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10. März 2009

Gerade bei Alzheimerpatienten ist die Prophylaxe besonders wichtig.

Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil haben auch ältere Semester häufig noch ihre eigenen Zähne.


Und unter Senioren ist die Parodontitis weit verbreitet. Umso wichtiger ist es auch, gerade in dieser Altersgruppe, auf eine effektive häusliche Zahnpflege großen Wert zu legen und diese Patienten bzw. ihre Angehörigen dazu zu motivieren, regelmäßig eine professionelle Mundhygiene in einer zahnärztlichen Praxis durchführen zu lassen. Eine Aufgabe mit der Prophylaxe-Assistentinnen tagtäglich konfrontiert sind. Die Auseinandersetzung mit alten Menschen ist oft schwieriger und nervenaufreibender als bei jungen Patienten, aber unerlässlich wie eine deutsche Studie zeigt. Denn je mehr Zähne bis ins hohe Alter erhalten bleiben, umso höher ist auch der Prozentsatz an Parodontalerkrankungen.

Sonderfall Alzheimer

Noch komplizierter wird es, wenn Patienten an Alzheimerdemenz leiden. Und diese Patienten sind mit zunehmendem Alter immer häufiger anzutreffen. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen liegt der Prozentsatz an Alzheimerpatienten bei 11%. Sind die Patienten bereits über 85 Jahre, steigt der Anteil sogar auf etwa 50%.

Alzheimer, eine unheilbare Erkrankung

Sie kommt oft schleichend, wird meist zu spät erkannt, schreitet dann aber umso schneller voran. Gerade deshalb ist diese heimtückische Erkrankung für Prophylaxe-Assistentinnen oft ein Problem.

Meist kommen ja auch ältere Semester in regelmäßigen Abständen zur Mundhygienesitzung. Älteren Patienteninnen sind oftmals schon über viele Jahre bekannt und die anfangs kleinen Verhaltensveränderungen, die mit einer Alzheimer-Erkrankung einhergehen, fallen deshalb viel zu spät auf. Eine Situation mit der die Prophylaxe-Assistentinnen übrigens nicht alleine sind. Genauso ergeht es den Angehörigen oder auch anderen behandelnden Ärzten. Und wenn die Symptomatik dann im späteren Stadium schon ausgeprägt ist, kann auch die beste medikamentöse Therapie oft nur mehr das weitere Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen. Eine Heilung ist bis heute nicht möglich.

Was Alzheimer eigentlich ist

Ein gravierendes Merkmal der Erkrankung ist das Absterben von Nervenzellen. Dieser Vorgang findet nicht nur in der Hirnrinde statt, sondern auch in tiefer gelegenen Hirnarealen. Bei Alzheimer kommt es zu einer verminderten Produktion des Botenstoffes Acetylcholin, wodurch es zu einer Störung bei der Informationsweiterleitung und -verarbeitung kommt. Typische Symptome sind das Auftreten von sprachlichen Problemen, räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten und natürlich die bekannten Störungen der Gedächtnisleistung, wobei sich Alzheimerpatienten meist sehr gut an lange zurück liegende Ereignisse erinnern können und die Probleme vorwiegend im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses liegen. Ein Umstand, der die Instruktion von Alzheimerpatienten hinsichtlich Dentalhygienemaßnahmen zusätzlich erschwert. Oft haben diese Patienten Ihre gut gemeinten Tipps schon wieder vergessen, bevor sie noch zu Hause sind. Deshalb ist es auch von eminenter Bedeutung, Angehörige bzw. Pflegebeauftragte in die Instruktion mit einzubeziehen. Nur so kann eine effiziente häusliche Zahnpflege einigermaßen erfolgreich verlaufen.

Anzahl der Zähne und Alzheimer

Eine wissenschaftliche Studie zeigte übrigens einen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl von erhaltenen Zähnen im Alter und dem Auftreten einer Alzheimer-Demenz. So konnte nachgewiesen werden, dass die Zahnerhaltung bis ins hohe Alter das Risiko für ein Auftreten von Demenzerkrankungen reduzieren kann. Ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig eine rechtzeitige, lebenslange, effektive, regelmäßige und professionelle Prophylaxe ist.

Worauf wir besonders achten müssen

Das zahnärztliche Behandlungsprogramm sollte auch bzw. gerade bei Patienten mit Alzheimer regelmäßige orale Untersuchungen, Prophylaxesitzungen, Mundhygieneunterweisungen, prothetische Rehabilitation und einen dreimonatigen Recall beinhalten.
Wichtig ist, dass bereits so früh wie möglich nach der Alzheimer-Diagnose mit der oralen Sanierung begonnen wird, da die Erkrankung häufig sehr schnell voranschreitet, und die Patienten mit zunehmendem Schweregrad immer schwieriger motivierbar sind. Das Ziel sollte immer ein oraler Zustand sein, der funktionell und komfortabel, aber auch hygienisch gut kontrollierbar und handhabbar ist. Alzheimerpatienten nehmen Schmerzzustände oft anders wahr und drücken diese kaum aus. Deshalb erfordert es von der Prophylaxe- Assistentin eine besondere Sensibilität bei Untersuchung des Parodontalstatus und einer darauf folgenden Behandlung.

Medikamente, die zur Therapie der Alzheimer-Demenz eingesetzt werden, bewirken zum Teil eine krankhafte Mundtrockenheit. Zur Vermeidung von Pilzbefall – aufgrund von Mundtrockenheit – können auch beim Alzheimerpatienten die konventionellen Maßnahmen empfohlen werden. Alzheimerpatienten neigen auch – aufgrund psychischer Fehlleistungen – zur Selbstverletzung; gerade im oralen Bereich. Auch darauf ist im Prophylaxealltag stets zu achten. Sie weisen auch häufig Geschwürbildung an Lippen, Zunge oder Alveolarmucosa auf, meist als Folge von unkontrollierten Kaubewegungen oder ungewöhnlicher oraler Verhaltensweisen.

Fehlende Motivation

Die Motivation des Alzheimerpatienten zum Selbsterhalt ist generell sehr gering ausgeprägt. Das macht sich auch in mangelnder häuslicher Mundhygiene und den daraus resultierenden Erkrankungen bemerkbar. Darin liegt auch eines der größten Probleme bei der Durchsetzung von Prophylaxemaßnahmen. Ziel muss aber auch bei Alzheimerpatienten sein, immer einen oral gesunden Zustand herzustellen. Ein Ziel, das allerdings immer nur durch die Einbeziehung der betreuenden Personen zu erreichen sein wird.

Hilfreiche Ratschläge für Alzheimerangehörige

  • hochfrequente (tägliche) Erinnerung an Mundhygienemaßnahmen
  • selbst die Zahnpasta auf die Bürste geben
  • gleichzeitig mit dem Patienten Zähne putzen
  • wichtige Handgriffe regelmäßig vorzeigen
  • eigenhändig die Zahnbürste führen
  • persönliche Begleitung zu Zahnarztterminen
  • eventuell einen Zahnarzt ausfindig machen, der auch Hausbesuche macht

 

Autor:
Erich Bergmann
Kommunikationsexperte
für Gesundheitsangelegenheiten

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