offenen Dentintubuli. Eine Laborstudie der Zahnpasta der Zahnpasta elmex® Zahnschmelz Professional™ mit neuer Formel, zeigt untenstehende Wirkung.

Definition Erosionen:

  • Erosionen sind pathologische, chronische Verluste an Zahnhartsubstanzen durch Säuren oder Chelatoren* ohne die Beteiligung von Mikroorganismen.
  • Erosionen sind von der WHO als ICD11 (International Classification of Diseases, 11th Revision) als Krankheit klassifiziert.

Chemische Faktoren – *Chelatoren

Chelatoren sind Substanzen mit zwei oder mehr Bindungsstellen, die bestimmte Ionen wie z. B. Kalziumionen binden und mit diesen sehr stabile Komplexe bilden.

Chelatbildungseigenschaften sind an sich von untergeordneter Bedeutung. Doch da Säuren gleichzeitig auch Chelatoren sein und mit Kalzium Komplexe bilden können, gewinnen sie an Bedeutung, denn sie verstärken die zerstörerische Auswirkung der Säuren.

Ein Beispiel für eine Säure, die Kalzium chelieren kann, ist die alkoholfreien Getränken häufig zugesetzte Zitronensäure (C6H8O7). Für die Neutralisation solcher Säuren werden mehr Mineralien (aus Speichel, oder aus der Zahnsubstanz herausgelöst) benötigt als für einfache Säuren (wie z. B. HCI). Dadurch verstärkt sich der Demineralisierungs- und Erosionsprozess.

Zitronensäure kann Komplexe mit Kalziumionen bilden. Ein Beispiel für einen der wichtigsten dieser Komplexe ist tri-Calciumdicitrat-Tetrahydrat (Ca3C12H10O14*4H2O). Aus Vereinfachungsgründen sind H-Atome und H2O in der Grafik nicht dargestellt.

Zitronensäure wird häufig als Lebensmittelzusatz-, Geschmacks- und Konservierungsstoff eingesetzt. Sie ist ein häufiger Bestandteil säurehaltiger Getränke, wird aber auch Fleischwaren und Teigen zugesetzt.

Erosionen im Milchgebiss

(c) Zimmer

Erosionen mit Demastikation

(c) Zimmer

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