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Der HIV-positive Patient in der zahnärztlichen Ordination

10. Januar 2014

Wie schütze ich mich? Wie begegne ich diesem Patienten? Wie kann ich es vermeiden, dass gerade ich ihn behandeln (Prophylaxe-Assistentin) bzw. bei ihm assistieren (Assistentin) muss? Diese Fragen schwirren in den Köpfen der Teammitglieder herum. Information und Kommunikation zu diesem heiklen Thema HIV/AIDS ist daher ein enorm wichtiger Schritt, um das gesamte Team vor einer Infektion zu schützen und trotzdem eine optimale Behandlung für den Patienten zu garantieren.

Es sind nun mehr als drei Jahrzehnte vergangen seit der Identifikation des Krankheitsbilds AIDS und dessen komplexen Retrovirus-HIV. Trotz intensiver Bemühungen ist eine Heilung der Erkrankung zum jetzigen Zeitpunkt noch unmöglich und eine prophylaktische Schutzimpfung nicht realisierbar.

Dennoch konnte die Forschung bemerkenswerte Erfolge erzielen. Mittlerweile kann die, untherapiert meist letal verlaufende, Entwicklung der Immunsuppression dank der medikamentösen Therapie soweit gehemmt werden, dass HIV als eine lebenslange chronische Erkrankung bezeichnet werden kann.

Neues Denken ist gefragt

Manchmal ergibt sich ein belastendes Spannungsfeld zwischen Patienten und dem Team, welches auf die Umstände zurückzuführen ist, dass trotz der enormen Erfolge auf medizinischer Ebene das Leben HIV-positiver Menschen massiv vom Umgang der Gesellschaft mit der Erkrankung beeinträchtigt wird; welcher noch immer von Ängsten, Ausgrenzung und Diskriminierung geprägt ist.

Negative und stark belastende Erfahrungen in ihrem Lebensumfeld führen häufig dazu, dass HIV-positive Menschen ihre Infektion bewusst verschweigen, um taktloses und diskriminierendes Verhalten zu minimieren. Dies trifft auf das gesamte soziale Umfeld zu und somit auch auf das zahnärztliche Behandlungsteam, da es nicht direkt in die individuelle Therapie der HIV-Infektion involviert ist. Die Erkrankung wird vorschnell mit gesellschaftlichen Randgruppen in Verbindung gebracht und ruft Konflikte mit vermeintlichen Moralvorstellungen hervor. Weiters bestehen individuelle Ängste über eine mögliche Ansteckung und dem eventuellen Gefahrenpotenzial für die eigene Gesundheit.

HIV und Zahnmedizin

Unsicherheiten im Umgang mit HIV-positiven Patienten betreffen meist das gesamte Team. Bei Ärzten, Praxismanagement, Assistentin, Prophylaxe-Assistentin und auch den Besuchern der Ordination soweit die Erkrankung für diese Gruppe ersichtlich sein kann. Dabei werden leider häufig zwei Aspekte übersehen: Zum einen, dass eher geringe Ansteckungsrisiko im Bereich der Zahnmedizin und zum anderen ein nahezu nicht existentes Gefahrenpotenzial für alle Mitarbeiter und Patienten in der Praxis, die keinen direkten Kontakt zu HIV positiven Patienten haben.

Bereits seit dem Bekanntwerden von HIV/AIDS werden orale Erkrankungen bei HIV-positiven Patienten beschrieben. Klinisch gesehen, sind diese oralen Erkrankungen häufig erste Anzeichen für AIDS und dürfen daher nicht übersehen bzw. unterschätzt werden. Studien weisen übrigens eine signifikant geringere mundgesundheitsbezogene Lebensqualität bei Menschen mit HIV/AIDS aus.

Übertragung in der zahnmedizinischen Praxis

Generell erfolgt die HIV-Übertragung ausschließlich durch direkten Blutkontakt, ungeschützten Geschlechtsverkehr oder von Mutter zu Kind in der Schwangerschaft. Laut Berechnungen aus dem Jahr 1992 ist die Infektionswahrscheinlichkeit in Zahnarztpraxen signifikant gesunken und dies verdanken wir den unumstrittenen Therapieerfolgen, welche die Viruslast der Patienten unter die Nachweisgrenze senken.

Bei Patienten mit gutem Therapieerfolg wären mindestens 2 Milliliter Blut notwendig, um eine ausreichende Menge HI-Viren für eine Übertragung zu gewährleisten. Dies ist eine Menge, dessen unbeabsichtigte Infektion im Rahmen zahnmedizinischer Eingriffe wohl eher ausgeschlossen werden kann! Die hygienischen Mindeststandards und das Tragen persönlicher Schutzausrüstung (besonders Handschuhe) stellen im Normalfall daher einen ausreichenden Schutz vor einer HIV-Übertragung dar.

