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Befundung des Parodontalstatus

By: | Tags: , , , , , , | Comments: 0 | Juni 8th, 2008

Praxisinformationen zum „Parodontalstatus-Befundblatt“ der ÖGP


Wenn sich im Rahmen einer zahnärztlichen Kontrolle oder einer Prophylaxesitzung der Verdacht auf eine Parodontalerkrankung ergibt, sollte eine strukturierte Befunderhebung folgen, auf deren Basis Diagnose und Therapieplan erstellt werden können. Die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie hat hierzu den „Parodontalen Untersuchungsgang“ vorgeschlagen, der grundsätzlich bei jedem Parodontalpatienten durchgeführt werden soll.

Obligate und fakultative Befunde

Der „Parodontale Untersuchungsgang“ teilt sich in eine Erstuntersuchung mit Beratungsgespräch zur allgemeinen Orientierung des Patienten (Erfassen des Hauptanliegens des Patienten, Gesundheitsfragebogen, Röntgen, allgemeinmedizinische und zahnärztliche Anamnese, intra- und extraorale Befunderhebung) und in die anschließende Parodontalstatuserhebung mit der entsprechenden Dokumentation. Letztere umfasst obligate Befunde (Plaque, Zahnbeweglichkeit, Sondierungstiefe und Attachmentlevel, Furkationsbefall, Blutung bei Sondierung, Eiteraustritt, Beurteilung der Gingiva, Mundphotographie) und fakultative Befunde (Artikulator-Modelle, Keimnachweis, genetische Bestimmung des Parodontalrisikos, erweiterte Mundphotographie), die zusätzliche Informationen liefern können. Die Abbildung zeigt die Frontseite des von der ÖGP vorgeschlagenen Befundblattes, mit dem Lokalisation, Ausmaß und Schweregrad von parodontalen Schäden dokumentiert werden können. Es folgen einige Hinweise für die korrekte Befunderhebung und Dokumentation:

Sondierungstiefe und Attachmentlevel

Die Sondierungstiefe (ST) wird mit einer kalibrierten Parodontalsonde und einer Kraft von 0,25 N erhoben. Pro Zahn sind zumindest 4 (bei Molaren besser 6) Messungen erforderlich. Dabei ist darauf zu achten, dass rund um den Zahn sondiert wird und die tiefsten Messungen in der Nähe der Referenzpunkte eingetragen werden. Als ST gilt der Abstand zwischen Gingivarand und dem Stopp-Punkt der Sonde; als GN (Gingivaniveau, Rezession) der Abstand zwischen der Schmelz-Zement-Grenze und dem Gingivarand. Aus der Summe beider Größen ergibt sich der Attachmentverlust (AN). Bei gut sichtbarer Schmelz-Zement-Grenze sind die Messungen meist unproblematisch. Bei karies- oder restaurationsbedingtem Verlust der Schmelz-Zement-Grenze ist ein anderer Referenzpunkt zu notieren. Bei sogenannten „negativen“ Rezessionen (der Gingivarand liegt höher als die Schmelz-Zement-Grenze) muss der entsprechende Messwert von der Sondierungstiefe subtrahiert werden (z.B. ST 5 mm – GN 3 mm = AN 2 mm).

Blutung bei Sondierung und Suppuration

Während des Sondierens auftretende Blutungen („bleeding on probing“; BOP) und/oder Eiteraustritt sind Anzeichen dafür, dass die Tasche aktiv ist. Beide Parameter sollten nach erfolgreicher Therapie deutlich reduziert sein bzw. ganz ausbleiben. Wird dies nicht erreicht, ist die weitere Prognose jedenfalls ungünstig.

Furkationsbefall

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die folgende Therapie wesentlich beeinflusst, ist ein allfälliger Furkationsbefall. Vorhandensein, Lage und Ausmaß der Furkationen werden mit einer gekrümmten in 3 mm Schritten kalibrierten Nabers-Sonde gemessen.

Plaquebefall und Mobilität

Neben der Mobilität jedes Zahnes wird im Schema auch der Plaquebefall vermerkt – entweder als ja/nein-Entscheidung oder als Approximalraumplaqueindex (API). Die Dokumentation des Plaquebefalls ist nicht nur für die Therapieplanung wichtig, sondern dient auch der Motivation und als Grundlage für die Langzeitkontrolle.

 

Autorin:
Dr. Corinna Bruckmann, MSc
Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien