Themen

Wissenswertes für Prophylaxe-AssistentInnen erwartet Sie im Bereich Prophy-Themen.
Filtern Sie nach der gewünschten Kategorie, geben Sie Ihren individuellen Suchbegriff
ein und finden Sie so alle Artikel zum gewünschten Thema.

Diesen Artikel drucken

Dentinhypersensibilität: „Schmerz ist subjektiv und schwer zu messen“

14. April 2020

Bei der Zahnreinigung sind die Zähne so empfindlich, dass eine gründliche Reinigung kaum möglich ist. Nach der Parodontitistherapie sind die Zähne stark kälteempfindlich, der Patient kann sein Eis aufgrund Überempfindlichkeit nicht genießen. Patienten mit solchen und ähnlichen Beschwerden kennen wir alle aus der Praxis. Wie gehen wir hier am besten vor? Sollte jeder Patient auf eine mögliche Dentinhypersensibilität hin untersucht werden, um möglichst rechtzeitig therapeutisch zu intervenieren?

Diagnose

Ist eine Dentinhypersensibilität vorhanden, sollte die Therapie einem Stufenkonzept folgen, angefangen von der Beseitigung prädisponierender Faktoren und Optimierung häuslicher Maßnahmen bis hin zur Rekonstruktion des Hart- und/oder Weichgewebes und als Ultima Ratio zur Pulpotomie. Das Ziel lautet, so effektiv und minimal invasiv wie möglich die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Doch wie kommt es überhaupt zu der Diagnose Dentinhypersensibilität?

 

Die Fachärztin für Parodontologie, Dr. Sonja Sälzer von der Universität Schleswig-Holstein, meint: „In der Literatur wird eine Prävalenz zwischen 3-98 Prozent angegeben. Diese unterschiedlichen Zahlen beruhen zum einen auf unterschiedlichen diagnostischen Kriterien und zum anderen auf unterschiedlichen Patientengruppen.  Eine Studie bei der 3.000 Menschen befragt wurden, zeigt, dass 28 Prozent von Patienten mit Überempfindlichkeit stark bis sehr stark in der Lebensqualität beeinträchtigt sind.“

Dr. Sälzer führt aus: „Schmerz ist subjektiv und schwer zu messen. Es gibt eine individuelle Schmerzwahrnehmung und Schmerztoleranz. Dabei spielen emotionale und physische Faktoren eine Rolle. Und es besteht ein Unterschied zwischen der Selbstdiagnose und der klinischen Beurteilung. In jedem Fall ist der Zeitpunkt der Prophylaxe ideal um darauf einzugehen und den Patienten darauf anzusprechen.“

In der Konsensuskonferenz im Jahr 2015, an der führende Zahnmediziner teilnahmen, wurde u.a. ein Leitfaden für die Diagnostik von Dentinhypersensibiliät erarbeitet, der nach wir vor Gültigkeit hat:

Abklären einer Dentinhypersensibilität:

  1. Jeder (Neu-)Patient sollte gefragt werden:
    Schmerzen Ihre Zähne beim Essen oder Trinken von heißen, kalten oder sauren Speisen oder Getränken?
  2. Klinische Zeichen:
    z.B. Erosionen; Gingivarezession; freiliegendes zervikales Dentin; Parodontitis; Karies; Wurzelfraktur
  3. Patienten befragen nach:
    Persönlichem Verhalten
    Vorangegangenen zahnärztliche Behandlung
  4. Differenzialdiagnostik:
    Karies, Pulpitis, defekte Restauration, okklusales Trauma, Zahnfrakturen/Chipping, akut entzündete Gingiva
  5. Spezifische Diagnostik für Dentinhypersensibilität
    Mit stumpfer Sonde in mesiodistaler oder distomesialer Richtung
    Luftpüster
    Schmerzstärke auf VAS (Visual Analogskala) angeben
  6. OHIP (Oral Health Impact Profile) eventuell zusätzlich angeben = Fragebogen zur mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität. (Die Langversion enthält 49, die gekürzte Version 14 Fragen)

 

Dentinhypersensibilität (Foto: © Dan Race / Fotolia)

Dr. Sonja Sälzer
Fachärztin für Parodontologie
Universität Schleswig-Holstein

Foto (c) privat

Dentinhypersensibilität

kurzer, stechender Schmerz, der durch einen Reiz, typischerweise thermisch, taktil, osmotisch oder chemisch, auf exponiertem Dentin ausgelöst wird und auf keine anderen dentalen Defekte oder Erkrankungen zurückzuführen ist. Die Ätiologie setzt eine freiliegende Dentinoberfläche und das Vorhandensein offener, bis zur Pulpa durchgängiger Dentintubuli voraus.

Schlagwörter: , , , ,