Ein direkter Kontakt mit Blut von HIV-Patienten ist aber auf jeden Fall zu vermeiden, unabhängig von einer bekannten oder unbekannten vorliegenden Infektion. Seit Beginn der Epidemie wurde von der ADA (American Dental Association) bei Zahnärzten und deren Mitarbeitern kein einziger Fall von einer HIV-Infektion durch Patienten verzeichnet. Mitarbeiter in der Praxis sind somit kaum einem Infektionsrisiko ausgesetzt, sofern die allgemein vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Spezifische Aspekte in der Zahnmedizin

Zahnärzten und deren Prophylaxeteams kommt in Bezug auf HIV eine wichtige Rolle zu, da sie eine der wenigen betreuenden Gruppe sind, bei denen Patienten regelmäßig vorstellig werden. Zirka 50 Prozent der HIV-positiven Patienten und bis zu 80 Prozent der Patienten mit ausgebrochener AIDS-Infektion weisen HIV-bedingte Veränderungen und Erkrankungen im Mund- und Rachenraum auf.

HIV-positive Menschen leiden häufiger an einer nekrotisierenden Gingivitis bzw. Parodontitis. Der Entzündungsprozess verläuft bei immunsupprimierten Patienten meist rasanter und schwerwiegender. Dies erfordert sowohl eine sofortige Behandlung als auch einen kontinuierlichen Recall. Ebenfalls bei HIV-positiven Patienten häufiger und vor allem signifikant bei hoher Viruslast assoziiert ist erythematöse Candidiasis. In diesem Fall sollten auch die, die HIV-Infektion behandelnden Ärzte informiert werden. Aphthen der Mundschleimhaut sind ebenfalls nicht selten und können bei stark eingeschränkter Immunabwehr größere und schmerzhafte Formen annehmen.

Eine übersichtliche Klassifikation HIV-bedingter oraler Erkrankungen finden sich übrigens unter www.hivbuch.de. Diese Beispiele oraler Erkrankungen zeigen, dass  Zahnärzten eine wichtige Bedeutung in der langfristigen Beobachtung eines Infektionsverlaufs zukommt. Bei Personen, deren HIV-Status nicht bekannt ist, kann das Erkennen von spezifischen Erkrankungen ein deutlicher Hinweis auf eine vorliegende bzw. schon weit fortgeschrittene HIV-Infektion sein.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend muss also bemerkt werden, dass eine offene und professionelle Basis in der Beziehung zwischen HIV-positiven Patienten, Zahnärzten und dem gesamten Ordinationsteam für beide Seiten von Vorteil ist. Es besteht die weitgehende Sicherheit für eine risikofreie Betreuung von HIV-Patienten. Für Menschen mit HIV/AIDS kann eine regelmäßige zahnmedizinische Untersuchung zusätzliche Ansätze für die langfristige Erhaltung der eigenen Gesundheit und damit bestmöglicher Lebensqualität bieten.

• Alltagsüblicher Umgang mit HIV-positiven Menschen kann NICHT zu einer Infektion führen.
• Kontakt mit Speichel, Tränen, Schweiß, Harn und Stuhl ist NICHT gefährlich.
• HIV kann in der Regel nicht als Tröpfcheninfektion übertragen werden, da die Viruskonzentration meist zu gering ist.
• HIV kann NICHT als Schmierinfektion über Gegenstände wie z. B. Mobiliar, Broschüren/ und gemeinsame Nutzung von Sanitäranlagen übertragen werden.

Persönlicher Input

Meinen HIV/AIDS-Patienten blieb prinzipiell der letzte Termin des Tages vorbehalten. Somit konnte ich nach der Behandlung eines HIV/AIDS-Patienten ein 100%-iges Desinfektionsprogramm an der gesamten Einheit durchführen.
Ich benutzte zwei Paar Handschuhe übereinander für einen besseren Schutz, sollte ich mit dem Scaler/Cürette ausrutschen und mich verletzen.
Instrumente, mit denen HIV-Patienten behandelt wurden, bleiben über Nacht in der Desinfektionslösung liegen, werden sorgfältig gereinigt und danach sterilisiert. WICHTIG! Blutbehaftete Instrumente werden durch den Sterilisationsvorgang nicht steril! Das Sterilisationsgut muss vorher frei von Blut sein.
Hygiene ist immer das oberste Gebot in der Praxis, denn jeder Patient der bei euch am Behandlungsstuhl Platz nimmt, könnte Virusträger sein ohne es zu wissen.

 

Autorin
Barbara Bergmann
Prophylaxeassistentin in Wien

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