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Der „wehleidige“ Zahn

By: | Tags: , , , , , , , , , , , | Comments: 0 | März 5th, 2009

Behandlungsstrategien bei schmerzempfindlichen Zähnen.

Auch saure Begegnungen entpuppen sich häufig als „Auweh-Beziehung“, und so eine permanente „Schrubbung“ mit der angeblich so guten harten Zahnbürste ist dann wirklich die Härte für empfindliche Zähne.


Es kann verschiedene Ursachen haben, warum unsere Zähne empfindlich sind:

  • thermische Reize (kalt und heiß)
  • chemische Reize (saure Speisen)
  • mechanische Reize (Zahnbürsten, Wurzelglättung)

Sensible Zähne sind auch ein häufiges Problem bei Patienten mit Gingivarezessionen oder Abrasionen. Nach einer Parodontaltherapie klagen die Patienten vermehrt über überempfindliche Zähne bzw. Zahnhälse. Beim Debridment werden nämlich allzu oft nicht nur Zahnstein und Zahnbelag von der Wurzelfläche entfernt, sondern leider meist auch Wurzelzement und oberflächliches Dentin. Die dann freiliegenden Dentinkanälchen (Tubuli) reagieren in Folge auf diverse Reize sehr empfindlich. Auch wenn die Gründe  hierfür weitgehend unbekannt sind, wissen wir, dass die von außen kommenden Reize zu Flüssigkeitsbewegungen in den freiliegenden Tubuli führen und in einer, für den Patienten schmerzhaften Art und Weise die Nervenfasern aktivieren. Die Dauer und Intensität der Beschwerden variieren. Oft treten sie unmittelbar nach einer Behandlung akut auf, klingen aber im Normalfall wieder nach einigen Tagen ab, wenn die freiliegenden Dentinkanälchen wieder verschlossen sind. Bleiben jedoch vereinzelte Dentinkanälchen offen, können die Beschwerden chronisch werden. Im Extremfall verursacht schon der geringste Kontakt zwischen externem Reiz und dem Wurzeldentin starke Schmerzen. Dies wiederum beeinträchtigt die optimale Zahnhygiene, da Patienten dazu neigen an den schmerzenden Stellen nicht oder nur mangelhaft zu reinigen.

Weitere Faktoren, die für sensible Zähne verantwortlich gemacht werden, sind saure Lebensmittel, Fruchtsäfte, Joghurt und Wein. Durch den hohen Säuregehalt wird das Dentin beschädigt und die Tubuli öffnen sich bzw. deren Schließung (z.B. nach einer Therapie) wird behindert. Das Behandlungskonzept sollte das Führen eines Ernährungsprotokolls durch den Patienten, und die genaue Nachbesprechung und Information durch die Prophylaxe-Assistentin beinhalten. Eine Nachbesprechung ist für den Patienten mit sensiblen Zähnen besonders wichtig, denn die meisten Patienten wissen oft nicht, wie sie Säureangriffe vermeiden können.

Zu einer wirksamen Behandlung von überempfindlichem Wurzeldentin gehört natürlich auch das konsequente Beseitigen von Zahnbelägen. Klinische Tests haben gezeigt, dass eine effiziente Zahnhygiene die Entwicklung von glatten harten Wurzeloberflächen – die nicht empfindlich sein können, da keine offenen Dentinkanälchen vorhanden sind – fördert. Auch darüber muss der Patient von seiner Prophylaxe-Assistentin aufgeklärt und für die Durchführung eines geeigneten und effektiven Hygienemanagements motiviert werden. Patienten, die akut an überempfindlichen Zähnen leiden, ist es oft nicht möglich, die Plaque konsequent zu beseitigen. Daher ist eine gezielte Behandlung mittels chemischer Substanzen erforderlich, damit der Schmerz so schnell wie möglich abklingt. Damit können Sie den Patienten von seinen Schmerzen befreien, und er ist wieder in der Lage, seine Plaque konsequent zu beseitigen. In den letzten Jahren wurden verschiedene Mittel gegen sensible Zahnhälse entwickelt; einerseits für den häuslichen Gebrauch andererseits auch für die professionelle Anwendung in der Zahnarztpraxis durch Zahnarzt oder Prophylaxe-Assistentin. Die in diversen Produkten (z.B. elmex® SENSITIVE) enthaltenen chemischen Stoffe haben die Eigenschaft, die offenen Tubuli zu verschließen, sodass schnelle Flüssigkeitsbewegungen in den Kanälchen unterbunden werden.

Substanzen, die bei empfindlichen Zähnen erfolgreich eingesetzt werden:

  • Aminfluorid
  • Natriumfluorid
  • Natriummonofluorophosphat
  • Calciumhypophosphat
  • Calciumhydroxid
  • Kaliumnitrat
  • Kaliumoxalat
  • Zinnfluorid

Für die Dentalhygiene zu Hause ist es in erster Linie wichtig, den Patienten auf eine geeignete Putztechnik mit einer weichen Zahnbürste (z.B. von meridol®) umzustellen und dahingehend neu zu instruieren. Die Empfehlung von Zahnpasten mit niedrigem RDA-Wert (um die 30) und Inhaltsstoffen, welche die Tubuli verschließen, steht im Vordergrund. Weiters kann der Patient auch mit der dazu passenden Mundspülung die neue Zahnpaste bei „ihrer Arbeit“ unterstützen.

Vor allem Produkte mit dem Inhaltstoff Aminfluorid Olaflur (z.B.: elmex®  SENSITIVE) wirken den drei Hauptproblemen, die mit freiliegenden Zahnhälsen  bzw. freiliegenden Dentintubuli einhergehen, effizient entgegen:

  • Dentin-Hypersensibilität
  • Zahn- und Wurzelkaries
  • Abrasion

Für den Gebrauch in der zahnärztlichen Praxis eignen sich zusätzlich Produkte, die direkt auf den Zahn aufgetragen werden können z.B.:

  • Natriumfluorid-Lacke (Duraphat)
  • KaliumOxalat (Superseal)
  • Natriumhydroxid

Kolleginnen verwenden des Öfteren auch Gluma®, Cervitec® oder Seal&Protect®. Bei einer Empfehlung von Tooth-Mousse® für den häuslichen Gebrauch sollte man auf alle Fälle darauf achten, ob beim Patient eine Lactose- Unverträglichkeit besteht, da Tooth-Mousse® auf Kasein-Phosphopepeptid-Basis (= lactosehältig) ist. Es sei noch zu guter Letzt gesagt, dass es kein Allheilmittel gibt, das immer gleich funktioniert. Jeder Zahn spricht nicht auf das gleiche „Produkt“ gleich an und wird sofort „geheilt“ sein. Der Zahn ist nicht nur wehleidig, sondern auch sensibel. Deshalb sollte man mit Behutsamkeit an den Zahn „rangehen“, dann wird er auch mit Sicherheit bald wieder „heil“ sein.

 

Autorin:
Barbara Bergmann
Prophylaxe-Assistentin in Wien